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Kommunalwahlen

Rente: Ein Aufreger-Thema in Deutschland und Frankreich | BR24

© Francois Mori/AP/dpa

Protest gegen die geplante Rentenreform in Frankreich

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    Rente: Ein Aufreger-Thema in Deutschland und Frankreich

    In Deutschland sind die Regelungen bei der Rente schon viel schärfer als bei den Nachbarn - es ist sogar die Rente ab 70 im Gespräch. Die Franzosen dagegen gehen aktuell gegen ein Renteneintrittsalter von 64 in Massen auf die Straße.

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    Wenn im französischen Kabinett heute die Rentenreform beraten wird, mag sich so mancher Bürger oder Politiker in Deutschland denken, "die haben Sorgen." Denn die Rentenregelungen hierzulande sind schon viel schärfer: Während man in Deutschland über die Möglichkeit einer Rente mit 70 diskutiert, gehen die Franzosen aktuell gegen ein Renteneintrittsalter von 64 auf die Straße. Dennoch ist Rentenpolitik auch in Deutschland ein emotionales Thema, Stichwort "Respektrente".

    Der berühmte Satz "Die Rente ist sicher"

    Ein Satz über die deutsche Rente ist vom Bekanntheitsgrad her bislang unerreicht. Der ihn gesagt hat, hat es ausdrücklich formuliert, "Zum Mitschreiben: Die Rente ist sicher!"

    Diese berühmten vier Worte sprach der damals für Arbeit und Soziales zuständige Minister Norbert Blüm (CDU) in den 80er-Jahren. Und nahm sie auch später nie zurück. Doch ob die deutsche Rente wirklich so sicher ist, darüber wird gerade jetzt viel diskutiert. Denn leider schaue man ängstlich auf die demographische Entwicklung, sagt der Rentenexperte Holger Balodis, und denke, "oh, wenn die ganzen Babyboomer in Rente gehen, dann müsse gestrichen oder stabilisiert werden."

    Babyboomer gehen bald in Rente und sind verunsichert

    Die "Babyboomer", das sind jene geburtenstarken Nachkriegsjahrgänge, die ab Mitte der 20er, also sehr bald, in großer Zahl das Rentenalter erreichen werden. Weshalb jetzt gerade die von der Bundesregierung beauftragte Rentenkommission darüber grübelt, wie genau man damit umgehen soll, dass die jungen Beitragszahler immer mehr Ältere versorgen müssten. Im März werden Vorschläge erwartet. Man werde etwa das Renteneintrittsalter in den Fokus nehmen, prophezeit Buchautor Holger Balodis im Interview mit dem ARD-Hauptstadtstudio:

    "Man wird darüber diskutieren, ob es auf 68, 69 oder 70 Jahre gehen soll. Wobei man sagen muss: Schon die 67 ist ja ambitioniert, die wir heute im Gesetz stehen haben.“ Holger Balodis, Rentenexperte

    64 als Renteneintrittsalter kommt für viel Franzosen nicht in Frage

    Die Debatte über das Renteneintrittsalter ist genau jene, die derzeit beim deutschen Nachbarn Frankreich tobt. Wenn auch dort mit niedrigeren Zahlen hantiert wird. Will Staatspräsident Macron doch nicht nur das komplizierte französische System vereinheitlichen, sondern das Renteneintrittsalter von 62 auf 64 Jahre heraufsetzen. Für den Buchautor Holger Balodis, soll in Frankreich jetzt das passieren, "was wir in Deutschland in den letzten 30 - 40 Jahren schon hinter uns haben."

    In Frankreich fließen 15 Prozent der Wirtschaftsleistung in die Rente, in Deutschland nur 10

    Noch würden in Frankreich 15 Prozent der Wirtschaftsleistung für die Renten ausgegeben, in Deutschland seien es nur noch 10, rechnet Balodis vor. Frei nach Norbert Blüm: In Frankreich ist die Rente derzeit noch etwas sicherer als hierzulande. Während Experte Balodis kein Geheimnis daraus macht, dass es ihm lieber wäre, die Deutschen passten sich den Franzosen an, als dass Macron nun auf den deutschen Weg einschwenke, ist das Dilemma jedoch auf beiden Seiten des Rheins ähnlich.

    Arbeitsbelastung oder Altersarmut als Dilemma

    Hebt man die Sozialabgaben bei den Arbeitslöhnen an, um die Renten zu stärken, belastet man dadurch die Jüngeren. Tut man es nicht, muss man an anderen Stellschrauben drehen, um nicht vermehrt Ältere in die Armut abgleiten zu lassen.

    Bis vor Kurzem schien hierzulande ein Thema geklärt, das wie ein dicker Brocken auf dem GroKo-Tisch lag. Die Grundrente. Der Versuch also, die bisweilen kärglichen Altersbezüge jener rund 1,5 Millionen aufzubessern, die in Deutschland fast ihr ganzes Leben lang gearbeitet haben und denen trotzdem der Gang zum Sozialamt droht:

    "Die Grundrente sorgt für mehr Leistungsgerechtigkeit und für mehr Sicherheit im Alter." Hubertus Heil

    Hubertus Heil von der SPD ist Minister für Arbeit und Soziales und zuständig für den Gesetzentwurf. Doch noch ist das Gesetz trotz vorläufiger GroKo-Einigung wegen des Streits um die Finanzierung nicht in trockenen Tüchern.

    Kritik in Deutschland vergleichsweise leise

    Und die Zahl der kritischen Stimmen war zuletzt wieder angeschwollen. Eine Rentendiskussion gibt’s also in Deutschland wie in Frankreich. Nur dass die im Nachbarland deutlich lautstärker und heftiger geführt wird als hier.