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Weltversammlung "Religions for Peace" in Lindau eröffnet | BR24

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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat in Lindau am Bodensee die zehnte Weltversammlung von "Religions for Peace" eröffnet. Das globale Netzwerk von Religionsvertretern setzt sich seit 1970 für Frieden sowie gesellschaftlichen Zusammenhalt ein.

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Weltversammlung "Religions for Peace" in Lindau eröffnet

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat in Lindau am Bodensee die zehnte Weltversammlung von "Religions for Peace" eröffnet. Das globale Netzwerk von Religionsvertretern setzt sich seit 1970 für Frieden sowie gesellschaftlichen Zusammenhalt ein.

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Fast tausend Religionsvertreter aus 100 Ländern beraten ab heute in Lindau am Bodensee über Lösungen für aktuelle Konflikte. Die viertägige Weltversammlung der größten interreligiösen Nichtregierungsorganisation "Religions for Peace" (Religionen für den Frieden) wurde von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier offiziell eröffnet.

Religionen als "Förderer des Friedens"

Der Bundespräsident warb dabei für die Einbindung von Religionsführern bei der Bewältigung von weltweiten Konflikten: "Religionen können als wirkmächtige und belastbare Förderer des Friedens einen unverzichtbaren und auch unersetzbaren Dienst an den Menschen leisten", sagte Steinmeier. Allerdings erlebe man an vielen Stellen der Welt, wie religiöse Gefühle und Überzeugungen in Gewalt gegen Andersgläubige oder sogenannte Ungläubige umschlagen. "Religions for Peace" hingegen mache Ernst mit der Überzeugung, dass Religionen kein Anlass mehr sein dürften für Unfrieden und Krieg, sondern dass sie im Gegenteil Werkzeuge des Friedens sein müssten.

Multireligiöses Panoptikum in Lindau

Schon die Ankunft der Delegierten in Lindau hatte ein Bild von hoher Symbolkraft geboten. Aus den Shuttlebussen stiegen muslimische Geistliche, jüdische Rabbiner, buddhistische Mönche. Alle leicht zu identifizieren an ihren traditionellen Gewändern und Kopfbedeckungen. Der Turban der Sikhs, der Schleier der katholischen Nonne.

Doch das Lindauer Treffen ist mehr als ein multireligiöses Panoptikum. Es geht darum, dass die Vertreter der verschiedensten religiösen Traditionen und Konfessionen miteinander ins Gespräch kommen. Zum Beispiel in Uganda. Hier gibt es zwischen der christlichen Bevölkerungsmehrheit und der muslimischen Minderheit immer wieder kleinere Konflikte und Reibereien. Drijaru Allen Solance ist eine Delegierte aus Uganda und setzt große Hoffnung in diese Versammlung:

"Ich hoffe, dass es zwischen den Religionen in meinem Land Einheit gibt, dass als Ergebnis dieser Konferenz die Religionen in Frieden und Harmonie miteinander leben." Drijaru Allen Solance, Delegierte aus Uganda

Religiöse Vertreter aus Myanmar wollen in Lindau ins Gespräch kommen

Mit ähnlich hohen Erwartungen sind auch Teilnehmer aus Myanmar an den Bodensee gereist. 700.000 muslimische Rohingya wurden von radikalen Buddhisten aus dem Land vertrieben. Hinter verschlossenen Türen versuchen Vertreter der Religionen aus Myanmar in Lindau wieder miteinander ins Gespräch zu kommen. Im besten Fall soll es konkrete Vereinbarungen geben, sagt Ulrich Schneider, der als Geschäftsführer das Treffen in Lindau vorbereitet hat.

"Es wird am Ende eine Abschlusserklärung geben und das Besondere an dieser Erklärung ist, dass die tatsächlich hier erarbeitet wird. Und es soll ein Aktionsplan im Zentrum stehen, der konkrete Handlungsverabredungen für die nächsten Jahre gibt in einzelnen Nationen und Regionen." Ulrich Schneider, Organisator "Religions for Peace" in Lindau

Friedensarbeit aktueller denn je

"Religions for Peace" ist als weltweit größte Bündnis von Religionsgemeinschaften in rund 100 Ländern aktiv. 1961 wurde die Organisation gegründet. Seit 1970 finden die internationalen Treffen in einem Abstand von etwa fünf Jahren statt. Das erklärte Ziel der "Religions for Peace" ist es, dass Religionsvertreter in Krisen und Konflikten Friedensarbeit leisten. Das sei in Zeiten, in denen vor allem das Konfliktpotential von Religionen wahrgenommen werde, aktueller denn je, sagt der Generalsekretär von "Religions for Peace", William Vendley.

Doch auch in diesem Jahr haben vor allem verheerende Anschläge im Namen der Religion Schlagzeilen gemacht: die Angriffe auf Kirchen in Sri Lanka und das Massaker in einer Moschee im neuseeländischen Christchurch. In Lindau wollen sich Spitzenvertreter von Glaubensgemeinschaften für einen weltweiten Schutz religiöser Stätten einsetzen, sagt Buddhist Kyoichi Sugino aus Japan. Seiner Meinung nach sei der Schutz heiliger Stätten immens wichtig, um eine Kultur des Friedens und des Respekts zu fördern. Diese Punkte müssten hier in Lindau gestärkt werden.

Friedenspotential von Religionen als Thema in der Außenpolitik

Die Bundesregierung unterstützt diese Ziele. Auch finanziell. Zusammen mit dem Freistaat Bayern ist das Auswärtige Amt ein wichtiger Sponsor der Lindauer Versammlung. Bundespräsident Frank Walter Steinmeier wird den Religionsgipfel eröffnen. Schon als Außenminister hat sich Steinmeier dafür stark gemacht, dass das Friedenspotential von Religionen ein Thema der Außenpolitik wird.