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Rekordernte beim Hopfen – Probleme beim Absatz | BR24

© picture alliance/Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Die Hopfenernte in Bayern lief in diesem Jahr ausgesprochen gut. Das Problem: der rückgängige Absatz.

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    Rekordernte beim Hopfen – Probleme beim Absatz

    Bayern freut sich über die beste Hopfenernte seit 1993. Auch der Alphasäurewert, ein Indikator für die Qualität des Hopfens, liegt in diesem Jahr besonders hoch. Doch eines macht Probleme – der Absatz. Denn der geht deutlich zurück.

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    Der Branchenbericht des Nürnberger Hopfenhändlers BarthHaas bietet eigentlich nur gute Zahlen. Menge und Qualität stimmen. Firmenmitinhaber Stephan J. Barth vermutet, "dass der Bierausstoß dieses Jahr um zehn Prozent oder gar mehr global sinken wird, auch Deutschland hat eine schwierige Zeit, natürlich ist es sehr unglücklich, dass eine große gute Ernte auf einen Absatzeinbruch trifft, den es so schon lange nicht mehr gegeben hat." Eigentlich seit 1945 nicht mehr.

    Lagerkapazitäten ausgeweitet – Hopfen lange haltbar

    Deswegen hat das Familienunternehmen schon Lagerflächen angemietet – denn die Bierbrauer werden dieses Jahr deutlich weniger Hopfen verarbeiten. "Zum Glück kann man Hopfen und vor allem Hopfenprodukte wie Pellets oder Extrakte gut lagern. Drei bis fünf Jahre ohne nennenswerten Qualitätsverlust sind kein Problem", erklärt Stephan J. Barth.

    Ausgefallene Bierfeste, Einschränkungen in der Gastronomie

    Doch nun drückt die Corona-Pandemie mit den erheblichen Einschränkungen die Bier-Nachfrage. Vor allem in der der Gastronomie. "Besonders Brauereien, die nicht im Getränkehandel und im Supermarkt vertreten sind, trifft das besonders hart", erklärt der Hopfenhändler. Das sind etwa kleinere Brauereien, die viele Bierfeste beliefern. Und besonders die neuen Craft-Bier-Brauereien. Die machen zwar nur zwei bis drei Prozent des Marktes aus, durch die intensive Hopfenverarbeitung landen hier aber bis zu zehn Prozent des Hopfens.

    Neue Vertriebswege – Craft-Bier-Boom bekommt einen Dämpfer

    Die Craft-Bier-Szene bommte in den vergangenen Jahren, in Szene-Kneipen und Bars. Auch Orca-Brau aus Nürnberg schwamm auf dieser Welle mit, war so erfolgreich, dass sie investierten, mit einer neuen Brau-Anlage die Produktionsmenge vervierfachten. "Der Umbau war schon länger geplant, war im April", erklärt Inhaber Felix vom Endt. Und dann brachen die Absätze ein. Glück für die Nürnberger – der neue Online-Shop und immer mehr Selbstabholer halten das Szene-Bier am Leben.

    Durststrecke überwinden – schwieriger Winter

    Der Qualitäts-Hopfen des Jahrgangs 2020 kann mehrere Jahre lagern. Ob davon noch alle Brauereien profitieren werden, ist fraglich. Je länger die Pandemie mit den herben Einschränkungen für Hotels, Bars und Gastronomie andauert, desto mehr Betriebe werden Schwierigkeiten bekommen.

    Die Legende "Bier getrunken wird immer" stimmt so nicht unbedingt. Das haben Studien des Nürnberger Hopfenhändlers ergeben. Während der Weltwirtschaftskrise in den 1920er Jahren brach der Bierkonsum nämlich stark ein. Die Bankenkrise 2009 überstand die Branche dagegen ohne nennenswerte Einbußen. Doch die Corona-Pandemie könnte zu einer langen Durststrecke für die Bierbranche werden.

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