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Reichspogromnacht: München gedenkt der Opfer | BR24

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81 Jahre nach der Reichspogromnacht sind in München die Namen jüdischer Opfer verlesen worden. Am Gedenkstein der ehemaligen Hauptsynagoge erinnerte die Lesung an Menschen, die Widerstand leisteten. Die meisten bezahlten ihren Mut mit ihrem Leben.

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Reichspogromnacht: München gedenkt der Opfer

Die Stadt München erinnert mit verschiedenen Veranstaltungen an die Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938. Unter anderem wurden am Gedenkstein der ehemaligen Hauptsynagoge drei Stunden lang die Namen der Opfer verlesen.

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4.587 jüdische Münchnerinnen und Münchner haben im Holocaust ihr Leben verloren. Wie in jedem Jahr gedenkt München dieser Menschen am Jahrestag der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938.

Mit einer Lesung am Gedenkstein der zerstörten ehemaligen Hauptsynagoge in der Herzog-Max-Straße verlasen mehr als 20 Münchner und Münchnerinnen aus Politik, Kultur, Justiz und Wissenschaft drei Stunden lang die Namen und Geschichten Münchner Jüdinnen und Juden, die Widerstand gegen die Nazis leisteten. Fast alle wurden umgebracht. Beginn der Lesung war am späten Vormittag.

Lesungen am Gärtnerplatz und Thalkirchner Platz

Unter dem Motto "Sie waren unsere Nachbarn" erinnern am Sonntagnachmittag ab 16 Uhr Münchner am Gärtnerplatz an ihre damaligen jüdischen Nachbarn. Sie erzählen ihre Lebensgeschichten und zeigen, welche Lücken die Menschen hinterließen. So geht es unter anderem um die drei Schwestern Betty, Emilie und Mathilde Landauer, die sich für den Frieden, einen Acht-Stundentag und das Frauenwahlrecht eingesetzt haben, oder auch um den in die USA emigrierten Physiker Albert Einstein, der am Gärtnerplatz aufgewachsen ist.

Ab 18 Uhr lesen Jugendliche aus verschiedenen Schulen und Vereinen gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen am Thalkirchner Platz vor der Eisdiele die Namen der aus dem 19. Stadtbezirk deportierten und ermordeten jüdischen Bürger vor. Anschließend tragen Vertreter der jüdischen Gemeinde, der christlichen Gemeinden und des Muslimrats München – musikalisch untermalt - Gedichte und Briefe vor. Die Veranstaltung ist bis 20.30 Uhr geplant.

"Reichskristallnacht": Terror und Gewalt begannen in München

München hat bei den Nationalsozialisten eine entscheidende Rolle gespielt. Am 9. November 1938 hielt Josef Goebbels eine antisemitische Rede im großen Saal des Alten Rathauses und rief zum Pogrom gegen die deutschen Juden auf. Terror, Hass und Gewalt gingen ab da jahrelang von Bayerns Landeshauptstadt aus.

Eine brutale Hetzjagd auf Juden begann in ganz Deutschland. Unzählige Synagogen und jüdische Einrichtungen brannten. Tausende jüdische Geschäfte wurden zerstört und geplündert, Menschen wurden erniedrigt, ermordet und durch Gewaltaktionen in den Selbstmord getrieben. Allein aus München wurden mehr als 1.000 Männer ins Konzentrationslager Dachau verschleppt und dort festgehalten, gedemütigt und gequält.