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Reichsparteitagsgelände: Erinnerungskultur gegen Fackelzüge | BR24

© dpa-Bildfunk/Daniel Karmann

Blick auf die Zeppelintribüne (Steintribüne) auf dem ehemaligen Reichparteitagsgelände

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Reichsparteitagsgelände: Erinnerungskultur gegen Fackelzüge

In Nürnberg wird im Bereich der Erinnerungskultur mit neuen Technologien gearbeitet: Virtuelle Rundgänge sollen etwa die Geschichte des Reichsparteitagsgeländes beleuchten. Über einen Ort, der Touristen und Neonazis gleichermaßen anzieht.

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Mit Fackeln posierte eine Gruppe von Neonazis provokant an der ehemaligen Rednertribüne, von der schon Adolf Hitler in den 1930er Jahren bei den Reichsparteitagen sprach. Zuvor haben sich die schwarz gekleideten Rechtsextremisten vor einem Flüchtlingsheim im Nürnberger Stadtteil Langwasser versammelt. Dort wurden sie samt Fackeln von der Polizei kontrolliert, haben einen Platzverweis erhalten.

Neonazis marschieren mit Fackeln

Danach zog die Gruppe offenbar zum ehemaligen Aufmarschgelände der NSDAP und inszenierte dort ungestört einen Fackelzug – später stellten sie ein Video davon ins Internet. Wie danach bekannt wurde, observierten zwei Zivilpolizisten den Aufmarsch – schritten aber nicht ein – aus Eigenschutz, wie die Polizei mitteilte.

Der Polizeieinsatz wird mittlerweile von vielen Seiten kritisiert. Auch Innenminister Joachim Herrmann äußerte sich dazu: "So etwas muss in Zukunft strikt unterbunden werden. Der Polizeieinsatz ist insgesamt nicht sehr glücklich abgelaufen, er wird von der Polizei nachbereitet und es muss alles dafür getan werden, dass sich sowas in Zukunft nicht wiederholt."

Das Thema ist noch nicht vom Tisch. Landtagsabgeordnete von SPD und Grünen wollen weiter dranbleiben, um den Polizeieinsatz vollständig aufzuklären, heißt es.

Ehemaliges Reichsparteitagsgelände zieht Touristen an

Hauptsächlich wird das ehemalige Reichsparteitagsgelände von Menschen besucht, die sich selbst einen Eindruck von den riesenhaften Versammlungsbauten und ehemaligen Aufmarschanlagen machen wollen. Vor allem Besucher aus dem Ausland, aber auch Einheimische kommen jährlich zu hunderttausenden und informieren sich über die NS-Zeit. Das zeigt eine Studie, die von der Uni Erlangen in Zusammenarbeit mit der Stadt Nürnberg erstellt wurde. Seit Jahren schon setzt die Stadt auf eine bewusste Erinnerungskultur.

Deshalb sollen die historischen Bauobjekte, wie Kongresshalle und Steintribüne, auch nach wie vor öffentlich zugänglich bleiben. Nürnbergs Kulturreferentin Julia Lehner sagt: "Wir gehen konsequent an dieser Stelle weiter, wir wollen diese steinernen Zeitzeugnisse erhalten, wir wollen öffnen, wir möchten Transparenz schaffen mit der Begegnung und wir möchten darüber hinaus natürlich informieren. Und ich glaube, das ist notwendiger denn je diese Arbeit konsequent weiter zu bestreiten."

Erinnerungskultur mit neuen Technologien

Gerade werden neue Technologien für die geschichtliche Erinnerungskultur ausprobiert. Das Start-Up-Unternehmen "Blickwinkel-Tour" hat virtuelle Touren über das ehemalige Reichsparteitagsgelände entwickelt. Mit Virtual-Reality-Brillen sollen Besucher das Gelände auf eine ganz neue Art wahrnehmen können. Durch die 3D-Brillen werden die Bauwerke am ehemaligen Reichsparteitagsgelände in einer interaktiven 360°-Umgebung dargestellt.

Die Macher sind während einer Führung über das ehemalige Reichsparteitagsgelände auf diese Idee gekommen. Start-Up-Gründer Arthur Petto erklärte dazu: "Wir haben bei Rundgängen festgestellt, dass wir mit der Technologie den Rundgängen einen Mehrwert bieten können. Wir wollen nicht glorifizieren und auch die Darstellungen nicht allzu faszinierend gestalten. Unser Hauptaugenmerk liegt darauf einen gewissen Bildungsauftrag zu verfolgen und historische Inhalte zu vermitteln".

Geschichte mit Virtual Reality

Unterstützt wird das Projekt vom Verein "Geschichte für Alle", der historisch-politische Bildungsarbeit zur NS-Vergangenheit am Dokumentationszentrum in Nürnberg betreibt. Für Vereinsmitarbeiter Pascal Metzger ist die Technologie der virtuellen Realität dabei ein Unterstützungsformat, das über die bereits vorhandenen analogen Schautafeln hinausgeht:

"Mithilfe der Brillen können wir Geschichte eindringlicher vermitteln. Wir haben die Möglichkeit vor Ort nicht nur die Gebäude zu betrachten, die noch da sind und die Bilder, die wir mitbringen, sondern durch die VR auch Bilder zu zeigen, die so nie existiert haben oder die Fotos zu zeigen, die quasi nie aufgenommen wurden, weil die Gebäude entweder nie gebaut wurden oder nach dem Krieg wieder abgerissen wurden."

Dass durch das neue Format Bilder entstehen, die durchaus auch faszinierend sind, wissen die Entwickler. Einen Sensationseffekt wollen sie nicht vermitteln, sondern über den Nationalsozialismus aufklären. Bis Mitte Februar sind die VR-Brillen im Nürnberger Innovationslabor Josephs ausgestellt und können vor Ort getestet werden. Besucher werden von Mitarbeitern bei der virtuellen Führung betreut.

Ab Herbst sollen die virtuellen Touren dann regulär bei Führungen am Dokumentationszentrum in Nürnberg angeboten werden.