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Das Frühjahr ist für den Rehnachwuchs eine gefährliche Zeit. Kitze verstecken sich im hohen Gras - das Problem: Landwirte sehen sie beim Mähen nicht. Mähmaschinen werden zur tödlichen Gefahr. Damit die Kitze nicht überfahren werden, helfen Drohnen.

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Rehkitze: Mit Drohnen Leben retten

Das Frühjahr ist für den Rehnachwuchs eine gefährliche Zeit. Kitze verstecken sich im hohen Gras – das Problem: Landwirte sehen sie beim Mähen nicht. Mähmaschinen werden zur tödlichen Gefahr. Damit die Kitze nicht überfahren werden, helfen Drohnen.

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Von
  • Sarah Beham

Es ist vier Uhr morgens. Die Drohnenpiloten Michael Lasch und Michael Klingsöhr, sowie Jäger Benedikt Waltmann und andere freiwillige Helfer machen sich auf den Weg. Ihr Ziel: zwei Felder im Landkreis Landshut. Sie sind Rehkitzretter – und wollen die kleinen Kitze vor dem Tod durch Mähmaschinen retten.

100.000 tote Rehkitze durch Mähmaschinen: Drohne als Lebensretter

"Man selbst sieht das Reh nicht im Feld – man würde auf einen halben Meter dran vorbeilaufen", erklärt Drohnenpilot Lasch. Nur mithilfe der Wärme-Bild-Kamera der Drohne werden die Kitze im Feld sichtbar – am besten gelingt dies in den frühen Morgenstunden, wenn die Sonne das gesamte Feld noch nicht erhitzt hat.

Auf einem Bildschirm tauchen die Kitze dann als rote Punkte auf, als Wärmequellen von Tieren. Die kleinen Kitze verstecken sich im hohen Gras vor Fressfeinden. Sie haben – anders als erwachsene Rehe – keinen Fluchtinstinkt, weder vor Menschen, noch vor Mähmaschinen. Jährlich geraten nach Schätzungen zwischen 50.000 und 100.000 Rehkitze in Deutschland unter ein Mähwerk und werden dadurch getötet.

Rehkitzretter-Plattform für Landwirte, Jäger und Drohnenpiloten

Das wollen nicht nur Landwirte verhindern, sondern auch die ehrenamtlichen Rehkitzretter. Die können von den Landwirten vor dem Mähen angefordert werden, damit die Kitze aus dem hohen Gras gerettet werden. Die Drohnenpiloten Lasch und Klingsöhr haben dafür auch eine kostenlose Rehkitzretter-Plattform erstellt um die Arbeit für alle Beteiligten zu erleichtern.

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Bildrechte: Screenshot "rehkitzretter.eu"

Die Rehkitzretter-Plattform gibt einen Überblick über die gefundenen Rehkitze und verbindet alle Beteiligten untereinander.

Der Landwirt kann auf der Karte sein Feld einzeichnen und seinen Mähtermin eintragen. Der Drohnenpilot wird dann informiert und rückt mit freiwilligen Rehkitzrettern aus. Auf der Plattform können sich zudem zuständige Jagdbeauftragte registrieren – auch sie werden bei einem anstehenden Mähtermin benachrichtigt.

"Wir versuchen auch als Jäger, dass es dem Wild gut geht, deswegen engagieren wir uns gemeinsam mit den Landwirten und versuchen das Beste draus zu machen." Benedikt Waltmann, Jäger
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Mithilfe von Drohnen werden die Kitze im Feld gefunden - und können gerettet werden.

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Drohnenpilot Michael Lasch behält den Drohnenbildschirm im Blick und navigiert die Retter zum Wärmepunkt.

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Dank der Drohnen-Technik können die Landwirte sicher mähen.

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Nach dem Mähen werden die Kitze wieder freigelassen - und warten auf ihre Mütter.

Rehkitzretter: Ehrenamt und Knochenjob

Im Frühjahr sind die Rehkitzretter fast täglich im Einsatz – ein Einsatz kann bis zu 14 Stunden dauern. Die Drohnenpiloten halten den Bildschirm im Blick und suchen nach roten Wärmepunkten. Wird ein Punkt gefunden, geht alles schnell: Die Rehkitzretter rennen ins hüfthohe, nasse Gras, um die Spur nicht zu verlieren. Denn: Der Drohnenakku hält nicht zu lange. Die Retter werden von einem Punkt zum nächsten per Funk von den Drohnenpiloten navigiert. Die Rehkitzsuche hat nichts mit Romantik zu tun, sondern ist ein Knochenjob. Es geht um Leben und Tod.

Dank Drohne: Sicherheit für Landwirte und Rehe

Wird ein Kitz gefunden, ziehen sich die Ehrenamtlichen Handschuhe über und reißen Grasbüschel ab, um ihren menschlichen Geruch zu überdecken, damit die Rehmutter ihr Kleines später wieder annimmt. Die Kitze werden aus dem Feld an den Rand getragen und unter einen Korb gelegt. Hier sind sie in Sicherheit vor den Mähmaschinen und die Landwirte können beruhigt mähen.

Nach dem Mähen werden die Kitze wieder an die Stelle getragen, an der sie gefunden wurden. Hier werden sie freigelassen – und die Kitze müssen nur darauf warten, wieder von der Rehmutter abgeholt zu werden.

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Die Rehe haben jetzt Nachwuchs. Und der versteckt sich im hohen Gras vor Fressfeinden. Immer werden die Jungtiere allerdings bei Mäharbeiten von Landmaschinen verstümmelt oder getötet. Mit dem Einsatz von Drohnen werden die Tiere davor bewahrt.

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