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Mit Spürhunden und Drohnen sucht die Wildtierhilfe Mittelfranken Wiesenflächen nach Tieren ab, bevor die Landwirte mit dem Mähen beginnen.

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    Rehkitze in Gefahr: Wildtiersuche mit Drohnen und Hunden

    Ausgerüstet mit Spürhunden und einer Drohne sucht die Wildtierhilfe Mittelfranken nach Rehen, Hasen oder anderen Tieren auf größere Wiesenflächen, bevor diese gemäht werden. Das kostenlose Suchangebot für Landwirte ist vom Bund subventioniert.

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    Von
    • Markus Balek

    Es war der Skandal Ende Mai im Landkreis Ansbach. Ein Landwirt aus Herrieden mähte seine Wiese, wohlwissend, dass sich dort noch ein Rehkitz befindet. Warnungen von Spaziergängern wurden ignoriert und missachtet. Das Kitz wurde vorsätzlich getötet und der Landwirt angezeigt. Dabei übernehmen das Absuchen von Grünflächen Jagdpächter oder Organisationen wie die Wildtierhilfe Mittelfranken – ausgestattet mit modernster Technik und Suchhunden.

    Landwirte in der Pflicht – hohe Strafen drohen

    Gesetzlich sind die Landwirte verpflichtet ihre Wiesen frei von Tieren zu halten, bevor sie mit dem Mähen beginnen. Die Verantwortung liegt nicht etwa beim Jagdpächter. Mehrere tausend Euro, im Wiederholungsfall sogar Gefängnisstrafen drohen, sollten Tiere zu Schaden kommen.

    Landwirt Manfred Winhart und dessen Tochter Laura vom Biobauernhof Hilsbacher Hof in Herrieden kommen daher regelmäßig proaktiv auf die Wildtierhilfe Mittelfranken zu, um ihre Wiesen absuchen zu lassen. Sie wollen Vorbild sein und könnten sich nicht erklären, wenn andere Landwirte dieses Angebot nicht nutzten.

    "Gesetzlich sind wir verpflichtet den Tierschutz zu wahren", erklärt Manfred Winhart. "Wenn ich jetzt Heu mache, heißt das, ich muss die gute Wetterlage ausnützen. Dann habe ich drei bis vier Tage und ich muss schauen, dass ich mit dem Mähen zeitig dran bin." Deswegen könnte es sein, dass der ein oder andere Landwirt sagt: Jetzt muss ich mähen und kann nicht darauf warten, dass der Jagdpächter oder die Wildtierhilfe vorher absucht, überlegt der Landwirt weiter. "Aus meiner Sicht eine absolute Dummheit."

    Drohne mit Wärmebildkamera

    Ausgestattet ist die Wildtierhilfe Mittelfranken mit einer Drohne mit integrierter Wärmebildkamera. Geflogen wird sie von Landwirt und Drohnenpilot Sascha Lagemann aus Burgoberbach (Lkr. Ansbach).

    Auf dem Display seiner Fernsteuerung sieht er beim Überfliegen der Wiesen anhand von Temperaturunterschieden genau, ob es sich um ein Rehkitz, Hasen oder Gelege – also Nester von Tieren – handelt.

    "Wenn ich eine Wärmesignatur sehe, die wird mir gelb-rötlich angezeigt wird, dann hole ich die Hundeführer dazu." Sascha Lagemann, Drohnenpilot der Wildtierhilfe Mittelfranken
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    Mit Spürhunden und Drohnen sucht die Wildtierhilfe Mittelfranken Wiesenflächen nach Tieren ab, bevor die Landwirte mit dem Mähen beginnen.

    Drohne und Suchhunde in Kombination

    Bei der Wildtierhilfe Mittelfranken ist die Kombination aus Drohne und Suchhunden die Ideallösung zum Aufspüren von Tieren in den Wiesen. Gibt es anhand der Wärmesignatur einen Verdacht, bleibt die Drohne zur Orientierung direkt über dem Wärmepunkt auf der Wiese schweben, dann wird die Witterung durch die extra dafür ausgebildeten Suchhunde aufgenommen.

    Die Drohne alleine käme aus klimatischen Gründen an ihre Grenzen, sagt Carmen Frisch von der Wildtierhilfe Mittelfranken. Bei wärmeren Temperaturen könne die Wärmebildkamera der Drohne kaum noch verlässliche Wärmeunterschiede wahrnehmen, auch bei stärkerem Regen oder Wind seien die Einsatzmöglichkeiten der Drohne technisch begrenzt. Der Einsatz der Hunde allein wiederum hätte flächenmäßig seine Grenzen. An einem Tag könnten nicht 40 Hektar nur mit einem Hund durchlaufen werden, so Carmen Frisch weiter.

    "Unsere Kombination und unsere Empfehlung für andere Organisationen: Nehmt die guten Vorstehhunde und eine vernünftige Drohne mit Wärmebild." Carmen Frisch, Vorsitzende Wildtierhilfe Mittelfranken
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    Mit Spürhunden und Drohnen sucht die Wildtierhilfe Mittelfranken Wiesenflächen nach Tieren ab, bevor die Landwirte mit dem Mähen beginnen.

    Unkompliziert, schnell, kostenlos – positives Feedback der Landwirte

    Vielen Landwirten sei vermutlich gar nicht bewusst wie schnell eine Wiese abgesucht sei oder wie unkompliziert das Anfordern des Suchtrupps funktioniere, sagt Carmen Frisch von der Wildtierhilfe Mittelfranken. Dazu ist dieser Service kostenlos. Jederzeit könnten Landwirte auf Jagdpächter oder die Wildtierhilfe guten Gewissens zukommen. Man arbeite zusammen und tausche sich aus, so Frisch weiter. Das Feedback der Landwirte sei positiv und oft sei die Überraschung groß wie schnell eine Wiese abgesucht sei.

    "Auch ich war mir anfangs unsicher, ob ich wegen jeder Wiese anrufen darf. Die Resonanz war stets positiv, es geht schnell und ist simpel." Laura Winhart, Landwirtin Hilsbacher Hof in Herrieden
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    Mit Spürhunden und Drohnen sucht die Wildtierhilfe Mittelfranken Wiesenflächen nach Tieren ab, bevor die Landwirte mit dem Mähen beginnen.

    Subventionierung durch den Bund

    In der Anschaffung kostet eine Drohne mit Wärmebildkamera mehrere tausend Euro. Da das Absuchen für Landwirte kostenlos ist, subventioniert der Bund die Drohnenprojekte bei Wildtierhilfen seit fast zwei Jahren mit mehreren Millionen Euro. Spenden als Aufwandsentschädigung für die Wildtierhilfen seien natürlich trotzdem gerne gesehen, sagt Carmen Frisch. Immerhin seien im Landkreis Ansbach oft größere Anfahrtsstrecken zurückzulegen. Der Landkreis Ansbach ist der flächenmäßig größte Landkreis Bayerns. Wildtierhilfen sind dazu gemeinnützige Vereine mit ehrenamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen.

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