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Holzpreise und Klimawandel

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Regionaler Preisverfall: Klimawandel macht Holz günstig

Feuerholz zu Niedrigpreisen mitten im Winter - Grund dafür ist die dramatische Lage vieler Wälder in Niederbayern, Franken und der Oberpfalz. Trockenheit und Borkenkäfer haben den Bäumen so zugesetzt, dass viele geschlagen werden mussten.

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Trockenstress, Borkenkäfer und Hitzeschäden - das Extremwetter der vergangenen Jahre macht den Wäldern in Nord- und Ostbayern zu schaffen. Fichten, aber auch Buchen und Eschen leiden. In Franken, der Oberpfalz und im Bayerischen Wald können Kaminbesitzer ihre Holzvorräte deshalb günstig aufstocken.

"Der Preis für Hackschnitzel ist ein guter Indikator zur Preisentwicklung und der ist gerade niedrig. Es lohnt sich also jetzt zu kaufen." Kathrin Bruhn, Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe

Im Technologie- und Förderzentrum für Nachwachsende Rohstoffe in Straubing verzeichnen die Experten eine wachsende Nachfrage nach Holz als Brennstoffträger, denn die Investition in neue Holzöfen lohnt sich.

Überangebot drückt die Preise

Die Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Freising sieht 2019 als Negativrekordjahr. 4,5 Millionen Festmeter sogenanntes Kalamitätsholz, von Bäumen mit Sturm-, Trockenheits- und Borkenkäferschäden mussten die Waldbesitzer aus ihren Beständen holen, das wirkt nach. Private Waldbesitzer in der Oberpfalz verkaufen derzeit das Ster Fichtenbrennholz teilweise schon ab 35 Euro, in Niederbayern bei Landshut für rund 50 Euro. Selbstabholer finden im Brennholzhandel ofenfertiges Holz vorgespalten ab 70 Euro. Der niedrige Festmeterpreis macht den Holzschlag aktuell unrentabel.

"Viele Privatwaldbesitzer erlösen mit ihrem Fichtenholz heute weniger Geld, als sie die Aufarbeitung kostet. Die Lage ist mancherorts katastrophal." Robert Morigl, Bayerisches Forstministerium

Holz bleibt im Wald

Allein Fällung und Transport kosten je nach Aufwand zwischen 20 und 45 Euro. Dazu kommt ein Abschlag für Käferholz von 15-25 Euro beim Abnehmer vor Ort. Anstelle des dringenden Waldumbaus hin zu klimatoleranten Mischkulturen, warten manche Privatwaldbesitzer auf bessere Preise und schlagen kein frisches Fichtenholz mehr.

Preisgefälle zwischen Nord- und Südbayern

Trockenheit und Käferschäden haben aber nicht alle Waldregionen getroffen. In Oberbayern und Schwaben konnten sich viele Bestände 2019 sogar erholen.

"Im Vergleich hatten wir hier im Ostallgäu Glück. Mit den aktuell etwas höheren Preisen lohnt sich für die Waldbesitzer wieder das Durchforsten." Stefan Kleiner, Forstdirektor AELF Kaufbeuren

Weil im Süden die Nachfrage nach Brennholz generell hoch ist, kostet in Schwaben ein Ster Fichte ab 60 Euro, frische Fichte 70 Euro und wird in guter Qualität auch teurer angeboten, ähnlich ist das Preisniveau in Oberbayern.

Holzverarbeiter machen gute Geschäfte

Das Absterben ganzer Fichtenbestände sorgt nicht nur in Bayern, sondern auch in Mittel- und Ostdeutschland, in Niedersachsen und Tschechien für eine Nadelholz-Schwemme. Für Holzverarbeiter ist dies ein Vorteil, sagt Lars Schmidt vom Bundesverband "Deutsche Säge- und Holzindustrie e.V.".

"Uns macht der niedrige Rundholzpreis wieder wettbewerbsfähig. Familienbetriebe produzieren mit Hochdruck, um den Waldbesitzern ihr Kalamitätsholz abzunehmen." Lars Schmidt

Um den Markt zu entlasten, hat auch die Nadelholz-Ausfuhr einen neuen Höhepunkt erreicht, so das Bayerische Landesamt für Statistik. 2019 gingen Exporte im Wert von 65 Millionen Euro vor allem nach Asien. Der globale Handel mit Nadelbaum-Schnittholz verhinderten einen weiteren Wertverlust. Bei den Ausfuhren lagen die Preise für zwischen 35 und 45 Euro pro Festmeter frei Wald.

Monokulturen auf dem Holzweg

Experten vom Landesamt für Landwirtschaft rechnen dauerhaft mit extremen Wetterlagen, Trockenheit, Nassschnee und Sturm. Rasant steigende Durchschnittstemperaturen und ausbleibende Niederschlägen setzen die Fichten immer mehr unter Druck, denn der schnellwachsende Nadelbaum stammt ursprünglich aus Skandinavien. In geschwächten Beständen breitet sich der Borkenkäfer rasant aus. Dabei liefert die spargelgerade und schnell aufstrebende Fichte gefragtes Holz.

Um heutige Fichten-Monokulturen zu stabilisieren, sind Pflege und Investitionen in den Waldumbau mit klimafesten Mischgehölzen wie Eiche oder Douglasie bis ins Gebirge hinauf nötig. Deshalb erhalten Waldbesitzer vom Freistaat Hilfen für den Waldumbau.

© dpa/pa, Christin Klose

Brennholz, das zur Lagerung aufgestapelt ist

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