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Bildrechte: Tobias Hildebrandt / BR

Hofladen von Thomas Hartmann.

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    Regionale Hofläden: Ansturm auf die Weide-Schweine

    Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie ist in vielen Hofläden deutlich mehr los. Im Nördlinger Ries hat sich das Leben von Thomas Hartmann deshalb verändert. Er hält Schweine auf einer Wiese. Deren Fleisch ist jetzt heiß begehrt.

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    Von
    • Tobias Hildebrandt

    Thomas Hartmann muss jetzt deutlich öfter zwischen Kühlhaus und dem Hofladen nebenan hin und her laufen bis Wurst, Schnitzel und Braten hergerichtet sind – und trotzdem wird Samstagnachmittag wahrscheinlich wieder fast alles verkauft sein. So geht es schon seit Monaten. Und das, obwohl der Schweinehalter mehr Fleisch in der Kühltheke liegen hat als vor der Corona-Pandemie. Statt einem Schwein pro Woche lasse er nun zwei Schweine pro Woche schlachten, sagt Thomas Hartmann. Eine Steigerung um 100 Prozent.

    Mehr Arbeit durch Corona

    Als Corona-Gewinner will sich Thomas Hartmann trotzdem nicht bezeichnen, das hätte einen faden Beigeschmack in einer Pandemie, die tausende Menschenleben gefordert hat. Aber er merke, dass sich viele Leute mehr Gedanken machten, wo ihre Lebensmittel herkämen und wie die Nutztiere lebten. Das freut den 51-Jährigen, der eigentlich nur im Nebenjob Bauer ist, natürlich. Für ihn heißt das aber auch: Mehr Arbeit. Vier bis fünf Stunden Vorbereitung, um den Hofladen zu öffnen, statt wie sonst nur zwei. Außerdem brauche er mehr Brot und Käse von seinen Zulieferern, was nicht immer leicht zu bekommen sei.

    Neukunden sind geblieben

    Denn vielerorts berichten die Betreiber von Hofläden, wie das Geschäft im ersten Lockdown im Frühjahr in die Höhe geschossen ist. Bei Thomas Hartmann aus Nördlingen sind über den Sommer, als Biergärten und Restaurants wieder geöffnet waren, viele Neukunden bis heute hängen geblieben. Das liegt vielleicht auch am Einkaufserlebnis. Wer in den Hofladen geht, kommt zwangsläufig an der Wiese für die Schweine vorbei. Dort stehen gerade zwei Sauen mit ihren Ferkeln, weiter hinten die größeren Schweine, die bald schlachtreif sind. Die Tiere grunzen, quieken, wühlen in der Erde auf der Suche nach Eicheln oder Insekten und lassen sich von den Besuchern nicht stören.

    Ein Drittel kauft mehr regionale Produkte ein

    Der Hofladen von Thomas Hartmann ist kein Einzelfall. In einer Erhebung der TU München gibt fast ein Drittel der Befragten an, seit Ausbruch der Pandemie häufiger regionale Lebensmittel gekauft zu haben. Laut einer Studie im Auftrag des bayerischen Landwirtschaftsministeriums geben vor allem Menschen mit höheren Einkommen an, dass sie jetzt verstärkt auf Regionalität beim Einkauf achten.

    Weide-Schweine bleiben Nischenprodukt

    Nach wie vor kommt das allermeiste Fleisch im Supermarkt oder beim Metzger aber aus ganz gewöhnlichen Ställen. Fleisch von Freiland-Schweinen ist ein absolutes Nischenprodukt. Deshalb weiß Thomas Hartmann aus Nördlingen auch noch nicht, wie lange er dem Ansturm noch standhält. Bei ihm braucht es rund ein Jahr, bis ein Schwein schlachtreif ist, und vor einem Jahr war von einer Pandemie noch keine Rede. Im Zweifel schlachte er halt wieder nur ein Schwein pro Woche, sagt der Hofladen-Betreiber – auch auf die Gefahr hin, dass dann mal etwas ausverkauft sei. Denn das Positive an seinen Kunden sei, dass sie meist Verständnis dafür hätten, wenn bestimmte Teile wie Schnitzel oder Braten mal nicht zu haben seien. Und so hofft Thomas Hartmann, dass auch nach der Pandemie die artgerechte Haltung seiner Weide-Schweine so viel Zustimmung erfährt.

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