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Ein gutes Messer ist das A und O. Für August Birzer ist das keine Frage. Kaum einer hegt so eine Leidenschaft für das scharfe Werkzeug wie er und seine Vorfahren - und das schon seit fast 200 Jahren.

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Regensburger Traditionsladen: Nach fast 200 Jahren ist Schluss

August Birzer hat das Taubengässchen in Regensburg nie verlassen. Seit seiner Kindheit ist er im "Messer Birzer" zu Hause. Er führt das Geschäft in siebter Generation - nach ihm ist Schluss. Mit 74 Jahren denkt er aber noch nicht ans Aufhören.

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Zara KroißZara KroißBR24  RedaktionBR24 Redaktion
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In einem Alter, in dem die meisten Menschen schon in Rente sind, steht August Birzer noch stolz in seinem 16 Quadratmeter kleinen Laden und begeistert Kunden für sein Handwerk. Unter anderem die Vorstellung, den "Messer Birzer" nach 200 Jahren für immer zu schließen, hält den Schleifermeister von der Rente ab.

"Messer Birzer" ist eine Berufung

August Birzer stehen die Tränen in den Augen, wenn man ihn auf sein Traditionsgeschäft anspricht. Seine zwei Kinder haben andere berufliche Wege eingeschlagen, übernehmen den Laden "Messer Birzer" nicht, so wie es die Vorfahren über knapp 200 Jahre getan haben. Der Laden schließt also, sobald August Birzer sich entscheidet, zu gehen. "Natürlich denkt man daran. Das würde mir wahrscheinlich fehlen. Deswegen mache ich es auch gern", sagt August Birzer. Je älter er werde, desto mehr Spaß mache ihm seine Arbeit.

Messerschmied statt technischer Zeichner

So dachte der Messerschmied aber nicht immer. Als Jugendlicher wollte er technischer Zeichner werden, hatte schon den Ausbildungsvertrag unterschrieben. Außerdem wollte er "auf die Walz" gehen. Die Krankheit seines Vaters ließ ihn umdenken. Er kehrte "auf eigenen Wunsch" ins Regensburger Taubengässchen zurück, sagt Birzer: "Und ich wusste plötzlich: Ich muss heim, das war der Ansporn. Und dass ich auch gut sein muss. Ich muss manche Sachen besser machen können und auch das Wissen besitzen. Es war irgendwo Berufung."

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August Birzer bei seiner Profession: Messerschleifen

Prominenter Stammkunde: Helge Schneider

Bis heute habe er diesen Schritt nicht bereut. Der Messerschmied liebt es, mit Kunden in Kontakt zu treten, mit ihnen über Messer zu philosophieren. Bei ihm kommen die Kunden querbeet: "Von 14 Jahren bis rauf auf 90. Der eine hat halt ein Faible für Taschenmesser, der andere will gute Kochmesser haben." Wenn August Birzer sanft über die einzelnen Klingen fährt und prüft, welcher Griff besser in der Hand liegt, schafft er es, die Menschen für sein Handwerk zu begeistern. Sein Lieblingsstück? Ein japanisches Kochmesser. Weltweit gebe es davon nur rund 800 Stück. "Mir gefällt der Griff, das ist saubere Arbeit. Es ist ein Griff, den ich gerne in die Hand nehme." Seine Passion steckt an. Weltweit hätten Kunden schon Werkzeuge bei ihm gekauft. Darunter auch Prominente wie Helge Schneider, der unter anderem eine Heckenschere von "Messer Birzer" besitzt.

Messerschmied ist aussterbendes Handwerk

Wer die Werkstatt gleich hinter der Ladentheke betritt, fühlt sich, als wäre wieder 1828. Hier lagern noch die Bestände seiner Vorfahren. Während Messer heute hauptsächlich am Band geschliffen werden, sitzt August Birzer noch am elektronisch betriebenen Schleifstein. "Das machen sehr viele nicht mehr. Das erfordert schon eine gewisse Sorgfalt", so Birzer. Da das Schleifen am Stein zur Seltenheit geworden ist, würden fast keine Steine mehr hergestellt. "Mein letzter Stein, der hat 1,25 Meter im Durchmesser gehabt. Den kann ich momentan gar nicht hernehmen, der ist jetzt schon ganz abgeschliffen. Aber ich kriege diese Rädchen, mit denen man den Stein bearbeiten kann, leider nicht her. Die gibt es nicht." Der Messerschmied ist sich sicher: "Dieses Handwerk wird auf alle Fälle so in dieser Tradition, wie man es gemacht hat und wie man es gelernt hat, aussterben."

Gerade deshalb liegt August Birzer so viel daran, seinen Beruf so lange es geht auszuüben. "Jedes Messer schneidet. Das Wichtigste an dem Ganzen ist aber, dass es scharf ist. Aber dafür bin ja dann ich da."

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Sei 1828 gibt es im Regensburger Taubengässchen den "Messer Birzer" in siebter Generation.

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In der Werkstatt vom "Messer Birzer" stößt man auf viele Bestände von August Birzer's Vorfahren.

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Ein aussterbendes Handwerk: Das Schleifen am Stein.

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Egal ob Taschenmesser oder Kochmesser - beim "Messer Birzer" kaufen Kunden querbeet.

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