BR24 Logo
BR24 Logo
BR24 - Hier ist Bayern

Der neu gesetzte "Stolperstein" von Dr. Johann Maier in Regensburg.

Bildrechte: BR/Thomas Muggenthaler
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Regensburger "Stolperstein" erinnert an Domprediger Johann Maier

Am 23. April 1945 forderten Hunderte Menschen am heutigen Dachauplatz die kampflose Übergabe der Stadt. Auch Domprediger Johann Maier ergriff das Wort und musste dafür sterben. Ihm zu Ehren lässt sich nun ein Stolperstein in der Innenstadt finden.

Von
Thomas MuggenthalerThomas Muggenthaler
Per Mail sharen

In Regensburg wurden vor zehn Häusern wieder sogenannte "Stolpersteine" verlegt. Sie stehen für Menschen, die ihrer psychischen Erkrankung wegen ermordet worden sind oder einfach, weil sie jüdischen Glaubens waren. Jetzt wurden auch zwei Männer geehrt, die wegen ihres Widerstands gegen den Nationalsozialismus kurz vor Kriegsende am 24. April 1945 hingerichtet wurden: Domprediger Dr. Johann Maier und Josef Zirkl.

Deshalb erinnert jetzt mitten in der Regensburger Altstadt, vor dem Haus Krauterermarkt 4, ein Stolperstein an Domprediger Dr. Johann Maier. Hier in der Nähe des gotischen Doms Sankt Peter hat er gewohnt.

Frauen forderten kampflose Übergabe der Stadt

Am 23. April 1945 forderten Hunderte Menschen am heutigen Dachauplatz die kampflose Übergabe der Stadt. Sie hatten Angst, dass Regensburg genauso zerstört wird wie Würzburg oder Nürnberg. Annelies Dietl war damals dabei. Die Frauen skandierten "Gebt die Stadt frei!", erinnerte sie sich in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk. Die Mundpropaganda für diese Kundgebung hatte funktioniert.

Auch Litwina Scherm geht damals mit ihren zwei Kindern zum heutigen Dachauplatz, dem damaligen Moltkeplatz. "Eins hats dem anderen gesagt", und natürlich sei sie gekommen, so Litwina Scherm. Bei dieser Kundgebung ergriff Domprediger Johann Maier das Wort. Er stieg auf eine Luftschutzlamelle und begann zu sprechen, wurde aber sofort von der Gestapo heruntergezogen und verhaftet.

In der Nacht vom 23. April 1945 zum Tode verurteilt

In der Nacht wurden der Domprediger Maier und Josef Zirkl, der ebenfalls verhaftet worden ist, von einem Standgericht in der nahen Polizeidirektion zum Tode verurteilt. Am nächsten Tag sehen die Regensburger die beiden Männer am Dachauplatz öffentlich gehängt - für die Regensburger ein Schock. Annelies Dietl wollte sich an diesem 24. April mit eigenen Augen davon überzeugen, was passiert ist. Eine scharfe Stimme sagte "Weitergehen!", da sah sie den Domprediger hängen. "Das war furchtbar!" Umgehängt hatte er ein handgeschriebenes Schild "Hier starb ein Saboteur!".

Hinrichtung des Dompredigers am Dachauplatz

Heute steht die Hinrichtung des Dompredigers für das dramatische Kriegsende in Regensburg und für den Widerstand gegen den Nationalsozialismus, betont der Historiker Werner Chrobak. Bischof Rudolf Voderholzer würdigte im Rahmen einer Ansprache bei der Stolpersteinverlegung das Engagement des Dompredigers, der als "Friedensapostel" versucht habe, die Stadt zu retten.

Aus dem niederbayerischen Marklkofen, dem Heimatort des Dompredigers, kam auch der Neffe von Johann Maier mit seiner Frau. Er durfte seinen Onkel nicht mehr kennenlernen. In der Familie wird die Erinnerung hochgehalten, betonte der Neffe, der ebenfalls Johann Maier heißt.

Josef Zirkl setzte sich für den Domprediger ein und starb selbst

Auch für Josef Zirkl wurde ein Stolperstein verlegt, vor seinem Wohnhaus Richard Wagner Straße 15. Das ganze Verbrechen des Katholiken: Er hatte sich für den verhafteten Domprediger eingesetzt, betonte Bischof Rudolf Voderholzer. "Er muss gesagt haben ‚Lasst doch den Domprediger frei!' Er hat nicht geschwiegen und er musste dafür mit dem Leben bezahlen."

Wegen seiner Teilnahme an der Kundgebung musste neben dem Domprediger und Josef Zirkl auch Michael Lottner sterben. Lottner wurde in der nahen NSDAP-Kreisleitung, der heutigen Industrie- und Handelskammer, erschossen. Dort erinnert heute Gedenktafel an Michael Lottner.

Initiative: Straßennamen ergänzen!

Die Stolperstein-Initiative fordert von der Stadt, dass die "Zirkl-Straße" und die "Lottner-Straße" in "Josef Zirkl-Straße" und "Michael-Lottner-Straße" umbenannt werden und eine Information über die beiden Männer vor Ort ergänzt wird.

Verteidigt wurde Regensburg übrigens nicht mehr. Die Wehrmacht entschied sich aus militärischen Gründen aus der Stadt abzuziehen. Am 27. April 1945 marschierte die US-Armee in Regensburg ein, vier Tage nach dem Mord an Domprediger Dr. Johann Maier.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

Sendung

regionalZeit - Südbayern

Schlagwörter