Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Regensburger Präventionsprojekt für Pädophile eingestellt | BR24

© BR

Das Präventionsprojekt "Kein Täter werden" wird in Regensburg nicht mehr fortgeführt. Es gilt als Vorzeigeprojekt, bei dem sich Männer mit pädophilen Neigungen behandeln lassen können.

1
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Regensburger Präventionsprojekt für Pädophile eingestellt

Das Präventionsprojekt "Kein Täter werden" wird in Regensburg nicht mehr fortgeführt. Es gilt als Vorzeigeprojekt, bei dem sich Männer mit pädophilen Neigungen behandeln lassen können.

1
Per Mail sharen
Teilen

In Regensburg ist das Präventionsprojekt "Kein Täter werden" eingestellt worden. Seit 2010 konnten sich Männer mit pädophilen Neigungen in Regensburg behandeln lassen.

Ruhestand des Leiters als Grund für Schließung

Wie die Mittelbayerische Zeitung berichtet, ist die Einrichtung bereits seit mehreren Monaten geschlossen. Die Öffentlichkeit wurde bisher aber noch nicht über das Ende des jahrelangen Vorzeigeprojekts informiert.

Als Grund für das Ende des Projekts gibt die Universität Regensburg den Ruhestand des Leiters, Michael Osterheider, an. Bis Osterheiders Lehrstuhl neu besetzt sei, könne es Monate dauern, sagt ein Uni-Sprecher. Aus Sicht der Universität sei es deshalb die beste Lösung gewesen, die Patienten an die bisherige Außenstelle in Bamberg zu verweisen. So bliebe den Betreuten eine Übergangszeit erspart.

Hätte Anlaufstelle gerettet werden können?

Aus Sicht des Trägervereins hätte die Anlaufstelle erhalten werden können. Dass die Universität Regensburg das Projekt am Standort beendet hat, sei zu tiefst zu bedauern, so eine Sprecherin des Präventionsnetzwerks "Kein Täter werden". Man habe sich um eine geeignete Nachfolge bemüht. Geeignete Kandidaten, die das Projekt übernommen hätten, wären bereitgestanden, so Sprecherin Claudia Falk. Auch die Finanzierung der Weiterführung sei bereits mit dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen geklärt gewesen. "Die Uni hat aber kein Interesse gezeigt", sagt Falk. Da diese möglichen Kandidaten weiterhin bereit wären, den Standort fortzuführen, möchte man mit der Universität aber auch weiterhin das Gespräch suchen. Denkbar wäre etwa ein Modell, wonach Regensburg zur Zweigstelle der ehemaligen Außenstelle Bamberg wird.

Zahlreiche Diagnosen gestellt

"Kein Täter werden" war in Regensburg Anlaufstelle für Männer, die ihre pädophilen Neigungen vorbeugend behandeln lassen wollten. Rund 1.000 Menschen hätten zur Einrichtung Kontakt aufgenommen, hieß es schon in einer Zwischenbilanz 2017. Rund 250 Diagnosen hatten die Psychologen am Standort Regensburg im Rahmen des Programms zu diesem Zeitpunkt bereits gestellt, 50 Therapien waren bereits abgeschlossen. Auch Nachsorgemaßnahmen konnten die Patienten in Regensburg in Anspruch nehmen.

Projekt wird in Bamberg weitergeführt

Das Projekt und der Standort Regensburg waren in der Vergangenheit auch vom Bayerischen Justizministerium stark unterstützt worden. Hier wird das Ende der Regensburger Einrichtung bedauert. "Der Bedarf ist sicher da", sagt Sprecherin Ulrike Roider. Das Projekt werde nun aber in Bamberg weitergeführt. Die dortige Einrichtung sei mittlerweile der neue Vertragspartner des Justizministeriums. Ob in Zukunft weitere Standorte möglich sind, müsse geprüft werden. Die Umstrukturierung des Projekts in Bayern stehe aber noch am Anfang, so die Ministeriums-Sprecherin.

Ehemaliger Leiter und Gründer gilt als umstritten

Das Projekt in Regensburg hatte 2010 der Psychiater Michael Osterheider ins Leben gerufen. Als Vorbild diente eine Präventionseinrichtung an der Charité in Berlin. Osterheider gilt als Experte für Präventionsarbeit in der Pädophilie. Vor seinem Ruhestand geriet der Professor aber auch in die Kritik. So wurden ihm Unstimmigkeiten und fragwürdige Abrechnungen bei psychiatrischen Gutachten vor Gericht vorgeworfen. Unter anderem war er im Prozess um tödliche Misshandlungen im sogenannten "Horrorhaus von Höxter" unter Druck geraten. Osterheider soll im Prozess Gespräche seines Mitarbeiters mit dem Angeklagten als eigene Gespräche ausgegeben haben.