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Regensburger Neurowissenschaftler über Anti-Corona-Demos | BR24

© ZUMA Wire/Sachelle Babbar

Am Wochenende fanden in Bayern wieder sogenannte Anti-Corona-Demos statt. Unter ihnen auch Verschwörungstheoretiker.

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    Regensburger Neurowissenschaftler über Anti-Corona-Demos

    Am Wochenende fanden in Bayern wieder sogenannte Anti-Corona-Demos statt. Aber welche Leute protestieren da? Und was treibt sie an? Ein Regensburger Neurowissenschaftler warnt: Dies könnte eine "gegenseitige Kontaminierung" zur Folge haben.

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    Auch an diesem Wochenende fanden in Bayern wieder sogenannte Anti-Corona-Demos statt, deren Teilnehmer unter anderem gegen die staatlichen Einschränkungen protestierten. Wie der Regensburger Neurowissenschaftler Prof. Dr. Volker Busch auf BR Anfrage analysiert, handle es sich bei den Demonstranten um ganz unterschiedliche Bevölkerungsgruppen, die alle eines miteinander vereine: die Unzufriedenheit über die staatlichen Einschränkungen.

    Auch politisch Radikale unter Demonstranten

    Dabei könne es sich um Menschen handeln, die einfach nur die Maßnahmen skeptisch sehen, die die Regierung beschlossen hat, erklärt der Neurowissenschaftler. Aber es seien auch teils ziemlich radikale, politisch extreme Menschen unter ihnen, die versuchen würden andere zu manipulieren und sie für ihre Ziele einzuspannen, so Busch.

    Diffuse Querfront mit "gegenseitiger Kontaminationsgefahr"

    Mittlerweile habe sich eine diffuse Bewegung zusammengefunden, bestehend aus Impfgegnern, Esoterikern, Heilpraktikern und politisch radikal denkenden Menschen, insbesondere auch aus dem rechtsradikalen Spektrum. Der Wissenschaftler befürchtet: Dies könnte eine gegenseitige Kontaminierung zur Folge haben, bei der auch andere Menschen zunehmend durch radikales Gedankengut beeinflusst werden.

    Mehrheit führe nichts Böses im Schilde

    Busch betont aber, dass die Mehrheit der Menschen, die bei Anti-Corona-Kundgebungen demonstrieren seiner Ansicht nach nichts Böses im Schilde führten. Sie hätten eine teils verständliche Skepsis gegenüber den Corona-Einschränkungen und protestierten deswegen gegen dieselben, so der Neurowissenschaftler weiter.

    Diejenigen die wirklich das Klima vergifteten, seien mengenmäßig nur ein kleiner Teil. Das Problem ist laut Busch aber, dass diese Leute in der Regel lauter wären und oft die besondere Fähigkeit hätten, Menschen verführen zu können und genau dies sei letztendlich auch das Besorgniserregende an den Anti-Corona-Demonstrationen.

    Krise bietet Nährboden für Verschwörungstheorien

    Laut Forschung breiten sich Verschwörungstheorien immer dann besonderes leicht und schnell aus, sobald eine allgemeine Unsicherheit in der Bevölkerung wächst. Vor Corona hätte es weniger solcher Situationen gegeben, so Busch, aber in Krisen schwinde die Sicherheit und dies wiederum sorge für einen Nährboden für Verschwörungstheorien. Das Gehirn suche dann nach Sicherheit auf anderem Wege und sei damit bereit, irgendeinen "Blödsinn" zu glauben, so der Neurowissenschaftler weiter.

    Diskussion führe zu "Backfire-Effekt"

    Eine Diskussion mit Anti-Corona-Demonstranten sei laut Busch allerdings in den wenigsten Fällen zielführend. Mit zunehmender Beschäftigung mit einer Idee, wachse die Radikalisierung von selbst. Deswegen sei die Gefahr vorhanden, dass Menschen, die schon sehr lange an Verschwörungstheorien glauben, in der Regel kaum mehr von ihrer Meinung abgebracht werden können, so Busch. Sie würden vor allem durch die sozialen Medien, die Echokammern und die Filterblasen, in denen sich Verschwörungstheoretiker austoben, immer mehr Bestätigung erfahren. Eine Diskussion würde bei ihnen sogar zum Gegenteil führen, erklärt der Neurowissenschaftler. Dies sei der sogenannte "Backfire-Effekt" - es gehe nur noch ums Recht Behalten.

    Politik müsse mehr aufklären

    Die Politik müsse versuchen wieder ein Stück weit Sicherheit durch gute Aufklärung und verlässliche Informationen herzustellen, meint Busch. Dies würde nach Ansicht des Wissenschaftlers die Volksseele beruhigen und wieder Sicherheit bei den Menschen herstellen, sodass man weniger anfällig werde, sich auf krude Verschwörungstheorien zu versteifen.

    © www.drvolkerbusch.de

    Der Regensburger Neurowissenschaftler Prof. Dr. Volker Busch über die Anti-Coronavirus-Demonstranten