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Regensburger Mediziner wollen Antibiotika-Gebrauch eindämmen | BR24

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Regensburger Ärzte, Kliniken und das Gesundheitsamt wappnen sich gegen die Verbreitung von multiresistenten Bakterien. Mit einer Reihe von Maßnahmen soll der steigenden Zahl solcher Keime entgegengewirkt werden.

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Regensburger Mediziner wollen Antibiotika-Gebrauch eindämmen

Bei falscher Einnahme eines Medikaments werden Bakterien unempfindlich gegen den Wirkstoff und können nicht mehr abgetötet werden. Daher steigt die Zahl der multiresistenten Keime. In Regensburg sollen Antibiotika-Expertenteams helfen.

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Regensburger Ärzte, Kliniken und das Gesundheitsamt wappnen sich gegen die Verbreitung von multiresistenten Bakterien. Mit einer Reihe von Maßnahmen soll der steigenden Zahl solcher Keime entgegengewirkt werden.

WHO warnt vor Verbreitung von resistenten Keimen

Jährlich am 18. November warnt die Weltgesundheitsorganisation WHO vor der alarmierenden Verbreitung resisternter Bakterien. Immer mehr Menschen infizieren sich mit Bakterien bei denen kaum mehr ein Antibiotikum wirkt. Zahlreiche Studien hätten gezeigt, dass zu viele Antibiotika verabreicht werden und dadurch die Situation verschärft werde.

Antibiotika bei Erkältung oft sinnlos

Es sei davon auszugehen, dass es im ambulanten Bereich bis zu 85 Prozent Fehlverordnungen gibt, sagt Dr. Thomas Koch vom Regensburger Ärztenetz. Viele Patienten würden vom Arzt erwarten, dass er ihnen bei einer Erkältung ein Antibiotikum verschreibt, um möglichst schnell wieder gesund zu werden. Dabei würden Antibiotika nur bei bakteriellen Infektionen wirken und nicht bei Viruserkrankungen. Die meisten Erkältungskrankheiten gehen laut Koch auf Virusinfektionen zurück. 

Fehlverordnungen begünstigen Entstehung von multiresistenten Bakterien

Ziel müsse es sein, den Einsatz von Antibiotika auf ein sinnvolles Maß zurückzufahren. Dazu müsse ein Problembewusstsein bei Ärzten, Patienten und in der Öffentlichkeit geschaffen werden. In den Regensburger Kliniken haben sich spezielle Antibiotika-Expertenteams zusammengeschlossen, die ihre Kollegen im Umgang mit Medikamenten beraten. Laut einer Statistik werden in der EU jährlich 10 000 Tonnen Antibiotika ausgegeben. In Deutschland sind es demnach 500 -700 Tonnen, die Hälfte davon wird im Veterinär-Bereich verwendet. 70 Prozent aller unter vierjährigen Kinder in Deutschland bekommen bereits Antibiotika verabreicht.

Ansteckung meist nicht im Krankenhaus

Viele Menschen befürchten, sich im Krankenhaus multiresistente Keime einzufangen. Untersuchungen hätten jedoch gezeigt, dass sich 90 Prozent der infizierten Patienten nicht im Krankenhaus angesteckt hätten, sondern die Keime selbst mit ins Krankenhaus bringen, sagt Professor Wulf Schneider vom Universitätsklinikum Regensburg.