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Das historische Rathaus von Regensburg
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Sebastian Grosser
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Das historische Rathaus von Regensburg

Der Domstadt geht es so gut wie nie: Der Haushalt liegt derzeit bei 935 Millionen Euro und knackt aller Voraussicht nach bald die Ein-Milliarde-Euro-Marke. Und es wird noch besser: Die Steuereinnahmen werden bis 2022 deutlich zulegen.

Für den oder die Kandidatin, die nach der Kommunalwahl 2020 auf dem Chefsessel im Rathaus sitzen wird, könnten die Voraussetzungen zum Regieren nicht besser sein. Dazu kommt: Der aktuelle Amtsinhaber, Joachim Wolbergs (SPD), darf derzeit sein Amt nicht ausführen. In Regensburg wird viel vermutet, doch mit eigenem Namen aus der Deckung gehen, traut sich nur einer: Er selber.

Gertrud Maltz-Schwarzfischer muss am Neujahrsempfang der Stadt Regensburg viele Hände schütteln. Doch im historischen Reichssaal an vorderster Front zu stehen, macht der Zweiten Bürgermeisterin sichtlich Spaß, wie viele andere ihrer derzeitigen Aufgaben als Stellvertreterin des suspendierten Regensburger Oberbürgermeisters Joachim Wolbergs.

"Es ist von der Macht her, was zu gestalten, natürlich eine Steigerung. Und da ist es auch schön, wenn ich erleben darf, dass Dinge, die wir anstoßen oder die ich selber angestoßen habe, dann auf den Weg gebracht werden." Gertrud Maltz-Schwarzfischer

Ob sie bei der Wahl im März 2020 für die SPD als Oberbürgermeister-Kandidatin antritt, lässt Maltz-Schwarzfischer allerdings offen. "Wer für dieses Amt antritt bei der nächsten Kommunalwahl entscheiden die Partei und ihre Gremien. Und dem greife ich auf keinen Fall vor", beschwichtigt Maltz-Schwarzfischer. Aber:

"Das Amt selbst auszuführen, kann ich mir jetzt natürlich vorstellen, denn ich übe es ja gerade aktuell aus." Gertrud Maltz-Schwarzfischer

Drei potentielle Kandidaten bei der CSU

Bei der Regensburger CSU kursieren gleich mehrere Namen, wer als Kandidat in das Rennen um das Oberbürgermeisteramt geschickt werden soll. Neben dem Stadtrat Jürgen Eberwein werden zwei Frauen genannt. Doch sowohl die Stadträtin Dagmar Schmidl, als auch die ehemalige Bundestagsabgeordnete Astrid Freudenstein halten sich mit Bekundungen zurück. "Das hängt von der Partei ab und von vielen verschiedenen Faktoren. Ich mach mir den Kopf jetzt tatsächlich nicht", sagt Freudenstein.

Ihre Stadtratskollegin Schmidl sieht das ähnlich. "Die CSU wird erstmal die Entscheidung treffen. Aber grundsätzlich kann ich es mir vorstellen."

Die Regensburger CSU hat aber ein ähnliches Problem wie die regierende SPD. Auch sie ist in die Korruptionsaffäre verwickelt. Der Kandidat will daher wohl überlegt sein, sagt Franz Rieger, Vorsitzender der Regensburger CSU. Auf jeden Fall müsse es ein frischer, unbefangener Kandidat sein, von der Korruptionsaffäre unbelastet. "Ob er von innen oder von außen kommt, wird sich zeigen." Bereits im Laufe des Frühjahres soll eine Grundentscheidung fallen, in welche Richtung es geht, kündigt Rieger an. Die drei genannten Personen kämen aus seiner Sicht aber in Frage.

Grüne wollen Kandidaten im Herbst präsentieren

Die meisten anderen Parteien im Regensburger Stadtrat wollen ihre Kandidaten erst im Herbst präsentieren. Relativ spät, für eine Kommunalwahl im März 2020. Auch die Regensburger Grünen wollen dann einen Spitzenkandidaten nennen. Nach den erfolgreichen Wahlen zuletzt in Bayern und Hessen, sehen sie gute Chancen.

"Wir hoffen natürlich darauf, dass grüne Ideen verhaften bleiben, dass wir die Kommunalwahl erfolgreich abschließen und vielleicht auch jemand an der Stadtspitze stellen." Stefan Christoph

"Am Schluss müssen die Leute entscheiden, ob sie einen grünen Oberbürgermeister wollen oder jemand anderen", sagt der Grünen-Stadtverbandsvorsitzender Stefan Christoph.

Zum Beispiel aus den Reihen der Freien Wähler? 2019 müssten dazu die Weichen gestellt werden, sagt deren Fraktionsvorsitzender im Stadtrat, Ludwig Artinger. "Aber Sie können sich sicher sein: Wir werden als Freie Wähler den Regensburgern ein gutes Angebot machen. Weil wir brauchen dringend wieder jemanden an der Spitze dieser Stadt."

Joachim Wolbergs will wieder OB werden

Und dann wäre da noch der amtierende, aber suspendierte Oberbürgermeister selbst. In einer Videobotschaft kurz vor Weihnachten hat Joachim Wolbergs bereits deutlich gemacht, dass er wieder zurückkehren wolle, sofern er freigesprochen wird.

"Für den Fall, dass ich nicht schuldig gesprochen werde und dass ich beweisen kann, dass ich unschuldig bin, möchte ich wieder in das Amt des Oberbürgermeisters zurückkehren und würde mich ihrem Votum bei der nächsten Kommunalwahl wieder stellen wollen." Joachim Wolbergs