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Weil sie im Haus keine stabile Internetverbindung hatte, musste Schülerin Selina Seebauer ihr Referat im Garten halten.

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    Referat im Schnee: Selinas langes Warten auf schnelles Internet

    Ihr Schul-Referat musste Selina Seebauer aus dem Landkreis Dachau im verschneiten Garten halten – nur dort war das Internet stabil. Seit heute soll es auch im Haus funktionieren. Darum hat sich ein Minister persönlich gekümmert. Klappt's wirklich?

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    Von
    • Susanne Hagenmaier
    • Maximilian Heim

    Selina Seebauer aus Vierkirchen im Landkreis Dachau ist erleichtert und auch ein wenig verwundert. Vergangene Woche hat sie im Rahmen ihres Homeschooling-Unterrichts ein Referat gehalten und dafür die Note 2 bekommen – und kurz darauf auch schnelles Internet. Seit heute können die Seebauers auch im Haus an Videokonferenzen teilnehmen. Für ihr nächstes Referat muss sich die 17-Jährige wohl nicht wieder in den Garten setzen.

    Referat im Schnee – in Skikleidung auf Gartenstühlen

    Weder die Internetverbindung noch das Handy-Netz waren bei den Seebauers gut genug für eine Video-Übertragung. "Ich habe meiner Lehrerin im Scherz vorgeschlagen, dass ich mich in den Garten setzen kann", erzählt Selina – der einzige Ort, an dem man mit dem Handy einen mobilen WLAN-Hotspot einrichten kann.

    Selina brauchte die Note für das Referat. Und so zog sie sich Skikleidung, Mütze und Handschuhe an und hockte sich im Garten in den Schnee, vor ihr auf Gartenstühlen das Handy und das Tablet. "Es war superkalt, aber die Note war mir wichtiger", sagt die Schülerin.

    Homeoffice und Homeschooling: Kein Techniker konnte helfen

    Selinas Vater Christian Seebauer sagt, er habe seit Jahren versucht, einen schnellen Internetanschluss ins Haus zu bekommen. In Vierkirchen gebe es schon schnelles Internet – aber bislang eben nicht bei ihnen im Ortsteil Rettenbach.

    "Immer wieder haben wir Telekom-Techniker im Haus gehabt, die Leitungen gemessen und Kabel umgestöpselt haben. Letztes Jahr wurde ein Kabel durch den Garten gezogen und hängt seitdem im Keller. Im Spätherbst war eine Vertriebsdame da. Aber es läuft halt nicht." Selinas Vater Christian Seebauer

    Anruf von Minister Andreas Scheuer

    Doch nun gab es Hoffnung – auch dank Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Scheuer, der auch für Infrastruktur zuständig ist, rief wenige Tage nach dem Referat bei Familie Seebauer an. Er sei bestens informiert gewesen und habe genau gewusst, wo in der Gegend welche Anschlüsse lägen, berichtet Selina: "Und er hat versprochen, sich darum zu bemühen, dass unser ganzer Ortsteil angeschlossen wird. Zum Schluss hat er mir viel Glück für mein Abitur gewünscht."

    Und tatsächlich: Wenige Minuten später habe wieder das Telefon geklingelt. Diesmal war die Telekom am Apparat und versprach, schnellstmöglich einen Techniker zu schicken, der die rasche Internetverbindung endlich anschließen würde, sagt Christian Seebauer. Eine enorme Erleichterung für die Familie, denn derzeit arbeiten und lernen alle vier Familienmitglieder von zu Hause aus.

    Kritik am Engagement für Einzelfälle

    Über das Einzelfall-Engagement des Bundesverkehrsministers freut sich aber nicht jeder. Der bayerische FDP-Fraktionschef Martin Hagen sieht Scheuers Vorgehen kritisch. Zwar freue er sich für die Schülerin, dass das Internet bei ihr jetzt funktioniere, sagte Hagen auf BR-Anfrage: "Aber eigentlich ist es nicht Aufgabe des Ministers, auf Medienberichte in Einzelfällen zu reagieren. Sondern er muss dafür sorgen, dass jeder Bürger Zugang zu einer angemessenen digitalen Infrastruktur hat."

    Telekom: Beauftragung für schnelles Internet fehlt

    Die Telekom stellt die Sachlage anders dar als Familienvater Christian Seebauer. "Wir haben von Herrn Seebauer in unseren Unterlagen keinen Auftrag, die schnellere Verbindung freizuschalten", sagte Pressesprecher Markus Jodl dem BR: "Den schnelleren Anschluss hätte er schon vor Monaten buchen können."

    Ein Glasfaserkabel durch den Garten in den Keller zu verlegen, damit sei es nicht getan: "Man muss dann auch sagen, welchen Anschluss man von uns haben will." Dies sei erst kürzlich geschehen, sagt Jodl. Und deshalb bekomme der Kunde nun wie gewünscht das schnelle Internet.

    "Was die Telekom sagt, ist definitiv falsch. Selbstverständlich haben wir auch den Tarif beantragt. Hierfür war zum Umsetzten im Herbst nach vielfachen Nachhaken ein Telekom-Techniker bei uns im Haus, der jedoch dann nicht das entsprechende Material dabei hatte. Danach hörten wir bis heute nichts mehr." Familienvater Christian Seebauer

    Familienvater widerspricht

    Die Aussage der Telekom will Christian Seebauer so nicht stehen lassen: "Was die Telekom sagt, ist definitiv falsch. Selbstverständlich haben wir auch den Tarif beantragt." Ein Telekom-Techniker habe ihm im Herbst noch erklärt, dass die Glasfaserkabel ab dem Verteiler in Vierkirchen zwar verlegt, aber noch nicht angeschlossen seien. Alles laufe noch über Kupferkabel.

    Doch die Hauptsache ist: Das schnelle Internet läuft jetzt. Und zwar "bombig", wie Selina dem BR sagte.

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