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Rechtspopulismus in ländlichen Kirchengemeinden | BR24

© dpa/Arno Burgi

Banner vor einer Kirche: "Sei dankbar, kein Flüchtling zu sein!" (Symbolbild)

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Rechtspopulismus in ländlichen Kirchengemeinden

Rechtspopulistische Tendenzen in der Kirche nehmen zu. Gerade die kirchliche Flüchtlingshilfe kann Gemeinden spalten. Zum Beispiel im niederbayerischen Bodenmais. Dort werden Ehrenamtliche beschimpft, weil sie sich für Flüchtlinge engagieren.

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Die Positionen innerhalb der Kirchen verschärfen sich. Viele Kirchengemeinden in Bayern müssen sich verstärkt mit rechtspopulistischen Tendenzen auseinandersetzen. Diese machen auch vor ländlichen Gemeinden nicht halt: Ehrenamtliche werden beschimpft oder bedroht, weil sie sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren.

Pöbeleien im Supermarkt wegen Flüchtlingshilfe

So zum Beispiel im niederbayerischen Bodenmais. Dort ist Pfarrgemeinderat Jürgen Probst seit Jahren im Arbeitskreis Asyl der Pfarreien Bodenmais-Böbrach im Bayerischen Wald aktiv. Als er vor kurzem ein paar Flüchtlinge zur Poststelle im Rewe-Markt begleitete, wurde er verbal angegriffen:

"Dann ist eine Dame aus dem Ort auf mich zugelaufen und hat mich laut angeschrien: Hören Sie auf, diesen Leuten zu helfen." Jürgen Probst, Arbeitskreis Asyl Bodenmais

Ihn schockiere vor allem, sagt Jürgen Probst, "dass die Leute in letzter Zeit viel unverschämter werden". Dabei seien die Jahre, als besonders viele Flüchtlinge kamen und es auch auf dem Land fast überall Unterkünfte gab, längst vorbei.

Auch bei Kirchgängern ist die Neid-Debatte groß

Doch auch schon damals wurden ehrenamtliche Helfer "schräg angeredet", sogar von Kirchgängern, sagt Sepp Schlecht, katholischer Diakon der beiden Pfarreien: "So auf der Straße im Vorbeifahren wurde schon mal ein bisschen gestichelt - Stammtischparolen. Die Neid-Debatte ist groß."

Und dies hat sich eher noch verfestigt. Menschen mit kleinen Renten zum Beispiel seien anfällig für Hetze gegen Flüchtlinge und rechtspopulistische Parolen. Diakon Schlecht erlebt es, dass ältere Kirchenbesucher ihn direkt darauf ansprechen.

Provokation mit Fake-Videos auf dem Handy

So bekommt der Diakon Filme auf sein Handy geschickt, in denen fälschlicherweise behauptet wird, dass eine syrische Familie mit sechs Kindern 3.900 Euro im Monat bekomme. "Das wird dann kräftig verbreitet", sagt Schlecht und die Leute würden schauen, wie er darauf reagiere.

Vorurteile abbauen durch persönliche Begegnung

In Böbrach gibt es bis heute eine große Asylunterkunft für 90 Menschen, in Bodenmais ein Übergangswohnheim für 70 Flüchtlinge. Vorurteile abbauen kann man am besten mit sachlicher Aufklärung, findet Helfer Jürgen Probst, und mit Begegnungen. Wenn Flüchtlinge zum Beispiel beim Vereinsfest mitarbeiten, Zelte und Bierbänke aufstellen, seien viele Einheimische überrascht:

"Hey, das sind ja Menschen wie wir und mit denen ist ja ein ganz ein angenehmes Zusammenarbeiten." Jürgen Probst, Arbeitskreis Asyl Bodenmais

Bischöfe erstellen Arbeitshilfe zum Umgang mit Rechtspopulismus

Dass die katholische Bischofskonferenz vor kurzem eine Arbeitshilfe zum Umgang mit Rechtspopulismus herausgebracht hat, findet der Diakon gut. Es freue ihn, dass die Bischöfe "nicht bloß über theologisch interne Dinge diskutieren, sondern auch an der Gesellschaft dran sind." Diesen großen theologischen Unterbau auf die Ortsebene herunterzubrechen, sei nun aber viel Arbeit.

Diakon Schlecht findet vor allem die Argumentation zu den Menschenrechten sinnvoll. Manches davon will er in Predigten einbauen - aber behutsam. Denn "schlau von oben herab predigen" könne das Gegenteil bewirken, sagt Schlecht. Am wichtigsten blieben die Gespräche im Alltag.

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