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Rechtsextreme im Kampfsport: Reaktionen im Netz | BR24

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250.000 Kinder in Bayern sind von Armut bedroht. Für sozial benachteiligte Kinder ist der Aufstieg schwer - ein Kampfsport-Projekt will ihnen helfen.

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Rechtsextreme im Kampfsport: Reaktionen im Netz

Der bayerische Verfassungsschutz warnt vor Rechtsextremen, die Kampfsport betreiben. Rund 50 Personen stehen in Bayern unter Beobachtung. Darüber hat BR24 gestern berichtet, im Netz wurde daraufhin hitzig diskutiert.

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Zu unserer Berichterstattung über Rechtsextreme im Kampfsport wurde kontrovers diskutiert. Einige Kommentatoren zweifeln die Relevanz des Themas an. RealSeppl etwa schreibt auf BR24:

"Der Verfassungsschutz beobachtet Extremisten. Gut! Ich verstehe nicht ganz, worin da die Meldung besteht? Es ist Aufgabe des Verfassungsschutzes Extremisten jeglicher Art zu beobachten, und selbstverständlich macht die Behörde das." RealSeppl

Dagegen macht sich die Nutzerin Elisabeth Sorgen, ob sie ihren Sohn nun noch bedenkenlos zum Boxen schicken kann: "Es ist schon sehr gruselig , wie immer mehr Menschen gefallen am martialischen Auftreten haben. Tätowiert, mit Muskeln bepackt. Das sollte eigentlich nix heißen, aber dahinter verstecken sich echt menschenfeindliche Menschen. Mein Sohn will auch gerne mit dem Boxen anfangen, wie unterscheidet man Rechte von nicht Rechten aber auch nette Männer von Obermachos (egal aus welchem Land der Erde) Die Männerszene in dem Bereich ist in manchen Städten leider in der Hand von den falschen Männern, d.h. unangenehmste Machos."

Kein Generalverdacht gegen Kampfsportler

Der Kommentator Floyd will dagegen nicht, dass Kampfsportler unter Generalverdacht gestellt werden:

"So langsam hat der Spaß ein Loch! Also wenn ich z.B. in eine Karateschule im Großraum München mich anmelde, muss ich ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Und zum Glück laufen in der absoluten Überzahl die Kampfsportler rund! Man vergleicht ja auch nicht Antifa-Anhänger mit Leichtathleten, die Kugelstoßen oder Speerwurf trainieren um dann Steine zu werfen." Floyd

Der Nutzer Timer hält dagegen: "Rechtsextremismus Spaß ? Hier geht es um einen Neonazi, Zahlreiche Mitglieder ..heute im "Dritten Weg" organisiert. Die Partei mit Sitz in Thüringen arbeitet mit der "Arbeitsgemeinschaft Körper & Geist" daran, "das ganze Volk wieder wehrhaft zu machen", wie es auf der Webseite der Partei heißt. Ein Mitglied, dass schon wegen Körperverletzung vorbestraft ist...aber Sie verweisen auf die Antifa ! Ja, gegen Rechtsextremismus muss man nicht tätig werden, nicht mal nach Todeslisten und Morden."

Um das Thema Generalverdacht im Kampfsport geht es auch bei dieser Diskussion zwischen zwei Usern auf Facebook:

  • Brigitte Hirmer sorry aber die meisten betreiben Sport und sehen das ganz anders. Das was hier unterstellt wird - Kampfsport ist vermutlich rechtsradikal ... ist komisch. Wenn dann die Olympiade oder eine Weltmeisterschaft ansteht, jubeln wirklich "alle" über Gold.
  • Nico Schichtl Ich bin zwar auch dagegen, das jetzt als Problem aufzubauschen, aber darum, dass jemand Kampfsport per se als rechtsradikal betiteln würde, geht es hier nicht.
  • Brigitte Hirmer ... aber genau das wird passieren. Was du machst Kampfsport 😏 ... wo stehst du politisch 😏 du machst das nur weil dir dieser Sport gefällt 😏

Im Zentrum der Berichterstattung: ein Boxstudio in Augsburg

Im Zentrum der Berichterstattung stand auch ein Boxstudio in Augsburg. BR-Recherchen legen nahe, dass dort Anhänger der rechtsextremen Szene trainieren. Der Nutzer Thommy1205 gibt zu bedenken: "Leider gibt es überhaupt keine Regularien und Zertifizierungen für Trainer, für Schulen, die rechtlich bindend wären." Um eine Kampfsportschule zu eröffnen müßte zumindestens ein polizeiliches Führungszeugnis vorgelegt werden und eine Persönlichkeitsprüfung.

Was mich besonders irritiert, dass der Inhaber eines Augsburger Studios, Guido Fiedler, mehrfacher Deutscher Meister, mehrfacher Weltmeister und das sowohl im Boxen als auch im Kickboxen ist. Seit 2018 ist der Bundestrainer im Kickboxen. Bei ihm trainieren unter anderem Personen mit "grenzwertigem Denken", wie er sagt. Auf Nachfrage konkretisiert Fiedler: "So ein bisschen rechte Szene keine Ahnung, so etwas in der Richtung." Ob Bundestrainer das richtige Amt ist?"

User: Auch viel Engagement im Kampfsport

Und Nutzer ratzfatz4123 wünscht sich anlässlich unserer Berichterstattung, dass nicht nur auf schwarze Schafe im Kampfsport hingewiesen wird. Es gebe auch viel Engagement: "Es wäre schön, wenn die Autoren auch die positive Seite des Kampfsports belichten würden. Ich bin selbst Mitglied einer MMA/BJJ/Muay Thai Kampfsportschule. Ich trainiere dort mit Migranten, Flüchtlingen, Studenten, Lehrern, Polizisten, Beratern, und professionellen Kämpfern. Männer, Frauen, Kinder, Jugendliche. Arm oder reich, es wird immer eine Lösung gefunden, wenn jemand am Sport teilnehmen möchte.

Ich finde es traurig, wenn so etwas hier öffentlich verteufelt wird, nur weil man es nicht versteht und unbedingt eine "Story" veröffentlichen muss. Gerade die BJJ Kultur ist durch Multi-Kulturalismus und Offenheit gegenüber anderen Menschen geprägt. Natürlich sehe ich gerade bei öffentlichen MMA Veranstaltungen auch zwielichtige Gestalten. Genau die selben, die danach im Fußballstadion randalieren. Vielleicht sollte man positive Beispiele fördern und öffentlich unterstützen, anstelle einen ganzen Sport zu verteufeln und in eine gesellschaftliche Ecke zu stellen. Genau wie beim Fußball."