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Rechte Szene vernetzt sich in Telegram-Gruppen | BR24

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Immer mehr rechte Gruppen vernetzen sich in Chatgruppen des Messengerdienstes Telegram.

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Rechte Szene vernetzt sich in Telegram-Gruppen

Die rechte Szene vernetzt sich zunehmend in Chatgruppen des Messengerdienstes Telegram. Dort fühlt sich die Szene unbeobachtet. Seit wenigen Wochen organisieren sich auch fränkische Aktivisten in den Chatgruppen. Eine Analyse.

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"Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda", riefen am Samstag rund 150 Menschen einer Demonstration von Rechten in Nürnberg entgegen. Bereitschaftspolizisten eskortierten die rund 60 Rechten durch die Innenstadt. Die Teilnehmer kamen teils aus verschiedenen Lagern der rechten bis rechtsextremen Szene.

Rechte Gruppenchats bei Telegram

Beworben wurde die Demonstration seit Wochen über Gruppen im Messenger-Dienst Telegram. Dort kann jeder Gruppen und Kanäle erstellen, die über eine globale Suche auffindbar sind. Rechte Akteure nutzen vermehrt den Messengerdienst und erstellen eigene Gruppen. Die jeweiligen Einladungslinks werden in anderen sozialen Netzwerken wie Facebook oder Youtube an Interessierte weitergegeben. Im Gegensatz zu Diensten wie Whatsapp kann die eigene Telefonnummer bei Telegram verborgen werden. Viele geben sich Pseudonyme und fühlen sich dadurch offenbar sicherer.

Initiiert von der Identitären Bewegung

Die völkische Identitäre Bewegung hat über einen ihrer Telegram-Kanäle eine Liste mit "patriotischen Regionalgruppen" angefertigt, denen Aktivisten vor Ort beitreten können. Bundesweit gibt es mittlerweile rund 70 dieser sogenannten Patrioten-Gruppen. In Franken sind diese beispielsweise in Nürnberg, Fürth, Bayreuth, Würzburg und Coburg.

© Screenshot Telegram BR/Jonas Miller

Bayerische Chatgruppen mit verpixelten Einladungslinks einer IB-Telegram-Gruppe

Falschmeldungen und Verschwörungstheorien

In den nordbayerischen Gruppen sind meist um die 40 Personen aktiv. Dem BR gelang es in diese Chats Einsicht zu nehmen. Inhaltlich werden Veranstaltungstermine weitergeleitet, private Unterhaltungen geführt oder Verschwörungstheorien ausgetauscht. Gerade in der rechten Szene werden Falschmeldungen, falsche Fakten oder übertriebe Darstellungen als Mobilisierungsargument für Demonstrationen verwendet und teils tausendfach weitergeleitet. In Kanälen, in denen nur Administratoren Nachrichten senden können, bleiben diese Narrative unwidersprochen stehen.

Neue Mobilisierungskanäle

Insgesamt lotet die rechte Szene durch Messengerdienste wie Telegram neue Mobilisierungskanäle aus. So verfügen mittlerweile viele der in Bayern agierenden rechtsextremen Gruppen wie die Partei "Der dritte Weg" oder die Identitäre Bewegung über eigene Kanäle, die abonniert werden können. Recherchen zeigen, dass in vielen der bayerischen Patrioten-Gruppen Aktivisten dieser Parteien und Organisationen aktiv sind, um auch dort eigene Propaganda zu streuen.

Aufbauphase in Franken

Derzeit sind die fränkischen Patrioten-Gruppen noch in der Aufbauphase. In den Gruppen werden Stammtische organisiert, an denen sich die Aktivisten dann direkt beteiligen sollen. Dennoch wird die Kommunikation auf Telegram weiter zunehmen, nachdem soziale Netzwerke wie Facebook verstärkt gegen rassistische und rechtsextreme Inhalte vorgehen.

Szene fühlt sich unbeobachtet

Bislang ist nicht bekannt, ob Telegram gegen solche Inhalte vorgeht. Die rechte Szene jedoch fühlt sich dort sicher, da sie davon ausgeht, dass Telegram nicht gegen derlei Inhalte vorgeht. Strafbare Inhalte sind leicht zu finden: In offen neonazistischen Kanälen werden NSDAP-Propaganda und Hakenkreuze gepostet, in anderen der Holocaust geleugnet.