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Realschullehrer üben scharfe Kritik an Lernplattform "Mebis" | BR24

© picture alliance/KEYSTONE

Home-Schooling: Realschullehrerverband zieht positive Bilanz

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    Realschullehrer üben scharfe Kritik an Lernplattform "Mebis"

    Seit Ende April dürfen Schüler wieder in die Schule gehen. Die Realschullehrer in Bayern ziehen nach mehr als zwei Monaten Lernen zu Hause eine positive Bilanz - sehen aber auch Verbesserungsbedarf. Vor allem bei der Online-Lernplattform "Mebis".

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    Nach acht Wochen Fernunterricht zieht der Bayerische Realschullehrerverband eine positive Bilanz. Es lief nicht so schlecht wie erwartet, wenngleich eklatante Mängel sichtbar wurden. Das ergab eine Umfrage des Bayerischen Realschullehrerverbandes (brlv) unter mehr als 1.000 Lehrkräften. Es könne nicht sein, dass die Lehrer Geräte oder Computerprogramme selbst beschaffen, installieren und warten müssten. Zudem müsse sichergestellt sein, dass jeder Schüler zuhause mit einem Gerät ausgestattet sei, um am digitalen Fernunterricht teilzunehmen, so der Bayerische Realschullehrerverband.

    Bayerischer Realschullehrerverband: Eklatante digitale Mängel

    Die Lücken, die während des Lockdowns deutlich wurden, müssen laut Jürgen Böhm, dem Vorsitzenden des Bayerischen Realschullehrerverbands dringend nachgebessert werden - er fordert: Mehr digitale Endgeräte für Lehrer, mehr IT-Systembetreuung, mehr Kommunikationsplattformen und eine bessere Regelung in Bezug auf digitales und modernes Lehren – beispielsweise müsse es klar geregelte Arbeits- und Erholungsphasen geben.

    Immerhin: Der Fernunterricht habe sich scheinbar nicht auf den Lernerfolg ausgewirkt. Abschlussprüfungen waren laut der Umfrage zu keiner Zeit gefährdet. Zwar haben die Lehrer viel Stoff wiederholt, gleichzeitig haben sie aber auch Wege gefunden, neuen Stoff zu vermitteln, um die Schüler auf die Prüfungen vorzubereiten. Fürs kommende Schuljahr erwarten sich die Lehrer deshalb keine größeren Leistungsunterschiede.

    Interaktion mit Schülern und Eltern positiv

    Auch die Interaktion zwischen Lehrern, Schülern und Eltern verlief besser als vermutet: Bereits in den ersten Tagen des Lockdowns haben die bayerischen Realschullehrer 85 Prozent ihrer Schüler digital erreicht. Zu rund 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen, im Durchschnitt drei bis vier Schülern pro Klasse, habe es in dieser Zeit keinen Kontakt gegeben. Laut Verband lag das entweder an fehlender technischer Ausstattung der Familien zuhause oder an der Einstellung der Schüler.

    Seit den Osterferien habe sich die Erreichbarkeit aber deutlich gesteigert, sagte der brlv-Vorsitzende Jürgen Böhm. Er gehe mittlerweile davon aus, dass man alle Schüler erreicht habe. Auch die Rückmeldungen der Eltern waren Böhm zufolge positiv, sofern die Lehrer ein Feedback von den Eltern erhalten haben. Die Meinung einer Lehrkraft lautete beispielsweise kurz vor den Osterferien: "Selten war mein Kontakt zu den Eltern und Schülern so eng wie in der letzten Zeit."

    "Mebis" als Lernplattform versagt

    Am einfachsten war es für die Lehrer via E-Mail Kontakt mit ihren Schülern aufzunehmen. Die digitale Lernplattform des Kultusministeriums "Mebis" schneidet in der Umfrage nicht gut ab: Nur die Hälfte der Realschullehrer nutzte es - zu instabil, zu anfällig. "Die Performance brachte die Kollegen dazu, sich stabile Alternativen zu suchen, bei denen viele dann im Fernunterricht geblieben sind", interpretiert der brlv-Vorsitzende Jürgen Böhm das Umfrageergebnis. Demnach rangiert "Mebis" auf Platz vier hinter E-Mails, schuleigenen Cloudlösungen und Kollaborationssoftwares wie Microsoft Teams.

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