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Die "Steigerwaldbahn" wird wohl nicht reaktiviert. Eine Potenzialanalyse der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) hat ergeben, dass zu wenige Fahrgäste die Bahnlinie zwischen Schweinfurt und Kitzingen nutzen würden.

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Reaktivierung der "Steigerwaldbahn" eher unwahrscheinlich

Die "Steigerwaldbahn" wird wohl nicht reaktiviert. Eine Potenzialanalyse der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) hat ergeben, dass zu wenige Fahrgäste die Bahnlinie zwischen Schweinfurt und Kitzingen nutzen würden.

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Von
  • BR24 Redaktion
  • Norbert Steiche

Eine Potenzialanalyse der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) hat ergeben, dass zu wenige Fahrgäste die sogenannte Steigerwaldbahn nutzen würden. Damit wird eine Reaktivierung der Bahnlinie zwischen Schweinfurt und Kitzingen eher unwahrscheinlich. Der BEG zufolge würde bei einer Reaktivierung der sogenannten Steigerwaldbahn von Schweinfurt nach Kitzingen weniger Nachfrage von Passagieren bestehen, als in den Statuten für eine Reaktivierung festgelegt.

Zahl der Mindest-Fahrgäste deutlich unter den Anforderungen

Die BEG hat die potenzielle Verkehrsleistung der Strecke gemessen. Diese wird in sogenannten Personenkilometern angegeben: Das sind die zurückgelegten Kilometer multipliziert mit der Zahl der Reisenden.

Wie aus Berechnungen hervorgeht, läge das Nachfragepotenzial auf der Bahnlinie bei 563 Personenkilometern. ʺMit dieser Zahl werde der maßgebliche Schwellenwert deutlich verfehltʺ, heißt es von der BEG wörtlich: Der Mindestwert für die Reaktivierung einer Bahnlinie liegt demnach bei 1.000. Dieser Wert drückt die durchschnittliche Auslastung der untersuchten Bahnstrecke auf ihrer ganzen Länge aus, so die Eisenbahngesellschaft.

Förderverein: Analyse sei nicht vollständig

Eine Initiative von Befürwortern der Steigerwaldbahn hatte den Prozess einer möglichen Reaktivierung angeschoben. Darunter ist auch ein Verein, der seit vielen Jahren für die Bahnverbindung Schweinfurt-Kitzingen kämpft. Enttäuscht von dem Ergebnis der Potenzialanalyse ist der Förderverein Steigerwald-Express allerdings nicht: "Grundsätzlich bestätigen die Zahlen eine potentielle Nachfrage", sagt Andreas Witte, Vorsitzender des Vereins. Was er jedoch kritisiert: "Die Analyse ist nicht vollständig. Es gibt Potenzial, das nicht berücksichtigt wurde", sagt er. Deshalb will der Förderverein die Studie der BEG nach weiterem Potenzial überprüfen.

Dass die Strecke als Nord-Süd-Achse ins zukünftige Mobilitätskonzept des Landkreises Schweinfurt passe, schrieb zuletzt Thomas Vizl, Grünen-Stadtrat und stellvertretender Landrat im Landkreis Schweinfurt.

Befürworter sammelten Unterschriften und legten Gutachten vor

Anfang 2019 waren über 2.600 Unterschriften zur Reaktivierung gesammelt worden. Nach Ansicht der Befürworter dieser Strecke gäbe es mehrere Studien, die der Steigerwaldbahn genügend potentielle Fahrgäste attestierten. Im März 2019 legte ein Verkehrsexperte Zahlen vor, nach denen die Strecke Schweinfurt-Gerolzhofen täglich bis zu 1.700 Fahrgäste zählen würde. Eine Instandsetzung dieses Streckenabschnitts würde zwischen 40 und 45 Millionen Euro kosten.

Mehrheit der Anrainer will Trasse anderweitig nutzen

Bis auf die Stadt Gerolzhofen haben alle Anrainergemeinden entlang der rund 50 Kilometer langen Strecke zwischen Schweinfurt und Kitzingen-Etwashausen Entwidmungsanträge gestellt. Es hatten sich auch einige Bürgerinitiativen gegen eine Reaktivierung gebildet. Der CSU Bezirksverband plädiert dafür, dass die ehemalige Bahntrasse zu einer Pilotstrecke für autonom fahrende Autos umgewidmet wird.

Durchgehende Verbindung derzeit nicht möglich

Eine Verbindung über den Main zwischen dem ehemaligen Kopfbahnhof in Kitzingen und dem bestehenden Bahnhof gibt es seit Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr, nachdem die verbindende Eisenbahnbrücke über den Main zerstört wurde. Sie wurde nie wieder aufgebaut. Das Gelände des Kopfbahnhofes Kitzingen ist bereits entwidmet, hier liegen keine Schienen mehr. Auf dem Gelände sollen in Kürze Supermärkte gebaut werden. Außerdem hatte die Deutsche Bahn einen Teil der Schienentrasse bereits an einen Schrotthändler verkauft.

Nach Abzug der US Armee kein Zugverkehr mehr auf der ʺSteigerwaldbahnʺ

Die seit 117 Jahren bestehende, knapp 50 Kilometer lange Bahntrasse wird seit einigen Jahren nicht mehr genutzt. Der Schienen-Personenverkehr wurde schon vor Jahrzehnten eingestellt. Zuletzt wurden darauf nur wenige Militärtransporte auf der Schiene abgewickelt.

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