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Die Deutsche Bahn prüft die Reaktivierung der Höllentalbahn zwischen Thüringen und Bayern. Doch laut eines neuen Umweltgutachtens könnten die Pläne an der EU-Kommission scheitern. Thüringen will eine länderübergreifende Arbeitsgruppe einsetzen.

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Live-Stream: Befürworter und Gegner der Höllentalbahn streiten

Die Deutsche Bahn prüft die Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Thüringen und Bayern. Doch laut eines Gutachtens könnten die Pläne an der EU-Kommission scheitern. In Selbitz diskutieren nun Gegner und Befürwortet der Höllentalbahn.

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Von
  • BR24 Redaktion
  • Annerose Zuber

Die mögliche Reaktivierung der Höllentalbahn im Frankenwald sorgt für Diskussionen. Am Freitagabend tauschen erstmals Gegner und Befürworter ihre Argumente aus. Um 18:30 Uhr beginnt in Selbitz im Landkreis Hof eine Podiumsdiskussion, die auch via Youtube ins Internet übertragen wird.

Erwartet werden Vertreter des Vereins "Höllennetz", der sich seit 20 Jahren für die Wiederbelebung der Höllentalbahn einsetzt, sowie ein Vertreter einer Papierfabrik in Blankenstein, die ihre Holzlieferungen von der Straße auf die Schiene verlagern will. Auf der Seite der Projektgegner werden Mitglieder der neu gegründeten Bürgerinitiative "Bündnis Höllental" erwartet. Veranstalter ist die Überparteiliche Wählergemeinschaft Selbitz (ÜWG).

Gutachten aus Thüringen: Reaktivierung nicht machbar

Vor wenigen Tagen war ein Gutachten des Thüringer Verkehrsministeriums veröffentlicht worden. Demnach sei eine Reaktivierung der Höllentalbahn zwischen Blankenstein in Thüringen und Marxgrün im Landkreis Hof nicht mit den Schutzzielen der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinien (FFH) der EU vereinbar. Die thüringische Staatsregierung hatte sich zuvor für die Reaktivierung stark gemacht. Naturschützer positionierten sich dagegen.

"Reaktivierung beeinträchtigt Wälder erheblich"

Konkret heißt es in dem Gutachten, das am Dienstag veröffentlicht wurde: Im FFH-Gebiet "Selbitz, Muschwitz und Höllental" würden durch eine Streckenreaktivierung aller Voraussicht nach Schlucht- und Hangmischwälder sowie Auenwälder mit Erle, Esche und Weide erheblich beeinträchtigt. Dies sei eine "entscheidende Hürde für die Genehmigungsfähigkeit des Vorhabens".

Gutachten: Stellungnahme der EU-Kommission ist nötig

Zu den Zielen der FFH-Richtlinie der EU gehört die Schaffung und Bewahrung eines europaweiten Schutzgebietsnetzes mit dem Namen "Natura 2000". Die FFH-Gebiete sind ein wichtiger Teil davon. Das Gutachten kommt zu dem Schluss, dass eine Genehmigung des Vorhabens nur über eine Natura 2000-Abweichungsprüfung zu erzielen wäre. Hierfür müssten Ersatzflächen gefunden und eine Stellungnahme der EU-Kommission eingeholt werden. Die Erfolgsaussicht der Prüfung wurde als "kritisch" eingestuft. Nach einer positiven Stellungnahme der EU müssten zudem weitere Hürden genommen werden.

Weite Teile der Höllentalbahn verlaufen durch Bayern

Der Trassenabschnitt ist rund 7,5 Kilometer lang. Davon liegen etwa 1,5 Kilometer in Thüringen, die restlichen rund sechs Kilometer befinden sich in Bayern. Die stillgelegte Strecke ist im Besitz der Deutschen Bahn. Sie will in den kommenden Jahren mehrere inaktive Strecken wieder in Betrieb nehmen. Derzeit stehen mit der Höllentalbahn insgesamt 20 Projekte in fast allen Bundesländern auf der Liste. Über Streckenreaktivierungen entscheiden Bund, Länder und Aufgabenträger für den Nahverkehr mit der Bahn. Die Thüringer Landesregierung prüft die Möglichkeit der Reaktivierung, um die bestehende Schienenlücke vor allem für den Güterverkehr zu schließen.

Keine Stellungnahme vom bayerischen Verkehrsministerium

Die bayerische Staatsregierung hat bisher keinen Handlungsbedarf für die Reaktivierung der Strecke gesehen. Ein Vertreter des Verkehrsministeriums nahm heute auch an der Vorstellung des Umweltgutachtens teil. "Bei dem Gutachten geht es nach unseren Informationen um das Thema Umweltverträglichkeit einer Bahnstreckenreaktivierung. Seitens des Ministeriums wird daher keine fachliche Stellungnahme erfolgen können", teilt das Ministerium auf Anfrage des BR mit.

Thüringen schlägt länderübergreifende Arbeitsgruppe vor

Thüringen will nun eine länderübergreifende Arbeitsgruppe aufbauen. Von dem Gutachten könnte ein Impuls für die weitere Diskussion zwischen Gegnern und Befürwortern ausgehen, so Staatssekretärin Susanna Karawanskij (Die Linke). Themen seien unter anderem die Kosten, die Wirtschaftlichkeit und die genaue Trassenführung. An der länderübergreifenden Arbeitsgruppe sollten nicht nur die Ministerien von Thüringen und Bayern, sondern auch Kommunalpolitiker, Verbände, Bürgerinitiativen und die Deutsche Bahn teilnehmen, so der Appell der Staatssekretärin. Sie lobte den "sachlichen Austausch" von rund 80 Behördenvertretern sowie Gegnern und Befürwortern in Blankenstein nach der Vorstellung des Umwelt-Gutachtens.

Mit Material von dpa.

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Staatssekretärin Susanna Karawanskij aus Thüringen zur gewünschten Reaktivierung der Höllentalbahn zwischen Thüringen und Bayern.

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