BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Reaktionen auf türkischstämmigen Bürgermeisterkandidaten | BR24

© dpa/pa/

Ozan Iyibas, türkischstämmiger Bürgermeisterkandidat in Neufahrn bei Freising

35
Per Mail sharen

    Reaktionen auf türkischstämmigen Bürgermeisterkandidaten

    Kann ein Muslim für die CSU Bürgermeister in Bayern werden? Diese Debatte hat bisher hohe Wellen geschlagen. Die CSU in Neufahrn hat es gewagt und ihr Parteimitglied Ozan Iyibas als Bürgermeisterkandidaten nominiert - die Reaktionen sind positiv.

    35
    Per Mail sharen

    Am Freitagabend nominierte der CSU-Ortsverband Neufahrn Ozan Iyibas einstimmig zu seinem Kandidaten für den Bürgermeisterposten. Nachdem ein muslimischer Bewerber unlängst in Wallerstein an örtlichen Parteiwiderständen gescheitert war, hat es nun in der Münchner Vorortgemeinde geklappt, daher die schon im Vorfeld beachtliche bundesweite Aufmerksamkeit. Tatsächlich haben beide Fälle eher wenig miteinander zu tun - und um Religion geht es auch nur am Rande.

    Die von ihrem Chef Markus Söder auf einen strammen Modernisierungskurs eingeschworenen Christsozialen könnten eine Erfolgsgeschichte dieser Art gut gebrauchen. An Iyibas' Beispiel solle sich zeigen, was in der CSU heute alles möglich ist, sagte deren Generalsekretär Markus Blume und sicherte dem lange zaudernden Bewerber volle Unterstützung zu. Auch Florian Herrmann, der Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, twitterte seine Glückwunsche zur Nominierung von Ozan Iyibas.

    CSU-Mitglied seit 2007

    Der 37-jährige Bankkaufmann ist indes ein anderes Kaliber als Sener Sahin im schwäbischen Wallerstein - er ist kein politischer Quereinsteiger, sondern eingeschriebenes CSU-Mitglied seit 2007. Seit 2014 gehört er dem Neufahrner Gemeinderat an. Er sei klug, geschmeidig und habe auch einen gewissen Ehrgeiz, sagt ein Alteingesessener anerkennend. Anders als beim parteilosen Unternehmer Sahin, der öffentlich zu seinem muslimischen Glauben steht, fallen Iyibas' Selbstauskünfte zur Gretchenfrage beweglich aus. Seine Eltern sind Aleviten aus der Türkei. Der Vater kam als Gastarbeiter und blieb. Ozan wurde in Freising geboren und spricht bayerisch.

    Neufahrn schwieriges Pflaster für die CSU

    Für die CSU ist die 20.000 Einwohner zählende Gemeinde zwischen Freising und München ein schwieriges Pflaster. Seit 40 Jahren hat sie dort keinen Bürgermeister mehr gestellt. Ein Grund ist, dass sich dort das älteste und hartnäckigste Widerstandsnest gegen den (Aus-)Bau des Franz-Josef-Strauß-Flughafens befindet. Seit sechs Jahren regiert ein Grüner die Kommune, in der der Ausländeranteil höher ist als in Berlin-Kreuzberg.

    Grüner Amtsinhaber sitzt fest im Sattel

    Der Amtsinhaber könnte katholischer kaum sein. Franz Heilmeier (56) ist Theologe und war als Pastoralreferent lange in der Jugendarbeit, später als Gemeindeberater und Strategieentwickler im Erzbischöflichen Ordinariat in München tätig. Bis heute hält er Gottesdienste. 2014 siegte er mit einem Stimmenanteil von 59 Prozent. Heilmeier tritt erneut an. Iyibas leitet den jüngsten Landesarbeitskreis der CSU zu Migration und Integration. Dadurch genießt er schon länger das Wohlwollen der Parteispitze. Doch im Neufahrner Vereinsleben ist der bisherige Leiter der Hauptgeschäftsstelle der Sparkasse in Freising wenig verankert. Bis zum Urnengang hat er nur noch acht Wochen Zeit. Nicht die besten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Wahlkampf.