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Kühe auf einer Weide

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    Raus aus der Landwirtschaft : Und was kommt dann?

    Die Zahl landwirtschaftlicher Betriebe geht immer weiter zurück. Viele Bauern klagen über zu hohe Belastungen. Vor allem viele kleine Höfe verschwinden. Warum Bauern aus der Landwirtschaft aussteigen und was sie danach machen.

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    Von
    • Simon Plentinger

    Vor vier Jahren hat Gebhard Schöllhorn mit seiner Familie die Entscheidung getroffen, seinen Milchviehbetrieb im Oberallgäu mit 45 Tieren aufzugeben. Seine Kinder waren damals noch zu jung, um entscheiden zu können, ob sie den Hof einmal übernehmen können oder wollen. Die Flächen und den Stall haben die Schöllhorns verpachtet und sich Arbeitsstellen außerhalb der Landwirtschaft gesucht. Viele verschiedene Gründe habe es dafür gegeben. Als Hauptgrund nennt er jedoch die hohe Arbeitsbelastung.

    Arbeitsbelastung und Bürokratie für viele das größte Hemmnis

    Zu viel Arbeit, zu viel Bürokratie, dadurch zu wenig Zeit für die Familie. Schöllhorn zählt ganz typische Gründe auf, viele in seinem Berufsstand sehen das genauso: In einer Befragung der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf sollten Landwirte die wichtigsten Hemmnisse für die Entwicklung ihrer Betriebe nennen. Am häufigsten, von mehr als jedem Zweiten genannt: zunehmender bürokratischer Aufwand, Auflagen - etwa beim Umweltschutz -, unbeständige politische Rahmenbedingungen und zu niedrige Produktpreise. An fünfter Stelle, von etwas über einem Drittel genannt: ein zunehmend kritisches Bild der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit.

    Größere Betriebe überleben eher

    In der repräsentativen Studie zeigte sich auch: Je größer ein Betrieb, umso eher ist klar, wer den Hof übernimmt. Am häufigsten passiert das innerhalb der Familie. Für nur wenige – etwa 18 Prozent – ist eine Übergabe des Betriebs an jemanden außerhalb der Familie eine Option. Doch ihre Kinder und damit ihre potentiellen Nachfolgerinnen und Nachfolger, entscheiden sich immer öfter für eine andere berufliche Laufbahn. Laut dem Agrarökonom Sebastian Rahbauer von der Technischen Universität München (TUM) ist das vor allem bei Betrieben im Einzugsgebiet der Ballungsräume ein Thema. Weil es dort attraktive Alternativen und Entwicklungsmöglichkeiten abseits der Landwirtschaft gibt. Die Entwicklung, dass vor allem kleinere Betriebe aufgeben, sieht der Wissenschaftler, der selbst Landwirt im Nebenerwerb ist, kritisch: "Man braucht tendenziell als Landwirt immer mehr Fläche, beziehungsweise immer mehr Vieh, um ein Einkommen zu generieren, mit dem man auch eine Familie ernähren kann. Doch es können nicht alle wachsen, die Fläche ist ein begrenzender Faktor."

    Erster Schritt: Nebenerwerb, Zweiter Schritt: Ausstieg

    Der Schritt zum Nebenerwerbsbetrieb ist für viele Bauern der erste Schritt, doch schon bald kommt dann der vollständige Ausstieg. So war es auch bei Gebhard Schöllhorn, auch wenn er sich positiv an den Schritt erinnert: "Die Entscheidung zu fällen, war eine unbändige Erlösung. Da war aber natürlich auch das Ungewisse: Wie geht es weiter, wo finde ich meinen Platz, wo ich glücklich werden kann?“

    Berufschancen sehr individuell

    Es ist eine sehr individuelle Frage. Laut der Bundesagentur für Arbeit, lässt sich nicht pauschal sagen, wo Landwirte am ehesten eine passende Arbeitsstelle finden. Es werde ganz individuell nach Fähigkeiten und Interessen beraten. Die blanken Zahlen für Bayern zeigen aber: Über Dreiviertel aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit landwirtschaftlicher Ausbildung arbeiten in der Landwirtschaft oder verwandten Bereichen. Weitere wichtige Branchen sind die öffentliche Verwaltung, Arbeit in Verbänden und Interessensgruppen oder Forschung und Entwicklung.

    Hofübergabeberatung als wichtige Unterstützung

    Für den ehemaligen Milchviehhalter Gebhard Schöllhorn war klar, dass er weiter draußen arbeiten will. Seit vier Jahren ist er Straßenwärter beim Bauhof des Landkreises. Heute sagt er, er würde es wieder so machen. Der Schritt raus aus der Landwirtschaft müsse aber nicht für jeden richtig sein, betont er. Er hat sich damals beraten lassen. Solche Hofübergabeberatungen bieten zum Beispiel Landwirtschaftsverbände an. Für ihn sei das eine hilfreiche Sache gewesen, sagt er heute. Vor allem weil die Beraterin damals nicht nur die wirtschaftliche, sondern auch die soziale Situation seiner Familie im Blick hatte.

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