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Bildrechte: dpa/pa, Peter Kneffel

Wie steht es um Bavaria One?

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Söders Raumfahrtprogramm: So steht es um Bavaria One

Ministerpräsident Söder eröffnet die Betriebshallen von Isar Aerospace. Das Unternehmen in Ottobrunn will hier eine Kleinrakete bauen. Gefördert wird das Startup mit Geldern aus der Hightech-Initiative, die auch das Programm Bavaria One beinhaltet.

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Von
  • Vera Cornette

Alles begann mit einem Telefonklingeln: Im Januar 2018 ließ Ministerpräsident Söder den ehemaligen Astronauten und Physiker Ulrich Walter anrufen. Es folgte wenige Wochen später ein persönlicher Termin in der Staatskanzlei, erzählt Walter: "Söder sagte, er möchte die Raumfahrt in Bayern fördern, Herr Walter, was können wir machen?" Walter machte ihm daraufhin Vorschläge, etwa für ein Wirtschaftsförderprogramm und für den Aufbau einer Fakultät für Luft- und Raumfahrttechnik an der TU München.

Bisher nur ein Bruchteil der Gelder ausbezahlt

Von Mondfahrt oder "Söderchens Mondfahrt", wie es später in einigen Zeitungen hieß, war da keine Rede: "Ziel ist die Entwicklung unbemannter, suborbitaler Flugkörper, Erdbeobachtung und Quantensensorik", heißt es in der Regierungserklärung.  

Gut anderthalb Jahre später ist allerdings nur ein Bruchteil der angekündigten Fördersumme ausgezahlt. 30 Millionen Euro sind für ein Satelliten-Kompetenzzentrum, Forschungsprojekte und Unternehmensgründungen vorgesehen. Außerdem werden 40 Stellen für die neue Raumfahrt-Fakultät an der TU München am Standort Ottobrunn finanziert. 

Opposition zeigt sich enttäuscht

Dass die zugesagten Fördergelder bisher kaum ausbezahlt wurden, enttäuscht die FDP im Bayerischen Landtag. Fraktionschef Martin Hagen sagt: "Man hat den Eindruck, dass die Begeisterung nach dem Landtagswahlkampf erloschen ist." Was Hagen bedauert, denn seiner Ansicht nach ist die Weltraumwirtschaft eine Zukunftsbranche.

Ähnlich sieht es die Grünen-Landtagsfraktion: Verena Osgyan, wissenschaftspolitische Sprecherin, bezeichnet Bavaria One als "riesigen Marketing-Gag, der ziemlich in die Hose ging". Es sei legitim, die bayerische Luft- und Raumfahrtindustrie zu unterstützen, dann hätte man es aber auch so nennen sollen: eine Wirtschaftsförderung für einige große Unternehmen, meint Osgyan.

Name Bavaria One ist Geschichte, Förderung geht weiter

Die Staatsregierung widerspricht: Weder die Begeisterung sei erloschen noch seien die finanziellen Mittel gekürzt. Das für das Projekt inzwischen zuständige Wirtschaftsministerium argumentiert: hunderte Millionen wolle und könne man nicht auf einen Schlag ausgeben. Es handele sich um eine Langfriststrategie.

Auch Ex-Astronaut und Bavaria-One-Mitentwickler Ulrich Walter hätte es gern gesehen, dass die Förder-Millionen noch schneller eingesetzt werden. Im Großen und Ganzen aber hat er viel Lob fürs Söders Initiative übrig: Kaum ein anderes Bundesland habe es so verstanden wie Bayern, dass Raumfahrt keine Luxus-Wissenschaft sei, sondern ein wichtiger Wirtschaftszweig.

Möglicherweise lassen sich Erfindungen und Erkenntnisse für den Alltag auf der Erde aus den Erfahrungen mit den bayerischen Projekten ableiten. Die Liste der geplanten Vorhaben ist jedenfalls lang. Von der Erdvermessung bis hin zu neuen Space Start-Ups.

Daran soll sich auch wegen der Corona-Krise nichts ändern: Die versprochenen 700 Millionen Euro sollen fließen, heißt es aus der Staatskanzlei. Nur eben nicht sofort, sondern im Zeitraum der nächsten acht Jahre. Vom Begriff Bavaria One hat sich die Staatskanzlei im Übrigen auch verabschiedet. Das alte Projekt wurde von der Hightech-Agenda geschluckt.

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