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Rückblick: Zehn Jahre Rauchverbot | BR24

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Seit genau zehn Jahren darf in bayerischen Gaststätten nicht mehr geraucht werden, um die Gesundheit aller zu schonen.

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Rückblick: Zehn Jahre Rauchverbot

Die Aufregung vor zehn Jahren war groß. Am 1. August 2010 ist in Bayern das Rauchverbot in Gaststätten in Kraft getreten. Wirte befürchteten, dass die Gäste ausbleiben und Raucher fühlten sich gegängelt. Wie sieht es heute, zehn Jahre später, aus?

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Das Geräusch eines Feuerzeugs in einer Kneipe, das hat man schon fast vergessen. Dabei war es vor zehn Jahren für viele Raucher undenkbar, dass sie zum Qualmen plötzlich vor die Tür gehen sollten. Das Rauchverbot sei bescheuert, lautete der Protest. "Uns vergönnen's net amol a Zigarettl und a halbe Bier dazu. San denn des noch Männer für uns?” - verlautete es aus so manchem bayerischen Wirtshaus.

Rauchen? Männlich!

Fast jeder dritte Deutsche war damals Stammgast am Aschenbecher. Und als besonders "unmännlich" galt unter den Rauchern und Kneipenbesitzern vor allem einer: Sebastian Frankenberger.

Er war der Initiator des Volksbegehrens für rauchfreie Kneipen in Bayern Ende 2009. Frankenberger erinnert sich an die Zeit, als sich die Menschen für das Volksbegehren eintragen konnten. Hürde: zehn Prozent. In München, so erzählt er, waren die Menschen bei Schnee und Kälte vor dem Rathaus gestanden, um sich einzutragen.

"Wir haben intern von den Berechnungen gewusst: Eigentlich schaffen wir es. Aber der Öffentlichkeit haben wir noch gesagt: Wir liegen so bei 9,75 Prozent." Sebastian Frankenberger, Initiator Volksbegehren für rauchfreie Kneipen

Ein harter Kampf für den Initiator

Am Ende lag die Wahlbeteiligung bei fast 40 Prozent, und zwei Drittel davon stimmten für ein Rauchverbot. Sebastian Frankenberger hat in den Jahren danach viel aushalten müssen: Todesanzeigen mit seinem Namen im Briefkasten und Morddrohungen in aller Öffentlichkeit, auch auf dem Oktoberfest.

Aber unterm Strich überwiegt das positive Feedback. Viele Menschen sind dankbar, dass ihre Kleidung nicht mehr nach Rauch stinkt und die Augen brennen. Und selbst die meisten Wirte haben gemerkt, dass es nicht zu den befürchteten Umsatzeinbußen gekommen ist. Ganz zu schweigen vom medizinischen Nutzen, sagt Tobias Rüther, Psychiater an der Tabakambulanz der LMU München.

"Ich bin wirklich dankbar, weil wir wirklich Menschenleben retten. Jeden Tag, durch dieses Gesetz. Es gibt selten ein Gesetz, dass so schnell so viel Gutes getan hat." Tobias Rüther, Tabakambulanz LMU München

Vor allem Personal profitiert vom Rauchverbot

Studien auf der ganzen Welt zeigen, dass Rauchverbote vor allem bei Bar-Angestellten und Nichtrauchern zu weniger Atemwegserkrankungen führen, wie Husten oder pfeifende Atemgeräusche. Auch die Augen und Nasen sind seltener gereizt.

Nicht ganz so eindeutig ist die Lage bei Herzinfarkten und Schlaganfällen. Eine Studie der DAK kommt schon 2012 zu dem Schluss, dass das Rauchverbot zu acht Prozent weniger Herzinfarkten in Deutschland geführt hätte. Und auch weitere, internationale Studien weisen in diese Richtung. Manche Untersuchungen können aber auch keinen Effekt feststellen.

Für Tobias Rüther von der Tabakambulanz ist das aber nebensächlich. Das Grandiose sei, dass viel weniger Menschen das Rauchen anfangen. "Wir haben nur noch neun Prozent Raucher an den Gymnasien, bisschen mehr an den Hauptschulen", so Rüther. Rauchen sei vor allem für Jugendliche unattraktiv geworden. Und dies sei hauptsächlich durch die Nichtraucherschutzgesetze passiert, meint der Wissenschaftler

Inzwischen raucht in Deutschland weniger als jeder Vierte. Vor dem Rauchverbot war es noch fast jeder Dritte. Und weil es wissenschaftlich unstrittig ist, dass Rauchen die Gefäße schädigt, gibt es vermutlich eben doch weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle. Auch dank der zehn Jahre Rauchverbot in Gaststätten.

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