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Raubüberfall von Sinzing: Ein Angeklagter erhält mildere Strafe | BR24

© BR/Anne-Lena Schug

Für einen der Räuber fiel die Strafe im Revisionsprozess milder aus

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    Raubüberfall von Sinzing: Ein Angeklagter erhält mildere Strafe

    Das Landgericht Regensburg hat in einem Revisionsprozess vier Männer wegen schweren Raubes zu Gefängnisstrafen verurteilt. Einer der Täter hat eine geringere Strafe bekommen. Der Mann hatte gestanden und sich entschuldigt.

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    Im Revisionsprozess um den Raubüberfall von Sinzing sind vier Männer am Landgericht Regensburg zu Haftstrafen zwischen sechs und acht Jahren unter anderem wegen schweren Raubes verurteilt worden. Damit fällt die Strafe bei einem Mann milder aus als im ersten Prozess.

    Gericht berücksichtigte Tourette-Erkrankung

    Strafmildernd wirkte sich die Entschuldigung und das Geständnis des Angeklagten aus. Außerdem wurde seine Tourette-Erkrankung berücksichtigt, sodass die Haftstrafe jetzt über ein Jahr kürzer ausfällt. Die anderen Männer haben gleich hohe Haftstrafen bekommen wie ursprünglich: sechs Jahre und 9 Monate bzw. sieben und acht Jahre.

    Die Staatsanwältin hatte höhere Freiheitsstrafen, nämlich zwischen acht Jahren und drei Monaten und neun Jahren gefordert. Die Verteidiger hielten das für zu hoch. Alle Männer haben das Urteil anerkannt und werden nicht noch einmal Revision einlegen. Im jetzigen Prozess musste das Gericht unter anderem prüfen, ob bei einem der Täter eine verminderte Schuldfähigkeit vorliegt und ob auch eine Verurteilung wegen erpresserischen Menschenraubes in Frage kommt. Die Staatsanwältin hatte die Nähe zu diesem Straftatbestand gesehen, hat ihn jedoch nicht aufgenommen.

    Opfer: Verhandlung habe "Wunde wieder aufgerissen"

    Bevor das Urteil im Revisionsprozess verkündet wurde, hatte das Ehepaar ausgesagt. Dabei ging es vor allem um deren Verfassung. Der Ehemann sagte, dass mit der Zeit eine "dünne Haut" über die Sache gewachsen sei. Die zweite Verhandlung habe die Wunde aber wieder aufgerissen. Der 42-Jährige sagte außerdem aus, dass es ihm furchtbar ginge: Er schlafe schlecht, sei ängstlich und auch misstrauischer. Besonders schlimm sei es an Halloween, wenn Menschen mit Masken unterwegs seien. Dann müsse er sich auf die Zähne beißen, um nicht auszurasten.

    Die Räuber hatten damals schwarz-weiße Masken auf. Der Ehemann erzählte außerdem, dass er sich in seinem Haus nicht mehr wohl fühle. Immer wieder habe er das Bild vor Augen, wie er gefesselt am Boden liegt.

    Opfer stützen sich gegenseitig

    Bei der Ehefrau rief der Revisionsprozess schlimme Details in Erinnerung. Alles sei wieder hochgekommen, sie traue sich nicht mehr Fenster oder Terrassentür offen stehenzulassen. Anderen gegenüber sei sie misstrauisch - vor allem, wenn sie nach der Firma oder Privates fragen. Das Ehepaar teilte zudem mit, dass sie sich vorgenommen haben, gemeinsam durch die Sache zu gehen. Sie würden viel miteinander reden und seien sich gegenseitig eine wichtige Stütze.

    Einer der Täter entschuldigte sich tränenreich

    Nach den Aussagen der Eheleute entschuldigten sich zwei der Angeklagten. Einer sagte, er sei durch die Zeit im Gefängnis zur Vernunft gekommen und es tue ihm von ganzem Herzen leid. Der Andere sagte unter Tränen, dass es ihm leidtue, was er den beiden angetan hatte und obwohl er wisse, dass man die Tat nie wieder gut machen kann, wolle er sich beim Ehepaar entschuldigen. Die Entschuldigungen annehmen konnte das Ehepaar nicht. Der Prozess war noch einmal aufgerollt worden, weil sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die vier Männer gegen das im Januar 2018 gefällte Urteil Revision eingelegt hatten.

    Bundesgerichtshof hob erstes Urteil wegen Rechtsfehlern auf

    Die Staatsanwaltschaft hatte damals für die vier Männer Haftstrafen von mindestens zehn Jahren gefordert. Tatsächlich ist die Bande zu sechs Jahren und neun Monaten bis acht Jahren verurteilt worden. Dieses Urteil hatte der Bundesgerichtshof wegen Rechtsfehlern aber wieder aufgehoben. Deswegen musste neu verhandelt werden.

    Die vier Männer sollen im September 2016 das Ehepaar in dessen Haus in Sinzing überfallen und ausgeraubt haben. Dabei wurden die Opfer bedroht, geschlagen und gefesselt. Die Räuber waren teils maskiert und mit Schreckschusswaffen ausgerüstet. Sie raubten über 30.000 Euro.