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Über die Missstände in einem Haus im Würzburger Stadtteil Grombühl hat BR24 bereits mehrfach berichtet. Jetzt hat BR24 von unhaltbaren Zuständen auf einem weiteren Grundstück in Würzburg erfahren. Der Vermieter ist derselbe.

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Ratten und versiegelte Wohnungen in Würzburg-Heidingsfeld

Über die Missstände in einem Haus im Würzburger Stadtteil Grombühl hat BR24 bereits mehrfach berichtet. Jetzt hat BR24 von unhaltbaren Zuständen auf einem weiteren Grundstück in Würzburg erfahren. Der Vermieter ist derselbe.

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Alisa WienandAlisa Wienand
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In einem Haus im Würzburger Stadtteil Grombühl sollen bis Ende Februar 51 Wohnungen geräumt werden. Der Grund: In dem Haus besteht laut dem Verwaltungsgericht Würzburg "Gefahr für Leib und Leben" der Bewohner. Bereits Anfang September hatte BR24 darüber berichtet, dass die Stadt die Nutzung der Wohnungen vor allem wegen Brandschutz-Mängeln untersagt hatte. Ein Leser hat BR24 jetzt auf ein anderes Grundstück im Würzburger Stadtteil Heidingsfeld aufmerksam gemacht. Der Eigentümer des Grundstücks vermietet auch das Haus in Grombühl und einige andere im Raum Würzburg. In einer Mail an BR24 schreibt er: "Wir haben fast 500 Mieter."

Rattenplage auf Grundstück in Heidingsfeld

Das Apartment eines Bewohners auf dem Grundstück in Heidingsfeld ist circa zehn Quadratmeter groß. Um zur Küche und zum Bad zu gelangen, muss man durch ein Loch im Boden eine unbefestigte Leiter hinabsteigen. Dort unten ist kaum Platz, um sich um die eigene Achse zu drehen. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum der Mieter sein Bad aktuell nicht benutzt. "Das Schlimmste, das hier vorgefallen ist, war als ich den Klodeckel hochgemacht habe und eine Ratte im Klo geschwommen ist", sagt der Bewohner. Nachts hört er, wie die Ratten im Keller an den Wänden seiner Wohnung nagen.

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Um zur Küche und zum Bad zu gelangen, muss ein Mieter eine unbefestigte Leiter hinabsteigen.

Stadt Würzburg bestätigt Rattenplage

Das Veterinäramt der Stadt Würzburg hat sich bereits ein Bild von der Situation gemacht. "Bei einem Ortstermin wurde der Befall bestätigt", heißt es von der Stadt auf Anfrage von BR24. "Der Eigentümer wurde auch aufgefordert, dagegen vorzugehen. Nachdem die Maßnahmen nur eine geringe Wirkung gezeigt haben, wird ein weiterer Ortstermin anberaumt."

Vermieter äußert sich zu den Ratten

Die Hoffnung der Bewohner ist, dass der Vermieter etwas gegen die Ratten unternimmt. Aber bisher seien nur einzelne Rattenfallen auf dem Grundstück aufgestellt worden. BR24 hat den Vermieter um eine Stellungnahme gebeten. Zur Rattenplage hat er sich nur knapp geäußert: "Ich habe keine dort gesehen. Die meisten Mieter sagen, sie haben noch keine gesehen. Einige sagen, sie hätten eine Ratte gesehen. Wir haben bereits das Veterinäramt hier gehabt und haben diese 'weichen' Gifte ausgelegt."

Ohne Genehmigung: Wohnungen in Gewerbehalle gebaut

Der Vermieter hat das Grundstück in Heidingsfeld vor ein paar Jahren gekauft. Seitdem hat sich dort einiges geändert. In dem Wohnhaus hat der Eigentümer die Wohnungen in viele kleine Apartments umgebaut. Ähnliches hatte er auch mit der Gewerbehalle hinter dem Haus vor: Er wollte mehr als 20 kleine Wohnungen in die Halle bauen. Doch dann hat die Stadt Würzburg davon erfahren. Wie die Stadt auf Anfrage von BR24 mitteilt, hatte der Eigentümer "mit den Bauarbeiten begonnen, ohne einen Antrag auf Baugenehmigung oder Nutzungsänderung zu stellen".

Stadt Würzburg versiegelt Wohnungen in Heidingsfeld

Die Stadt hat den Bau daraufhin nach eigenen Angaben mehrfach einstellen lassen. Im Juli 2020 hat die Stadt die Wohnungen dann versiegelt. "Die Versiegelung war notwendig, um die Durchsetzung der Baueinstellung zu gewährleisten", heißt es von der Stadt. Die Versiegelung bleibe solange bestehen, bis der Eigentümer einen Bauantrag vorlege, der verabschiedet werden könne. Aber nicht alle Wohnungen in der Halle sind versiegelt worden. "Eine Versiegelung von vier Apartments war nicht möglich, da diese fertig gebaut und zum Zeitpunkt der Versiegelung bereits bewohnt waren", so die Begründung der Stadt.

Kleine Apartments ohne Fenster

Ein Mieter ist vor ein paar Monaten in eines dieser Apartments gezogen. Die Wohnung ist klein und auf drei Etagen verteilt. Die untere soll als Lagerraum dienen, die obere zum Schlafen und auf der mittleren befinden sich Küche und Bad. Fenster gibt es in dem Apartment keine. "Die Eingangstüre ist die einzige Möglichkeit, wo ich lüften kann", sagt der Bewohner. Doch wenn die Türe, die zum Hinterhof führt, offensteht, kommen Ratten in die Wohnung. Deshalb hat sich der Mieter jetzt aus der Abdeckung seiner Waschmaschine und einem Holzbrett einen Rattenschutz gebastelt.

Ein weiteres Problem: "Die Decke vom oberen Bereich hat angefangen, runter zu brechen", sagt der Mieter. Handwerker hätten das daraufhin provisorisch repariert. Doch auch jetzt bröckelt noch regelmäßig Putz von der Decke. "Die Obdachlosigkeit wäre für mich definitiv besser, als in dieser Bruchbude zu wohnen", sagt der Bewohner

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Vier Wohnungen in der Gewerbehalle hat die Stadt Würzburg nicht versiegelt.

Bewohnerin lebt "wie auf einer Baustelle"

In einer anderen Wohnung, gegenüber im Haus, hat der Vermieter vor ein paar Monaten Schimmel entfernen lassen. Jetzt ist der Schimmel zwar weg, aber mit ihm auch der Bodenbelag in der Küche. Was geblieben ist: Große Löcher in der Wand. "So habe ich die ganze Zeit gelebt – wie auf einer Baustelle", sagt die Bewohnerin. Dazu kommt, dass sie ihr Schlafzimmer nicht mehr nutzen will. Vier Mäuse hat sie dort gefangen. Seitdem schläft sie auf der Couch in ihrem Wohnzimmer. "Wenn ich überlege, dass ich da drin geschlafen habe und diese Viecher waren da drin – mir läuft es eiskalt den Rücken runter", sagt die Mieterin.

Angespannter Wohnungsmarkt in Würzburg

"Jeder sagt zu mir: Ich soll ausziehen. Das ist leichter gesagt als getan. Jeder weiß, wie der Wohnungsmarkt in Würzburg ist", sagt die Bewohnerin. Genau wie in dem Haus im Stadtteil Grombühl sind viele Mieter hier eingezogen, weil sie keine andere, bezahlbare Wohnung in Würzburg gefunden haben. Die Bewohnerin aus Heidingsfeld ist schon seit Monaten auf der Suche. Sie hofft, dass ihre Enkeltöchter sie bald wieder besuchen können – in einer neuen Wohnung.

Die Stadt Würzburg hat nach den Anfragen von BR24 angekündigt, sich ein genaueres Bild von der Wohnsituation in dem Haus im Würzburger Stadtteil Heidingsfeld machen zu wollen.

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