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Raserprozess von Kalteck beendet: Reaktionen auf das Urteil | BR24

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Der Raserprozess von Kalteck ist beendet. Die beiden Angeklagten müssen für jeweils fünf Jahre ins Gefängnis. Sie haben laut Gericht durch ihr illegales Rennen - Motorrad gegen Sportauto - den Tod eines unbeteiligten Familienvaters zu verantworten.

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Raserprozess von Kalteck beendet: Reaktionen auf das Urteil

Der Raserprozess von Kalteck ist beendet. Die beiden Angeklagten müssen für jeweils fünf Jahre ins Gefängnis. Sie haben laut Gericht durch ihr illegales Rennen - Motorrad gegen Sportauto - den Tod eines unbeteiligten Familienvaters zu verantworten.

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Im sogenannten Raserprozess von Kalteck ist das Urteil gefallen: Der angeklagte Autofahrer und der Motorradfahrer sind jeweils zu fünf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Zudem werden ihre Führerscheine jeweils mindestens dreieinhalb Jahre abgenommen. Das Gericht begründete das Urteil mit der Teilnahme an einem unerlaubten Rennen mit Todesfolge und schwerer Gesundheitsschädigung mit fahrlässiger Körperverletzung – und hat sich somit auf den im Jahr 2017 eingeführten Paragraphen 315d Strafgesetzbuch (Illegales Autorennen) berufen.

Anwälte forderten Bewährungs- und Geldstrafen

Der Motorradfahrer habe zwar den Unfall im vergangenen Juli nicht verursacht. Doch wie der vorsitzende Richter Georg Meiski begründete, sei er durch die Teilnahme am Rennen mitschuldig. Außerdem habe er sich vom Unfall entfernt und keine erste Hilfe geleistet.

Die beiden Männer nahmen das Urteil fast teilnahmslos auf – kein Blickkontakt. So haben sie sich auch die vergangenen Prozesstage verhalten. Nur der 28-jährige Autofahrer musste beim Urteil schlucken. Sein Anwalt forderte zwei Jahre auf Bewährung, der Anwalt des Motorradfahrers wollte eine Geldstrafe. Die Witwe des Unfallopfers hatte beim Urteil Tränen in den Augen.

Große Anteilnahme aus der Bevölkerung

Der Rechtsanwalt der Nebenklage, Marko Heimann aus Cham, sieht das Urteil als angemessen an - aber: "Gerechtigkeit gibt es nur im Himmel". Die Familie des Unfallopfers blicke nach vorne. Heimann betonte, wie groß die Anteilnahme aus der Bevölkerung und der Region mit der Familie war. Er sprach von anonymen Geldspenden. Ein Augenarzt habe Hilfe angeboten, eine Firma habe dem Jungen Karten für die VIP-Lounge vom FC Bayern spendiert. In ein normales Fußballstadion könnte der Junge mit seiner Beinschiene seit dem Unfall nicht kommen.

Nebenklageanwalt: "Ich werde dem Motorradfahrer alles nehmen."

Heimann habe sich jedoch mehr Kooperation vom Motorradfahrer erhofft: "Ich werde dem Motorradfahrer alles nehmen – es wird nichts mehr übrig bleiben: weder das Haus, noch das Vermögen." Die Witwe hat vor dem letzten Prozesstag zum Bayerischen Rundfunk gesagt, dass sie hofft, dass die beiden Männer nie wieder auf die Straße dürfen. Heimann sagte nach dem Urteil: "Ich habe mir beim Motorradfahrer eine lebenslange Sperre versprochen, das hätte ich als angemessen empfunden."

Mehr als 50 Zeugenaussagen

Oliver Baumgartner von der Deggendorfer Staatsanwaltschaft bezeichnete das Urteil als eine Mahnung an alle Raser auf den Straßen. Wenn jemand ein Rennen veranstalte, dann müsse mit harten Strafen gerechnet werden. Das Gericht sah es durch die mehr als 50 Zeugenaussagen und Gutachten als erwiesen an, dass die beiden Männer mit möglichst hohen Geschwindigkeiten die kurvige Bergstrecke im Bayerischen Wald gefahren sind – "unter besonders krasser Missachtung der zugelassenen Geschwindigkeiten".

Vorsitzender Richter: "Zwei rennbegeisterte Personen"

Der vorsitzende Richter Georg Meiski bezeichnete die beiden Männer als "zwei rennbegeisterte Personen, die ihren Geschwindigkeitswahn ausgelebt haben und leichtfertigt das Leben anderer gefährdet haben". Zahlreiche Zeugen beschrieben in unterschiedlichen Worten dieselbe Kernaussage – von unvorstellbaren Geschwindigkeiten war die Rede, nahezu 200 Stundenkilometer. "Das scheint nicht abwegig", so Meiski. Die Männer überholten auf der Bergstrecke andere Verkehrsteilnehmer waghalsig, blieben gegenseitig immer "dicht dran", fuhren dicht auf, winkten sich gegenseitig zu, stachelten sich gegenseitig an – das alles führte zur Eskalation des Fahrstils, so Meiski.

Richter fordert mehr Zivilcourage gegen Raser

Beide haben laut Meiski gewollt, dass der Autofahrer mit seinem neuen Sportwagen die Geschwindigkeit bis zu den physikalischen Grenzen austestet – und damit in Kauf genommen, dass andere Autofahrer ausweichen müssen, deren Fahrzeuge beschädigt oder Personen verletzt werden – und letztlich ein unbeteiligter Familienvater ums Leben kam und sein damals zehnjähriger Sohn schwer verletzt wurde und bis heute mit den Folgen zu kämpfen hat. Das unendliche Leid könne nicht mehr rückgängig gemacht oder gelindert werden. Aber man wolle gerecht bestrafen. Denn wie Meiski betonte, seien die Rasereien bei Kalteck seit Jahren bekannt. "Wir brauchen mehr Zivilcourage, wenn wir sehen, dass Recht gebrochen wird. Wenn man verhindert hätte, dass da ständig gerast wird, wäre es nicht zu diesem Unfall gekommen."

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Auch das Landgericht Deggendorf hatte es heute mit einem Raserunfall zu tun. Im Juli lieferten sich ein Autofahrer und ein Motorradfahrer im Bayerischen Wald ein Rennen. Bei Kalteck prallte das Auto gegen einen entgegenkommenden Wagen.