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Raserprozess in München: Angeklagter zeigt Reue | BR24

© BR / Sandra Demmelhuber

Ein tödlicher Raser-Unfall hat vor über einem Jahr in Bayern für Schlagzeilen gesorgt. Am heutigen Dienstag hat in München der Prozess gegen den 35-jähriger Autofahrer aus dem Tölzer Land begonnen. Er ist wegen Mordes angeklagt.

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Raserprozess in München: Angeklagter zeigt Reue

Schock, Schuldgefühle, Selbstmordgedanken - so beschrieb der 35-jährige Angeklagte im Raserprozess um den Tod eines 14-jährigen Teenagers vor dem Münchner Landgericht I reuevoll seine Gefühle. Er habe die Gefahr damals komplett unterschätzt.

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Von
  • Sandra Demmelhuber
  • BR24 Redaktion

Der Presseansturm am Morgen war groß vor dem Saal B173 im Landgericht München I in der Nymphenburger Straße. Coronabedingt wurde zu dem Mordprozess um einen tödlichen Raserunfall nur eine Handvoll Journalisten in den Gerichtssaal gelassen, rund ein Dutzend musste draußen warten.

Angeklagter braucht Beruhigungsmittel

Gegen 11.30 Uhr wurde die Sitzung unterbrochen. Bei einem Statement verkündete der Anwalt des Angeklagten, Tom Heindl, dass seinem Mandanten das Ganze "unsagbar leid" tue. Er sei vollkommen fertig mit den Nerven und wolle sich auch bei den Angehörigen des Opfers entschuldigen. "Das geht ihm natürlich psychisch nahe, ihm ist natürlich bewusst, dass er ein Kind getötet hat", sagte sein Anwalt am Mittag.

Als die Staatsanwaltschaft im Detail beschrieb, wie der Gymnasiast Max am späten Abend des 15. Novembers 2019 von ihm totgefahren wurde, brach der Beschuldigte zusammen und weinte. "Es geht mir nicht gut", sagte er der Richterin Elisabeth Erl. Ein Sanitäter gab ihm ein Beruhigungsmittel.

"Für das, was passiert ist, habe ich keine Worte", hieß es in einer Erklärung, die im Namen des Mandanten verlesen wurde. "Schock, Schuldgefühle, Selbstmordgedanken" empfinde er. "Heute kann ich sagen, dass ich die Gefahr vollkommen unterschätzt und mich überschätzt habe."

Mit 120 durch die Stadt: 14-Jähriger stirbt, 16-Jährige schwer verletzt

Der tödliche Raserunfall in München-Laim hat Ende 2019 bayernweit für Aufsehen und Trauer gesorgt. Seit heute Morgen muss sich der 35-jährige Fahrer aus dem Oberland wegen Mordes vor Gericht verantworten.

Am 15. November 2019 war er um kurz vor Mitternacht auf der Flucht vor einer Polizeikontrolle auf der Gegenfahrbahn durch die Stadt gerast. Er ignorierte laut Polizei mehrere rote Ampeln und erfasste - nach Angaben der Staatsanwaltschaft mit mehr als 120 Kilometern in der Stunde - zwei 14 und 16 Jahre alte Jugendliche, die gerade die Straße überquerten. Der 14-Jährige starb, die 16-Jährige wurde schwer verletzt.

Verteidiger bestreiten Mordvorwurf

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann Mord und Mordversuch vor. Doch handelte es sich wirklich um Mord? Sein Verteidigerteam bestreitet dies mit Nachdruck: Es sei kein Vorsatz zu erkennen, sagt Anwältin Daniela Gabler. "Nicht jedes Vergehen im Straßenverkehr, bei dem ein Mensch zu Tode kommt, ist ein Mord."

Und auch das gelte, so die Anwältin weiter: "Nicht jeder Raserunfall gleicht dem anderen." Gabler fordert die Richterin auf, den Fall nicht mit dem Fall vom Berliner Kurfürstendamm gleichzusetzen - dort wurde ein Raser rechtskräftig wegen Mordes verurteilt.

Gleich mehrere Merkmale, wie beispielsweise auch der Einfluss der Drogen, würden einem vorsätzlichen Mord widersprechen, so die Anwälte.

Dem Angeklagten droht eine lange Haftstrafe

Im Falle einer Verurteilung des vorbestraften Angeklagten wegen Mordes droht ihm nach Angaben des Gerichts womöglich sogar die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Damit wäre eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren so gut wie ausgeschlossen.

Eltern des Unfallopfers nicht anwesend

Die Eltern des 14-jährigen Unfallopfers Max verzichten auf Anraten ihres Anwalts auf einen Prozessbesuch. Auch wegen der erwartbaren Verteidigerstrategie.

Denn die Verteidiger des Beschuldigten geben nicht nur der Polizei wegen der aufgenommenen Verfolgung eine Mitschuld, sondern auch Max: Dieser sei "unstreitig" bei Rot über die Ampel gegangen. Anders als die Verteidiger gehen die Nebenkläger allerdings von einer grünen Fußgängerampel aus, dies werde die Beweisaufnahme zeigen.

Das Verfahren soll bis Ende Februar dauern.

Mit Material von dpa.

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