BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Raserprozess in Ingolstadt: Über drei Jahre Haft für Angeklagten | BR24

© BR
Bildrechte: BR

Das Landgericht Ingolstadt hat einen Raser zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Der 24-Jährige war auf der A9 mit seinem getunten 575-PS-Sportwagen viel zu schnell unterwegs und hatte einen tödlichen Unfall verursacht.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Raserprozess in Ingolstadt: Über drei Jahre Haft für Angeklagten

Das Landgericht Ingolstadt hat am Dienstag das Urteil im sogenannten "Raserprozess" gesprochen. Der Vorsitzende Richter verurteilte den Angeklagten, einen jungen Fahrzeugmechaniker, zu drei Jahren und sechs Monaten Haft.

Per Mail sharen
Von
  • Daniela Olivares

Keine Verurteilung wegen Totschlags – wie von der Staatsanwaltschaft und den Eltern als Nebenklägern gefordert. Die Strafkammer verurteilte den 24-jährigen Mann im sogenannten "Raserprozess" wegen eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens mit Todesfolge in Tateinheit mit vorsätzlicher Straßengefährdung.

Urteil nach Raserparagraf

Paragraf §315d des Strafgesetzbuchs regelt seit einigen Jahren "verbotene Kraftfahrzeugrennen". Er greift nicht nur, wenn zwei oder mehr Menschen ein Wettrennen gegeneinander veranstalten. Der Raserparagraf sanktioniert auch Fahrer, die zu schnell, grob verkehrswidrig und rücksichtslos unterwegs sind, also zu fest auf das Gaspedal drücken, "um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen". Dieses Verhalten sah die Kammer als gegeben an.

Strafmaß zwischen ein und zehn Jahren

Der Raserparagraf sieht einen Strafrahmen zwischen einem und zehn Jahren vor. Für den Mann sprach, dass er nicht vorbestraft ist, sich bei den Hinterbliebenen entschuldigt hat und sichtlich mitgenommen wirkte. Allerdings sei es auch kein minder schwerer Fall: "Wer die Autobahn als Rennstrecke für Hobby-Rennfahrer sieht, muss ins Gefängnis", sagte der Vorsitzende Richter Konrad Kliegl. Zudem habe der Angeklagte nicht die Verantwortung für seine Tat übernommen.

Mit über 200 Stundenkilometern auf der A9

Im Oktober 2019 war der heute 24-jährige Mann mit über 200 Stundenkilometern auf der Autobahn 9 bei Manching unterwegs. Erlaubt war hier eine Höchstgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern. Als ein anderes Fahrzeug auf die linke Spur wechselte, konnte der Mann nicht mehr rechtzeitig bremsen und prallte auf das Auto eines 22-jährigen Mannes. Dieser verstarb noch vor Ort. Wäre der Angeklagte mit unter 200km/h gefahren, hätte sich der Unfall wohl verhindern lassen, meinte der Richter.

Eltern resigniert bei Urteilsverkündung

Die Eltern des Opfers verfolgten die Urteilsverkündung resigniert und tief erschüttert. Immer wieder weinten sie. Die Mutter verließ gegen Ende den Saal. Der Angeklagte vergrub während der gesamten Sitzung sein Gesicht in den Händen.

Sowohl der Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft haben jetzt eine Woche Zeit, um Revision einzulegen.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!