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Rangerfrust im Nationalpark: Besucher ignorieren oft Verbote | BR24

© BR/Renate Roßberger

Rangerfrust im Nationalpark: Die Besucher machen mehr Verbotenes und halten sich selbst im Kerngebiet nicht an die Regeln.

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Rangerfrust im Nationalpark: Besucher ignorieren oft Verbote

Die Nationalpark-Ranger sind frustriert: Die Besucher halten sich immer seltener an die Regeln im Bayerischen Wald. Sie gehen unerlaubt baden, verlassen die markierten Wanderwege und manche hängen sogar ihre Hundekot-Säckchen in die Bäume.

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Dieses Jahr im Corona-Sommer hat auch der Nationalpark Bayerischer Wald, wie viele andere Ausflugsziele im Inland, mehr Besucher als sonst. Außerdem verreisen weniger Einheimische und machen stattdessen Tagesausflüge zum Wandern oder Radeln in den Nationalpark. Viele von ihnen kommen aus den ostbayerischen Städten. Mehr Besucher bedeuten aber auch mehr Verstöße gegen die geltenden Besucher-Regeln im Schutzgebiet. Die 26 Rangerinnen und Ranger beobachten in diesem Jahr besonders gravierende Verstöße und sind zunehmend frustriert.

Zum Baden in den Rachelsee hüpfen

Das Baden im Rachelsee ist aus Naturschutzgründen verboten, auch wenn der See sehr idyllisch liegt. Manche Urlauber verstoßen bewusst gegen die Regel, andere wissen schlicht nicht, dass man es nicht darf: "Die informieren sich aber auch nicht. Die haben daheim ihre Baggerseen und die kommen dann hierher, denken sich: 'Ja super, da zieh ich mich jetzt aus und spring rein'", so Nationalpark-Rangerin Brigitte Schreiner.

Viele kommen komplett uninformiert in den Bayerwald

Dieses Jahr beobachten die Ranger, dass sich viele vorab nicht informieren und kaum etwas über das Schutzgebiet wissen. Vor allem neue Besucher, die sonst nach Italien oder Spanien in den Urlaub fahren und zum ersten Mal im Bayerwald unterwegs sind, wüssten oft nicht bescheid.

350 Kilometer Wander- und 300 Kilometer Radwege

Dabei gibt es zahlreiche Regeln: Man darf nur auf den markierten Wanderwegen laufen, also nicht quer durch den Wald. 350 Kilometer umspannt das Wanderwegenetz im Nationalpark, also eigentlich mehr als genug, dazu kommen 300 Kilometer Radwege. Trotzdem radeln immer öfter Besucher auch auf Wanderwegen, was dort zu Konflikten mit den Wanderern führt. Andere Biker radeln verbotenerweise auf schmalen Trails - zum Schaden von Pflanzen, Insekten und Kriechtieren. Hinweis- und Verbotsschilder werden oft ignoriert.

Zelten, Lagerfeuer und Corona-Parties auf Berggipfeln

Die Ranger entdecken auch immer wieder Feuerstellen mitten im Wald. Daneben finden sie auch Stellen, an denen jemand im Schlafsack oder im Zelt übernachtet hat. Auch das ist im Nationalpark nicht erlaubt. Feuer im Wald ist aus Brandschutzgründen noch dazu extrem gefährlich und Waldbrände sind aufwendig zu löschen, gerade an den schwer zugänglichen Stellen im Nationalparkgebiet.

© BR/Renate Roßberger

Die Idylle im Nationalpark wird durch rücksichtslose Besucher gestört

Regeln auch von Einheimischen nicht eingehalten

Und die Regeln werden keineswegs nur von Touristen übertreten, sondern auch von ortskundigen Einheimischen. Ein neuer Trend sind zum Beispiel Abendparties auf dem Lusengipfel.

"Der Lusengipfel ist ein Hotspot für Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Da reicht’s jetzt oft nicht mehr, dass man sich hinsitzt und einfach genießt, sondern da ist Halligalli." Brigitte Schreiner, Rangerin.

"Mehrere Coronaparties haben schon am Lusengipfel stattgefunden. Dass sich junge Leute treffen und mit ihrer Bierflaschen oben sitzen", so auch Ranger-Kollege Lothar Mies. Immer öfter bleibt der Müll dann leider liegen. Alle Ranger ärgern sich, dass viel neben den Wanderwegen weggeworfen wird - von Taschentüchern bis Pizzaschachteln.

Müll im Wald: Von Taschentüchern bis Pizzaschachteln

"Jeder will einen schönen Wald haben, aber wie es dann hinter ihm aussieht, ist ihm offenbar egal", so Lothar Mies. Besonders unsinnig findet er Hundebesitzer, die im Wald den Kot ihrer Vierbeiner in kleine Plastiksäckchen packen – so wie sie es von städtischen Grünanlagen kennen – und diese zugebundenen Säckchen dann in den Wald werfen. Die Beutel sind im Wald völlig unnötig und wer sie dort wegwirft, sorgt dafür, dass der Inhalt nur sehr langsam verrotten kann.

Hundekot-Säckchen hängen wie Christbaumkugeln in den Bäumen

Ein besonders bizarres Erlebnis: Die Hundekot-Säckchen werden an Hinweisschilder gehängt. "In Spiegelau hat sie mal einer in einen Baum gehängt - wie Christbaumkugeln", erzählt Lothar Mies. Vielleicht war es als Provokation gemeint. Es gibt immer wieder Fälle, dass Ranger oder Rangerinnen aggressiv beschimpft werden, wenn sie bei Verstößen die Personalien von Besuchern aufschreiben.

Ranger werden regelrecht bedroht

Eine Rangerin wurde vor einigen Wochen von einheimischen Besuchern regelrecht bedroht. Man wisse ja jetzt, wie sie aussieht und werde sie bestimmt mal allein im Wald treffen, sagten die Besucher zu ihr. Auch mutwillig zerkratzte Ranger-Autos auf Wanderparkplätzen gab es schon.

© BR/Renate Roßberger

Volle Parkplätze im Nationalpark

Digitales Besuchermanagement gegen verbotene Touren

Die sozialen Medien sorgen außerdem dafür, dass immer mehr verbotene Wander- und Radtouren im Internet landen, nicht erst seit Corona. Rund 5.000 solcher illegalen Touren finden sich mittlerweile im Netz und werden dann von anderen Nutzern mithilfe der mitgelieferten GPS-Daten nachgewandert. Beeindruckende Instagram-Fotos von versteckten Zielen führen fast unweigerlich dazu, dass andere dort auch hinwollen.

Betreten der Kerngebiete ist streng verboten

Dabei ist das Betreten der Nationalpark-Kerngebiete aus Naturschutzgründen streng verboten. Viele Wanderwege wurden in den vergangenen Jahren rückgebaut und aufgelöst.

"Früher hatten wir die Einstiege, da konnten wir verstärkt kontrollieren. Mit den ganzen GPS-Daten und Apps, ist das schwierig geworden, weil die Leute überall auftauchen." Lothar Mies, Nationalparkranger.

Es gab schon Fälle, bei denen sich Wanderer komplett verlaufen haben. Manche denken, man brauche nur die richtige Outdoor-Kleidung, dann komme man überall hin, sagt Lothar Mies. Aber oft sind sie dann nicht fit genug. Außerdem sei dieser vermeintliche Trend zu mehr Natur das glatte Gegenteil: In Kernzonen stört man empfindliche und seltene Tierarten wie etwa das Auerhuhn. Die Nationalparkverwaltung hat inzwischen eine neue Stelle für "digitales Besuchermanagement" eingerichtet.

Bislang keine hohen Bußgelder wie in Amerika

Sie nimmt zum Beispiel Kontakt mit Portalen auf, damit solche Touren gelöscht oder darauf hingewiesen wird, dass sie nicht erlaubt sind. Empfindliche Strafen und hohe Bußgelder zu verhängen, wie man das zum Beispiel in amerikanischen Nationalparks macht, will man im Bayerischen Wald vorerst noch nicht. Noch setzt man auf Aufklärung - und freut sich, dass seit Corona mehr Besucher den Nationalpark Bayerischer Wald für sich entdecken. Sie müssten sich nur an die Regeln halten.

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