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Ramsch in Weihnachtspäckchen für Kinder in Not | BR24

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Weihnachtszeit ist Spendenzeit - doch was in den Päckchen für Kinder in Not landet, ist manchmal nicht mehr brauchbar. Was bei Hilfsorganisationen wie Humedica ankommt, wird deshalb noch einmal überprüft. Sara Straub über einen besonderen Fund:

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Ramsch in Weihnachtspäckchen für Kinder in Not

Weihnachtszeit ist Spendenzeit - doch was in den Päckchen für Kinder in Not landet, ist manchmal nicht mehr brauchbar. Was bei Hilfsorganisationen wie Humedica in Kaufbeuren ankommt, wird deshalb noch einmal überprüft.

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Ein T-Shirt mit Flecken oder eine angebrochene Zahnpastatube – wer wünscht sich so etwas zu Weihnachten? Was bei Hilfsorganisationen als Sachspende ankommt, kontrollieren diese daher genau - auch wenn das bedeutet, jedes Teil einzeln in die Hand zu nehmen.

Üblicherweise türmen sich in den Regalen Hilfsgüter wie Hygieneartikel, Decken oder medizinische Produkte. Vor Weihnachten sieht es in der Halle der Hilfsorganisation Humedica in Kaufbeuren aber eher aus wie im Lager des Weihnachtsmanns: Überall stapeln sich in Geschenkpapier gepackte Schuhkartons, gefüllt mit Überraschungen für Kinder weltweit.

Aber Hilfsorganisationen wie humedica beklagen auch, dass sie viel Unpassendes und Ramsch in Weihnachtspäckchen finden. Das reicht von alten, speckigen Sportschuhen über T-Shirts mit Soßenflecken bis zu abgelaufenen Schoko-Osterhasen. Damit das kein Kind als Geschenk bekommt, muss jedes Päckchen einzeln kontrolliert werden.

Wenn Ramsch zum Problem wird

Roswitha Bahner-Gutsche arbeitet hauptamtlich für Humedica. Heute hat sie Hallendienst. Zusammen mit zwanzig ehrenamtlichen Helfern prüft sie jedes Weihnachtspäckchen. Bahner-Gutsche ist manchmal verblüfft, was sie so alles findet: etwa einen Karton mit einem Laib Brot und einer Flasche Mineralwasser. "Das habe ich bisher noch nie drin gehabt", sagt sie, "aber das macht keiner böswillig. In solchen Fällen versuche ich immer, mich in die Spender hineinzuversetzen. Zum Beispiel könnte der Spender in der Nachkriegszeit geboren sein, da wäre so ein Brot willkommen gewesen."

Auch deutschsprachige Bücher oder Zeitschriften werden aussortiert, weil die meisten Kinder kein Deutsch verstehen. Viele Geschenke gehen in Kriegsgebiete. Darum sind Panzer oder Pistolen unerwünscht. "Es gibt genug Gewalt und Krieg auf der Welt, deswegen wollen wir das nicht", erklärt Bahner-Gutsche.

Die besonders kuriosen Funde sammeln die Helfer auf dem Ramschtisch: eine ausgestopfte Katze, ein neues Navi, Zigarettenpapier, eine spitze Gartenschere, aber auch abgelaufene Schokolade. Bahner-Gutsche schätzt, dass in jedem fünften Paket Unbrauchbares ist. "Aber wir sind hier trotzdem für jedes Teil dankbar."

Nichts kommt weg

Die Helfer bei Humedica nehmen die schmutzige Kleidung und die Kuscheltiere mit nach Hause und waschen sie. Dann bringen die Helfer sie zurück in die Halle und sortieren die sauberen Teile in die Kisten.

Viel häufiger als Ramsch kommen sogenannte "Magerpäckchen" zum Vorschein. Das sind Päckchen, in denen nur die Hälfte oder ein Drittel der Sachen sind, die laut Vorgaben rein soll. Auf dem Tisch vor Bahner-Gutsche liegt eine Kiste für einen Jungen zwischen zehn und 14 Jahren. Sie ist gut gepackt, wie Bahner-Gutsche betont, aber es fehlen eine Zahnbürste, eine Zahnpasta und ein Schreibheft. "Unsere Frauen ergänzen jetzt das Magerpäckle einfach mit Spenden von Firmen."

Süßes, Spielsachen, Sinnvolles

Die Regeln für den Päckchen-Inhalt sind relativ streng. Je ein Produkt aus acht Produktgruppen sollen die Päckchenpacker als Inhalt wählen: Spielsachen, Süßigkeiten, Körperpflege, Zahnpflege, Kinderkleidung, Schulhefte, Schreibwaren und ein sogenanntes Wow-Geschenk – etwas Kurioses oder Lustiges. So soll eine bunte Mischung entstehen, zur Freude und zum Nutzen der Kinder.

Manchmal sind auch Dinge in den Kisten, die für Kinder nicht brauchbar sind, die aber Erwachsene gut nutzen können. "Deswegen wird nichts weggeschmissen", sagt Bahner-Gutsche: "Ich nenne das Spendenumleitung." Die Sachen, die nichts für Kinder sind, bekommen Projektpartner im Ausland. Die verteilen sie dann an Erwachsene. Das passiert zum Beispiel auch mit der spitzen Gartenschere. Nahrungsmittel kommen zu den Tafeln, zum Beispiel nach München.

Nach Worten von Humedica-Mitarbeiter Sebastian Zausch gehen die Päckchen an die Ärmsten der Armen. Um diesen Kindern an Weihnachten eine Freude zu machen, sei die Aktion "Geschenk mit Herz" entstanden.

Seit 2003 bekommen Kinder die Weihnachtspäckchen von der bayerischen Hilfsorganisation. Die Päckchen erreichen Kinder in Ländern auf der ganzen Welt: Brasilien, Niger, Simbabwe, Rumänien, aber auch mittellose Kinder in Bayern. Jedes Jahr packen die Bayern 75.000 Päckchen im Schnitt.

Auch Geldspenden sind erwünscht

Wer keine Zeit hat, selbst ein Geschenk zu packen oder zu spät dran ist, kann mit 20 Euro über Humedica ein Weihnachtspaket stiften. Helfer packen die Pakete dann vor Ort in Äthiopien, Sri Lanka, Pakistan oder Haiti und verteilen sie an bedürftige Kinder. So vermeidet Humedica hohe Transportkosten und unterstützt die lokale Wirtschaft.

Für die gespendeten Pakete gibt es auch andere Anbieter, etwa die Aktion "Weihnachtspäckchen für Kinder in Not" der "Stiftung Kinderzukunft". Für die Aktion ist Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) Schirmherrin. Eine weitere Spendenmöglichkeit ist die Aktion "Weihnachten im Schuhkarton" der evangelikalen Hilfsorganisation Samaritan's Purse, mit Sitz in den USA.

Organisationen freuen sich über jede Hilfsbereitschaft

Etwa 2.000 Kisten von Humedica landen auch bei der Tafel in München. Axel Schweiger von der Tafel und seine Kollegen freuen sich über jede Sachspende. Auch viele Firmen, Institutionen und Privatleute ließen sich Aktionen einfallen, um anderen eine Freude zu machen. "Wir haben mit Sachspenden jeder Art gute Erfahrungen gemacht. Die Spenden sind für Menschen, die wir wertschätzen und die es brauchen. Das ist schön."

Aber das Spendenverhalten der Deutschen verändert sich: Weniger Menschen sind bereit zu spenden. Die, die aber noch spenden, geben dafür mehr Geld aus. Und viele von ihnen spenden mehrmals im Jahr. Nach Angaben des Deutschen Spendenrats lag das Spendenaufkommen im Jahr 2018 bei 5,3 Milliarden Euro. Im Schnitt betrug jede Spende 38 Euro - vor zehn Jahren waren es noch 28 Euro. Eines hat sich seit Jahren aber nicht geändert: Der Dezember bleibt mit Abstand der wichtigste Spendenmonat.