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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Boris Roessler

Der Ramadan hat diese Woche angefangen. Unterfränkische Muslime erzählen, wie sie die Fastenzeit in der Corona-Pandemie begehen.

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Ramadan in Unterfranken in Zeiten von Corona

Für Muslime hat diese Woche die Fastenzeit angefangen. Das gemeinsame Fastenbrechen am Abend mit Verwandten, Freunden und Nachbarn ist aufgrund von Corona nicht möglich. Muslime in Unterfranken erzählen, wie sie den Ramadan verbringen.

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Von
  • Vesile Özcan

Am 13.April hat der Ramadan, die muslimische Fastenzeit, angefangen. In dieser Zeit verzichten Muslime einen Monat lang von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Essen, Trinken und Geschlechtsverkehr. Auch Lästern und das Benutzen von Schimpfwörtern sind untersagt. Im Ramadan sollen sich die Gläubigen mit sich selbst auseinandersetzen und sich besinnen.

Der Ramadan findet jetzt schon zum zweiten Mal mitten in der Corona-Pandemie statt. Deshalb läuft alles ein wenig anders als gewohnt ab. Die muslimische Studentin Ayşegül Elgene aus Schweinfurt beschreibt: "Man ist normalerweise über den ganzen Monat zum Fastenbrechen bei Familien, Verwandten oder Freunden. Man isst zusammen, lacht zusammen, und verbringt die Gebetszeit in der Moschee zusammen. Doch durch die Pandemie ist eigentlich eins der wichtigsten und schönsten Gefühle nicht vorhanden – und zwar das Gemeinschaftsgefühl." Elgene erklärt, dass Muslime eigentlich das ganze Jahr voller Freude auf den Ramadan warten - "und dann in so einer Situation zu sein, ist sehr schwierig für uns", erklärt sie.

Vorsätze während der Fastenzeit

Elgene meint, dass Ramadan während Corona auch einen Vorteil hat: "Man kann sehr viel Zeit mit sich selbst verbringen und sich dadurch auch mehr auf das Spirituelle konzentrieren."

Dagegen hat Jacqueline Greubel keinen Vergleich, wie der Ramadan vor der Pandemie aussah. Die Schweinfurterin ist vor rund einem Jahr zum Islam konvertiert. Für die Fastenzeit hat sie ein paar Vorsätze: "Im Allgemeinen möchte ich während des Ramadan einfach ein bisschen bewusster leben. Zum Beispiel, was Social Media oder auch die Ernährung angeht. Aber auch, dass man versucht, irgendwelche schlechten Gewohnheiten loszuwerden. Vielleicht kann man das ja dann nach dem Ramadan beibehalten – hoffe ich zumindest."

Kein gemeinsames Fastenbrechen in Schweinfurt

"In der Schweinfurter Moschee haben sich am Ramadan - vor Corona - täglich bis zu 500 Leute versammelt", erklärt Mehmed Ciy, der Vorstandsvorsitzende der türkisch-islamischen Gemeinde in Schweinfurt. "Unter ihnen waren auch viele Flüchtlinge, die jeden Abend zu uns in die Moschee zum Fastenbrechen gekommen sind." Das sei in diesem Jahr so nicht möglich, bedauert Ciy. Auch das "Teravih-Gebet" nach dem Fasten findet nicht statt. Es handelt sich dabei um ein Gebet, das nur während des Ramadan und üblicherweise gemeinsam in der Moschee verrichtet wird.

Gemeinsames Gebet in Würzburg

Ahmet Baştürk, Sprecher der muslimischen Gemeinden in Würzburg, erklärt, dass das gemeinsame Gebet im Moment noch möglich ist. Dabei gelten eine Reihe von Sicherheitsvorkehrungen. "Wir führen Teilnehmerlisten, die Muslime müssen sich vorher anmelden. Gebetsteppiche müssen sie selbst mitbringen und sie müssen FFP2-Masken tragen", beschreibt Baştürk. Wie viele Personen am Gebet teilnehmen können, sei von der Kapazität der einzelnen Moschee abhängig. "Die Räumlichkeit darf nicht überfüllt sein, und es müssen Abstandregeln eingehalten werden", so Baştürk. Der Gemeindesprecher betont, dass das Gebet zwar momentan möglich sei, aber voraussichtlich nächste Woche wieder eingestellt werde.

Orhan Akdemir: "Gesundheit geht vor"

Laut Orhan Akdemir, Vorsitzender der deutsch-türkischen Gemeinde in Aschaffenburg, gibt es für die rund 750 Gemeindemitglieder in diesem Jahr lediglich Online-Angebote. Demnach finden einmal wöchentlich digitale Austauschrunden zu theologischen Themen statt. Weder das gemeinsame Fastenbrechen, noch das Teravih-Gebet am Abend seien in der Moschee möglich. "Die Gesundheit aller Mitbürger geht vor. Ich appelliere dazu, zu Hause zu bleiben, auch für das Teravih-Gebet", erklärt Akdemir.

Die muslimische Fastenzeit dauert bis zum 12.Mai. Ausgenommen vom Fasten sind unter anderem Kinder, Kranke und Reisende. Auch schwangere, stillende und menstruierende Frauen müssen nicht fasten. Nach dem Ramadan wird das Zuckerfest – auch Eid oder Bayram genannt - gefeiert.

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