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Rätselhafter Immobilien-Deal: Haus in Bamberg einsturzgefährdet | BR24

© BR / Carlo Schindhelm

In Bambergs Innenstadt steht ein denkmalgeschütztes Haus, das akut einsturzgefährdet ist. Nachbarn und Mieter sind entsetzt. Die Stadt würde das Haus gerne kaufen und selbst renovieren – doch eine Einigung mit dem Besitzer ist schwierig.

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Rätselhafter Immobilien-Deal: Haus in Bamberg einsturzgefährdet

In Bambergs Innenstadt steht ein denkmalgeschütztes Haus, das akut einsturzgefährdet ist. Nachbarn und Mieter sind entsetzt. Die Stadt würde das Haus gerne kaufen und selbst renovieren – doch eine Einigung mit dem Besitzer ist schwierig.

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Wolfgang und Elisabeth Geyer sind bestürzt. Seit zehn Jahren haben sie den Club "Sounds-n-Arts" geführt, über 700 Bands standen auf ihrer Bühne. Doch damit ist jetzt Schluss. Anfang August kam ein Brief von der Stadt: Weil das Haus einsturzgefährdet ist, müssen sie raus, heißt es darin. Für sie ein Schock:

"Damit ist diese Existenz von uns von heute auf morgen weg. Jetzt müssen wir schauen, wie es für uns weitergeht." Wolfgang und Elisabeth Geyer, Betreiber des Clubs "Sounds-n-Arts"

Ihr Club in der Oberen Sandstraße 20 liegt mitten in der Bamberger Altstadt. Ein Denkmal aus dem 14. Jahrhundert, seit Jahren stark sanierungsbedürftig. Eigentümerin ist seit 2013 eine Immobilienfirma aus Hannover, die "German Property Group". Die internationale Firma kauft in ganz Deutschland denkmalgeschützte Häuser auf, um sie zu sanieren, so heißt es auf ihrer Webseite. Doch auffallend viele der Gebäude verfallen.

Gemeinsame Recherche von BR und BBC über Immobilienfirma

Das BR-Politikmagazin Kontrovers hatte bereits im Mai gemeinsam mit dem Hessischen Rundfunk und der britischen BBC über die rätselhaften Geschäfte der internationalen Immobiliengruppe berichtet. Damals hieß sie noch "Dolphin Trust". Seitdem melden sich immer mehr Betroffene beim BR - zum Beispiel aus Bamberg. Seit dem Kauf hat keine sichtbare Renovierung des Hauses stattgefunden. Stattdessen nahm die Stadt im August eine Notsicherung vor, weil ein Gutachten akute Einsturzgefahr festgestellt hatte.

Einsturzgefahr?

Stefan Meyer-Brandis betreibt die Gaststätte "Stilbruch" direkt nebenan. Auch für ihn ist die derzeitige Situation belastend. Der Giebel des Nachbarhauses droht in seinen Hof zu stürzen, vor ein paar Monaten hat sich bereits ein Teil gelöst. Um seine Gäste zu schützen, hat er den Hof für die Nutzung geschlossen. Er ist verärgert:

"Ich würde mir wünschen, dass sich mal jemand überlegt: Was können wir tun, um das Problem schnell zu beheben?" Stefan Meyer-Brandis, Betreiber der benachbarten Gaststätte 'Stilbruch'

Warum ist nichts passiert?

Seit Jahren müssen die Bamberger beim Verfall des Hauses zusehen: Dabei hatte die "German Property Group" anfangs den Bau von Eigentumswohnungen angekündigt, eine Baugenehmigung lag vor. Warum ist nichts passiert? Auf Anfrage des BR antwortet eine Anwaltskanzlei auf neun Seiten - eine Veröffentlichung dieser Antwort aber wünscht die Kanzlei nicht.

Die "German Property Group" bestreitet, eine Baugenehmigung zu haben. Beim Kauf lag diese aber nach Angaben der Stadt sehr wohl vor - inzwischen ist sie tatsächlich abgelaufen. Jetzt hat die Immobiliengruppe einen Antrag auf Teilabriss des Hauses bei der Stadt gestellt. Begründung: Das Haus sei nicht mehr vollständig sanierbar. Grundsätzlich wehrt man sich gegen den Vorwurf, das Haus verfallen zu lassen, führt als Beleg dafür ein Treffen mit der Stadt im Januar dieses Jahres an.

Widerstand formiert sich

Martin Lorber von der Schutzgemeinschaft Alt-Bamberg geht gegen die Pläne für einen Teilabriss auf die Straße: Er hat eine Unterschriftenaktion gegen die "German Property Group" gestartet und will, dass sich die Firma ihrer Verantwortung stellt, denn für ihn "... ist das wirklich ein Mahnmal der Verantwortungslosigkeit, mitten im Welterbe, mitten in der Altstadt."

Jahrelanger Rechtsstreit droht

Die Stadt will den Abriss nicht genehmigen, sondern das Haus kaufen und selbst sanieren. Derzeit streitet man um den Preis: 1,3 Millionen Euro will die German Property Group für das Haus. Der Stadt ist das zu teuer. Sollten sich Stadt und Firma nicht einig werden, droht ein jahrelanger Rechtsstreit. Für Elisabeth und Wolfgang Geyer vom Club "Sounds-n-Arts" ist schon jetzt klar: Sie werden einen anderen Ort suchen müssen, um ihren Musikclub wieder aufleben zu lassen.