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Hunderte Fahrräder sind vor dem Münchner Hauptbahnhof abgestellt

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Räder auf Autoparkplätzen: Berliner Modell fällt in Bayern durch

Fahrräder, E-Scooter und Motorräder – alle kostenlos auf Auto-Parkplätzen abgestellt? Das ist ab Januar in Berlin möglich. Städte, Verkehrsclubs und Stadtplaner in Bayern werben für andere Lösungen.

Fahrradfahrer dürfen auch jetzt schon ihr Rad in ganz Deutschland auf Autoparkplätzen abstellen. Allerdings nur, wenn sie ein Parkticket lösen. Fürs Fahrradparken zahlen – das macht aber wahrscheinlich niemand. Immerhin kann man das Rad ja auch kostenlos am Gehsteig abstellen. Auch deshalb blockieren manchmal Fahrräder, E-Scooter, Lastenräder oder andere Kleinstfahrzeuge den Fußweg.

Berlin will deshalb mehr Raum schaffen. Der Senat hat beschlossen: Ab dem kommenden Jahr ist das Fahrrad-Abstellen auf Auto-Parkplätzen kostenlos. Ein sinnvoller Beitrag zur Verkehrswende? In Bayern denkt das offenbar kaum jemand.

ADFC: Parkplätze sind für Fahrräder ungeeignet

Alexander Kreipl, verkehrspolitischer Sprecher des ADAC für Südbayern, spricht im BR24-Interview von einer "Einzelmaßnahme aus Berlin, die das Ganze nicht voranbringen wird". Es sei natürlich wichtig, mehr Abstellmöglichkeiten für Fahrradfahrer zu schaffen, aber dazu brauche es ein "ganzheitliches Konzept", das auch Autofahrer und Fußgänger berücksichtige.

Der Berliner Beschluss sei "keine Lösung für das Fahrradparken", sagt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) auf BR-Anfrage. Laut Pressesprecherin Laura Ganswindt sind herkömmliche Parkplätze einfach nicht auf Fahrräder ausgelegt und deshalb ungeeignet. Es fehle dort zum Beispiel eine Diebstahlsicherung durch Abschließmöglichkeiten.

Auch Verkehrsplaner Falk Skeide aus Zorneding im Landkreis Ebersberg sieht das Problem des fehlenden Diebstahlschutzes. Allgemein glaubt er nicht, dass die Maßnahme aus Berlin einen "Riesen-Effekt" haben wird – auch wenn er ganz im Allgemeinen sagt: Alles, was eine emissionsfreie Mobilität fördere, mache Sinn.

Städte in Bayern halten wenig von Berliner Idee

Bayerns Städte können mit der Idee aus Berlin auch wenig anfangen. München, Nürnberg, Bayreuth, Ingolstadt, Erlangen, Würzburg und Schweinfurt antworten auf BR-Anfrage unisono: So etwas sei nicht geplant. Von der Stadt Nürnberg heißt es, das führe nur zu Konflikten und noch mehr Chaos. Ähnlich sieht das Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter:

"Halt ich nix davon. Weil ich glaube, dass dieses dekorative, demonstrative Abstellen eines Fahrrads in einem ohnehin sehr kargen Platz für die Autofahrer eher noch zu weiteren Konfrontationen zwischen den ohnehin eigentlich eher zu versöhnenden Menschen, die Autos fahren und die Radl fahren, führt." Münchens OB Dieter Reiter

Parkgaragen als Alternative zu Parkplätzen

Die Städte setzen stattdessen auf andere Maßnahmen. Nürnberg schafft nach eigener Aussage "jährlich etwa 1.000 Fahrradparkplätze, bei denen man die Räder auch an einem Bügel festketten kann". Auch Bayreuth baut die Fahrrad-Abstellanlagen in der Innenstadt aus. Erst von wenigen Wochen hat die Stadt ein neues Fahrrad-Parkhaus am Hauptbahnhof in Betrieb genommen. Würzburg setzt ebenfalls auf Parkgaragen – und will weiter in diese Möglichkeit investieren. Noch in diesem Winter werde Würzburg "eine neue Fahrradgarage mit Servicepunkt in der Klostergasse eröffnen", heißt es auf BR-Anfrage.

Auch Münchens Oberbürgermeister hält Fahrrad-Parkhäuser für wichtig. Reiter setzt außerdem darauf, einzelne Parkplätze an Kreuzungen umzuwidmen und Fahrrad-Abstellplätze daraus zu machen. Das soll als Nebeneffekt "klare Sichtlinien" schaffen und so Unfälle beim Abbiegen verhindern.

München habe zwar in den vergangenen Jahren "Tausende und Abertausende" Fahrrad-Abstellplätze geschaffen, so der Oberbürgermeister. Er gibt aber zugleich zu: "Wir müssen noch mehr tun." Auch ADFC-Sprecherin Ganswindt betont, dass es nicht reiche, einzelne Parkplätze umzuwidmen. Stattdessen brauche es "Tausende neue ausgewiesene Fahrradplätze mit Abschließbügeln".

Lösungen für Lastenräder und E-Scooter gefordert

Verkehrsplaner Skeide hebt zudem das Problem für "die immer beliebteren" Lastenfahrräder hervor, einen Abstellplatz zu finden. Gerade dafür brauche es noch Angebote.

Für das Problem der im Weg stehenden E-Scooter scheint zumindest München eine Lösung gefunden zu haben. Innerhalb des Altstadtrings dürfen E-Scooter-Fahrer nur noch auf speziellen Plätzen parken. Wer sich nicht daran hält, dessen Bezahl-Uhr läuft weiter. Laut Oberbürgermeister Reiter hat sich diese Maßnahme bereits bewährt.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.