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Radverkehr in Bayern - Zwischen Wunsch und Wirklichkeit | BR24

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Das Fahrradfahren hat in Bayern viele Freunde. 65 bayerische Städte, Gemeinden und Landkreise nennen sich "fahrradfreundliche Kommunen". In der Praxis aber bleibt noch einiges zu wünschen übrig.

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Radverkehr in Bayern - Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Das Fahrradfahren hat in Bayern viele Freunde. 65 bayerische Städte, Gemeinden und Landkreise nennen sich "fahrradfreundliche Kommunen". In der Praxis aber bleibt noch einiges zu wünschen übrig.

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Alexander Greulich von der SPD ist Bürgermeister von Ismaning – eine Gemeinde im Münchner Umland und "fahrradfreundliche Kommune". Wenn er sich die Entwicklung beim Verkehr rund um Ismaning derzeit anschaut, kommt sie ihm aber gar nicht so fahrradfreundlich vor.

Bei uns wird der Autobahnring um mehrere Streifen verbreitert, auf achtspurig. Die Bundesstraße bei uns steht in oberster Dringlichkeitsstufe im Bundesverkehrswegeplan drin – da ist der Trend eher ein anderer." Alexander Greulich (SPD), Bürgermeister von Ismaning

Zu eng für Radschnellwege

Dabei versinkt der Großraum München sowieso schon im Autoverkehr. Radschnellwege sollen Entspannung bringen. Aber es geht nicht recht voran, berichtet der Ismaninger Bürgermeister. Wenn es um die ersten Planungen gehe, die man bei Radschnellwegen unterbreitet habe, dann sei keine einzige realistisch. Es sei eben im Großraum München zum Teil auch sehr eng.

Dabei ist das Fahrrad ja das Verkehrsmittel mit dem geringsten Flächenverbrauch (mal abgesehen vom zu Fuß gehen). Und das billigste beim Ausbau der Infrastruktur. Aber dem Auto Platz wegnehmen fürs Fahrrad wird schwer. Die Leute bei uns sind autoverliebt, sagt der Bürgermeister:

Wir brauchen da auch ein Umdenken beim Nutzerverhalten. Gerade auch in unseren Gemeinden vor Ort - obwohl der Fahrradanteil verhältnismäßig hoch ist, da können wir uns nicht beschweren. Aber es wird schon leider auch für die kürzesten Strecken immer wieder aufs Auto zurückgegriffen. Man sieht es gerade bei den Kindertageseinrichtungen und bei den Schulen. Mein Sohn geht die anderthalb Kilometer zu Fuß und er hat es bis dato jeden Tag überlebt." Alexander Greulich (SPD), Bürgermeister von Ismaning

Imagewerbung fürs Fahrradfahren

Das Radverkehrsprogramm der Staatsregierung gibt als Ziel aus, den Anteil des Fahrrads an allen Wegen bis 2025 auf 20 Prozent zu bringen. Zuletzt waren es elf, man müsste die Zahl der Radler also verdoppeln! Damit das Wirklichkeit werden kann, hat die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen eine Reihe von Ideen und Forderungen. Mehr Geld für Radwege, klar. Aber auch Imagewerbung fürs Radfahren durch den Freistaat. Und: Mehr Tempo-30-Zonen. Bisher liegt die Regelgeschwindigkeit innerorts bei 50 Stundenkilometern – ohne handfeste Gründe dürfen die Kommunen davon nicht abweichen. Immerhin einen Pilotversuch mit Tempo 30 lässt der Freistaat jetzt durchführen, so der CSU-Landrat von Fürth und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen, Matthias Dießl:

Und da hoffen wir natürlich, dass es gute Argumente gibt, künftig in den Fällen wo es Sinn macht, Tempo 30 auch auf Hauptverkehrsstraßen anordnen zu können, damit dort mehr Radler unterwegs sind." Matthias Dießl (CSU), Landrat in Fürth

Kommunen werden allein gelassen statt unterstützt

Bernadette Felsch vom Fahrradclub ADFC Bayern fordert vom Freistaat noch mehr Engagement – und Mindeststandards für den Radverkehr. Man habe das Gefühl, dass die Kommunen allein gelassen würden. Der Freistaat sollte die Kommunen mehr unterstützen. CSU-Innenminister Joachim Herrmann, der das 20-Prozent–Ziel der Staatsregierung für den Radverkehr auf den Weg gebracht hat, betont, man kümmere sich zuerst einmal um das außerörtliche Straßennetz.

Aber auch da haben einige Kommunalpolitiker noch Wünsche offen. Martin Schäfer etwa, parteiloser Bürgermeister von Gröbenzell. Er ist fassungslos, dass eine viel befahrene Staatstraße von seiner Vorort-Gemeinde nach München nicht von vornherein mit zwei Radstreifen geplant wurde. Es ginge um 600 Meter, das müsste doch machbar sein.

Der Radverkehr kommt voran in Bayern – aber zwischen großen Zielen und konkreter Umsetzung klafft eben oft noch eine Lücke.