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Radioaktivität am Forschungsreaktor Garching ausgetreten | BR24

© pa/dpa/Peter Kneffel

Der Forschungsreaktor München II (FRM II, links) und der abgeschaltete Forschungsreaktor München (FRM, rechts).

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    Radioaktivität am Forschungsreaktor Garching ausgetreten

    Am Garchinger Forschungsreaktor FRM II ist Radioaktivität ausgetreten - für Menschen und Umwelt bestand nach Angaben des Betreibers, der TU München, aber zu keiner Zeit Gefahr. Der Jahresgrenzwert wurde so um 15 Prozent überschritten.

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    Am Forschungsreaktor in Garching bei München hat es einen Zwischenfall gegeben. Das Ereignis habe "keine Auswirkungen auf Mensch, Umwelt und die Gesamtanlage FRM II", teilte die TU München als Betreiberin der Anlage auf ihrer Homepage mit. Der Jahresgrenzwert des radioaktiven Nuklids C-14 sei überschritten worden. Es handle sich dabei um eine "geringfügige Überschreitung" des in der Betriebsgenehmigung festgelegten Wertes bei der C-14-Ableitung über den Kamin in die Atmosphäre.

    Überschreitung um 15 Prozent

    Der Jahresgrenzwert sei um rund 15 Prozent überschritten worden, erklärte FRM-II-Sprecherin Anke Görg auf Anfrage am Samstag. Bei einer Ausschöpfung des Grenzwertes liege die theoretische Belastung der Bevölkerung bei maximal 3 Mikrosievert. Das sei weniger als der Wert bei einer Röntgenaufnahme beim Zahnarzt.

    Trocknungseinrichtung fehlerhaft montiert

    Zu dem Fehler kam es offenbar durch menschliches Versagen: Bei der kontinuierlichen Reinigung des Wassers wird unter anderem auch das radioaktive C-14 in Ionenaustauscherharzen gebunden. Zur Weiterbehandlung müssen dann diese Harze getrocknet werden. Ein individueller Fehler bei der Montage der dafür eingesetzten mobilen Trocknungseinrichtung habe dann den Fehler verursacht, teilte die TU München mit. Nach Feststellung der Emissionswerte habe man unverzüglich alle Trocknungsvorgänge eingestellt.

    Betrieb wegen Corona derzeit ausgesetzt

    Wegen der Corona-Beschränkungen ist der Betrieb des Reaktors seit 17. März auf unbestimmte Zeit ausgesetzt, da Gastwissenschaftler nicht vor Ort arbeiten können. Welche Auswirkungen der Vorfall für den weiteren Betrieb habe, sei offen. Darüber müsse das bayerische Umweltministerium als atomrechtliche Aufsichtsbehörde entscheiden. Dieses teilte mit, es habe einen Bericht zum Ereignis, dessen Ursachen und Abstellung angefordert. Der Reaktor werde nur mit Zustimmung des Ministeriums wieder anfahren.

    Eilbedürftige Meldung

    Die Meldung sei nach der atomrechtlichen Meldeverordnung in die "Kategorie E" als eilbedürftig eingestuft worden, habe aber nach der internationalen Bewertungsskala (INES) die Stufe 0, das stehe für keine oder eine sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung.

    Die Emissionen fanden bereits vom 20. bis 26. März sowie vom 2. bis 7. April statt. Im April sei der erhöhte Wert aus dem ersten Quartal bei der routinemäßigen Überprüfung durch das Bundesamt für Strahlenschutz und das eigene Labor des FRM II aufgefallen.

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