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Die beiden Hörfunktechniker Manfred Rottmann und Peter Jäckling sendeten in den 60er Jahren ihr Programm bei "Radio Marina".

Bildrechte: BR / Alex Brutscher
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Radio Marina - der ehemalige Piratensender aus Haunstetten

Wiedersehen nach 60 Jahren: Ein Piratensender aus Augsburg sendet in den 60ern Schlager von einem Dachboden aus Augsburg - illegal, aber mit guter Einschaltquote, bis er verboten wird. Jetzt haben sich die Radiomacher wieder getroffen.

Von
Alexander BrutscherAlexander Brutscher
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Immer sonntagvormittags ging "Studio Marina" auf Sendung - das Programm: Schlager, gesendet von einem Dachboden aus im Augsburger Stadtteil Haunstetten. Als "Piratensender" ohne eine offizielle Lizenz hatten sich damals die zwei Hörfunk- und Fernsehtechniker Manfred Rottmann und Peter Jäcklin ein kleines Studio eingerichtet, gesendet wurde über die sogenannte Mittelwelle. Auf diese Art und Weise entstanden in den 1960er Jahren zahlreiche populäre Piratensender. Nach Recherchen des BR haben sich die beiden Radiomacher, die damals hinter den Mikros saßen, jetzt wieder getroffen.

Live vom Dachboden

Mit einer originalen Tonbandaufnahme aus den 1960er Jahren aus den Archiven des BR hatte sich Peter Jäcklin auf die Suche nach seinem Sendungskollegen gemacht. Ein paar der Geräte von damals hat er noch, gesendet wurde damals vom Dachboden der Familie. Deshalb landete auch die Mutter schon mal unfreiwillig in der Sendung: "Wenn sie dann zum Mittagessen gerufen hat, dann hat man das natürlich gehört bis in den Dachboden rauf - und dann ist das mit übertragen worden."

Eine Sendung, die interessant macht

Die beiden Freunde hatten damals eine Lehre als Radio- und Fernsehtechniker gemacht. Den Sender starteten sie dann aus technischem Interesse, um Musik zu spielen, die auf anderen Sendern sonntagvormittags nicht gelaufen sei - und aus einem anderen Grund: "Die Marina-Sendung, die war aufmerksamkeitserregend. Wir wollten ein bisschen interessant werden."

Einschaltquoten für 20 Kilometer

Hören konnte man "Radio Marina" rund 20 Kilometer weit um das Haus der Familie in Haunstetten. Besonders beim jüngeren Publikum habe die Sendung gute Einschaltquoten gehabt, sagen die beiden Radiomacher. Und über ein Jahr lang ging auch alles gut.

Der Funkmessdienst steht vor der Tür

Doch dann standen plötzlich Beamte vom Funkmessdienst der Post vor der Tür. Die Beamten stürmen in den Dachboden und stoßen dort auf das Sendequipment. Verstecken ließ sich da nichts mehr, erinnert sich Manfred Rottmann: "Das hat dann eine Anzeige und eine Gerichtsverhandlung gegeben."

Damit war das Ende des Senders eingeläutet, denn schließlich hatten die beiden weder eine Rundfunklizenz noch die Rechte für die Musik, die sie spielten. Ohne das gemeinsame Radioprojekt verloren sich die beiden Techniker aus den Augen. Erst durch BR-Recherchen rund um den Piratensender kommen sie wieder miteinander in Kontakt. "Phänomenal, ich war überrascht, dass du die ganzen Unterlagen und die Technik noch hier hast!", freut sich Peter Jäcklin. Die Strafe fürs illegale Senden hielt sich damals übrigens in Grenzen: 30 Mark mussten die beiden zahlen. "Das war's wert", sagen die beiden Radiopiraten heute.

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