BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Rabbiner in München verfolgt und beleidigt - Kritik an Zeugen | BR24

© picture alliance/Federico Gambarini/dpa

Kopf mit Kippa

18
Per Mail sharen

    Rabbiner in München verfolgt und beleidigt - Kritik an Zeugen

    Mehrere Männer haben einen Rabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern verfolgt und beleidigt. Bayerns Antisemitismusbeauftragter Spaenle kritisierte, Zeugen hätten den Vorfall beobachtet, aber nicht eingegriffen.

    18
    Per Mail sharen

    Nach der Beleidigung eines Rabbiners durch vier junge Männer in München hat Bayerns Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle mangelnde Zivilcourage kritisiert. "Was mich besonders betroffen macht, ist die Tatsache, dass auch Bürgerinnen und Bürger, die den Vorfall offensichtlich gesehen haben, dem Rabbiner nicht zur Hilfe geeilt sind oder die Polizei verständigt haben", erklärte der CSU-Politiker am Sonntag.

    Rabbiner: Täter sprachen arabisch

    Der Rabbiner war bei dem mutmaßlich antisemitischen Vorfall am Donnerstag von vier Männern nach dem Aussteigen aus einer Straßenbahn verfolgt worden, wie die Polizei in München mitteilte. Dabei hätten sie wiederholt abfällige Bemerkungen über den Staat Israel gemacht.

    Nach Angaben der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern war der Münchner Gemeinderabbiner Shmuel Aharon Brodman Ziel der Attacke. Nach seiner Einschätzung könnte eine mögliche Motivation für die Äußerungen darin liegen, dass er bei dem Vorfall eine Kippa trug. Nach seinen Angaben sprachen die mutmaßlichen Täter arabisch untereinander.

    Spaenle und Aigner besorgt

    Der Antisemitismusbeauftragte Spaenle forderte "eine Kultur des Hinschauens und der Solidarität" ein. Nur eine wache und solidarische Gesellschaft könne solche Übergriffe verhindern, so Spaenle.

    "Ein Übergriff auf Jüdinnen und Juden ist immer auch ein Übergriff auf die bundesdeutsche Gesellschaft." Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle

    "Wir dürfen nicht zulassen, dass Menschen jüdischen Glaubens zu Opfern von Beleidigung und tätlichen Übergriffen werden", so Spaenle, und weiter: "Ich hoffe, dass der Staatsschutz der Münchner Polizei die Täter ausfindig machen kann und der Justiz zuführen kann."

    Auch Landtagspräsidentin Ilse Aigner zeigte sich besorgt: Auf Twitter erklärte sie, jeder Mensch müsse in Bayern sicher und geborgen leben können. "Jede Form von Antisemitismus ist gleichermaßen verabscheuungswürdig – egal ob von rechts, von links, von Muslimen oder aus der Mitte der Mehrheitsgesellschaft."

    Charlotte Knobloch: Extremismus und Judenhass nehmen zu

    Die Israelitische Kultusgemeinde verurteilte den Vorfall. "Wir sind erschüttert über diesen Angriff mitten in der Altstadt, ganz in der Nähe unseres Gemeindezentrums", erklärte Präsidentin Charlotte Knobloch.

    "Es schmerzt mich, dass unser Rabbiner so etwas erleben musste. Der Angriff fügt sich leider in die Entwicklung der letzten Zeit ein: Auch bei uns hier in München nehmen Extremismus und Judenhass zu." Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern

    Nach dem Vorfall werde die Unsicherheit unter den Gemeindemitgliedern nicht geringer werden, so Knobloch weiter.

    Orthodoxe Juden fordern besseren Schutz

    Auch deutschlandweit wurde die Attacke verurteilt: "Jede Aggression gegen Juden ist eine zu viel und in keinster Weise zu akzeptieren", sagte der Vorstand der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland, Rabbiner Avichai Apel, der Nachrichtenagentur AFP. Nach diesem jüngsten Vorfall müsse gefragt werden, wie Rabbiner und jüdische Mitbürger in Deutschland besser geschützt werden können.

    Wegen des mutmaßlich arabischen Hintergrunds der Täter forderte Apel mehr Dialog zwischen Muslimen und Juden. Er sehe die muslimischen Imame in der Pflicht, bei Jugendlichen Vorbehalte gegen die in Deutschland lebende jüdische Gemeinde abzubauen, sagte er.

    Polizei-Fahndung zunächst ohne Erfolg

    Das für politisch motivierte Kriminalität zuständige Kommissariat übernahm die Ermittlungen wegen Beleidigung. Eine Fahndung der Münchner Polizei nach den Tatverdächtigen verlief den Angaben zufolge zunächst erfolglos.

    In den vergangenen Jahren gab es in Deutschland immer wieder Angriffe auf Juden, auch in München. So war im Sommer 2019 in der bayerischen Landeshauptstadt bereits einmal ein Rabbiner attackiert worden. Nach dem Besuch einer Synagoge waren er und seine beiden Söhne nach Angaben der Polizei beleidigt und einer der drei Männer bespuckt worden.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!