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Marius Wittur, der "Quittenpapst von der Mainschleife", hat bei Untereisenheim in Unterfranken vor 15 Jahren angefangen, alte Quittensorten wieder anzubauen. Dort hatten viele Sorten die Flurbereinigung überlebt. Ein Reportagebesuch zur Erntezeit.

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Quitten-Hotspot Mainschleife: Das Comeback der gelben Frucht

Vor allem als Gelee ist die Quitte bekannt. Weil die Verarbeitung aber kraft- und zeitaufwändig ist, ist sie nicht unbedingt die beliebteste Frucht. An der Mainschleife feiert die gelbe Frucht aber seit Jahren ein "Comeback"

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Von
  • Julia Dechet

Sie ist gelb, sie duftet, wenn sie reif wird und die Frucht ist im rohen Zustand sehr hart und schmeckt herb: Die Quitte. Während diese Frucht aus früheren Haushalten gerade über den Winter nicht wegzudenken war, ist die Quitte heute nicht gerade die beliebteste Frucht. Völlig zu Unrecht – findet Biobauer Marius Wittur: "Die Quitte ist das exotischste Obst, das wir in Franken haben".

Alte Quitten-Bestände an der Mainschleife rekultiviert

Marius Wittur baut in Unterfranken auf momentan etwa zwölf Hektar Fläche Quitten an. Er hat die Frucht selbst aber nicht an die Mainschleife gebracht, sondern gewissermaßen wiederentdeckt und rekultiviert. Obstbauern haben hier schon vor mehreren hundert Jahren Quitten angebaut. "Damals haben die Bauern genau geschaut, welche Obstsorten in einer Region angepasst sind und wachsen.", erklärt der Biobauer.

Alles zur gelben Frucht auf einem Lehrpfad in Astheim

Also hat Marius Wittur 2003 damit begonnen, alten und verwilderten Quitten-Bestände wieder neues Leben einzuhauchen. Daraus entstand ein Quittenlehrpfad in Astheim, einem Ortsteil von Volkach im Landkreis Kitzingen. Ein vier Kilometer langer Rundweg führt vorbei an verschiedenen kleinen Parzellen mit unterschiedlichsten Quitten-Sorten. Zwölf Thementafeln am Weg geben Auskunft zur Frucht, zum Beispiel zu ihrer Kulturgeschichte oder der Botanik.

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Am Quittenlehrpfad in Astheim geht es vorbei an zahlreichen Quittenbäumen und -sträuchern.

Einige Quitten-Sorten unwiederbringlich verschwunden

Insgesamt hegt und pflegt der Biobauer 120 internationale Sorten, denn: Die Quitte kommt auf allen fünf Kontinenten vor. Der Bedarf und die Beliebtheit der Quitte gehen aber seit Jahrzehnten zurück – und ein geringerer Bedarf bedeutet auch weniger Anbau und ein Verschwinden von Quitten-Sorten.

"Das Aussterben der Sorten ist ein sehr ernstes Thema. Wir wissen: Bei verschiedenen Sorten ist es ein Wettlauf gegen die Zeit.", Biobauer Marius Wittur

Aber: Durch seine Arbeit konnte er 20 fränkische Landsorten der Quitte retten. Von diesen Sorten sind aber nur noch zehn mit Namen bekannt.

Eine Frucht mit Heilkraft und Zukunft?

Dennoch: Marius Wittur glaubt an eine Zukunft der Quitte. Das Interesse an der Frucht steige wieder. Auch die Heilwirkungen der Quitte würden mehr und mehr erforscht. Die Quitte hat beispielsweise mehr Vitamin C als eine Zitrone. Beide Früchte gemeinsam werden in Heuschnupfen-Sprays verwendet und auch als Globoli gibt es die Quitte. In den 90er Jahren haben Wissenschaftler auch herausgefunden, dass eine Quitte radioaktive Elemente im menschlichen Körper binden und wieder ausscheiden kann.

Volkacher Haus der Quitte eröffnet Ausstellung

Die Quitte aus der Vergessenheit holen soll auch das Haus der Quitte in Volkach. Es wurde vor einem Jahr eröffnet und ist sozusagen ein Kooperations-Projekt von Marius Wittur und zwei weiteren Quitten-Liebhabern: Mario und Ulrike Pierl. Mitten in der Volkacher Altstadt soll der Quitte durch ihr "eigenes Haus" ein Comeback erleichtert werden.

Mitte Oktober wird dann auch eine Ausstellung zur Quitte eröffnen. Gerade die fränkischen Quitten stehen hier im Fokus, stellen sich sogar selbst über Audiodateien vor. Der Eintritt ist frei, aber aufgrund der Corona-Situation ist die Zahl der Besucher begrenzt.

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Ausstellung zur Quitte im "Haus der Quitte" in Volkach

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