Photovoltaikanlage auf einem Feld in Bayern (Symbolbild)
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PV-Anlage in Apfeldorf: Wenn Bürokratie auf Energiewende trifft

Apfeldorf im Landkreis Landsberg will eine Photovoltaikanlage mit Bürgerbeteiligung bauen, doch es gibt Probleme mit der Netzanbindung: Man wird sich mit dem Netzbetreiber nicht über einen Zugangspunkt einig. Sind die Regularien zu kompliziert?

Über dieses Thema berichtet: Abendschau - Der Süden am .

Auf einer Fläche von 13 Hektar könnte die Gemeinde Apfeldorf bald Solarstrom erzeugen. Bürgermeister Gerhard Schmid (Überparteiliche Einheitsliste/CSU) würde die Anlage mit Bürgerbeteiligung gerne schnell ans Netz bringen. Der Baubeginn wäre für den August geplant, doch das Projekt stockt: Der Netzbetreiber Lechwerke hat der Gemeinde einen Zugangspunkt auf der anderen Seite des Lechs angeboten, über einen Steilhang hinab müsste dazu ein unterirdisches Kabel unter der Fluss-Sohle hindurchgetrieben werden.

Streit über den besten Anschluss

"Das wäre das Aus für das Projekt", sagt Schmid, der die Anlage gerne an eine Mittelspannungsleitung anschließen würde, die nur 500 Meter neben der geplanten Fläche für die Anlage nahe dem Ortsteil Apfeldorfhausen vorbeiläuft. "Und da macht uns der Netzbetreiber momentan noch einen dicken Strich durch die Rechnung, weil sie einfach sagen: 'Das geht nicht'", so Schmid. Inzwischen prüfe man laut den Lechwerken einen weiteren Zugangspunkt östlich des Lechs, der ist aber mehrere Kilometer von der geplanten Anlagenfläche entfernt – und die Prüfung dauert.

Der Netzbetreiber muss die günstigste Lösung wählen

Der Netzbetreiber dagegen sieht keine andere Möglichkeit: Man sei gesetzlich dazu verpflichtet, neue Anlagen immer am "gesamtwirtschaftlich günstigsten Netzverknüpfungspunkt" anzuschließen und dies sorgfältig zu prüfen. Die dafür maßgebliche Summe errechnet sich aus den Kosten für die Leitung zum Zugangspunkt für den Anlagenbetreiber und den Netzausbau-Kosten für den Netzbetreiber. Nur wenn der Netzbetreiber hier die günstigste Lösung wählt, kann er die Kosten für den nötigen Leitungsausbau auf die Stromkunden umlegen.

"Ein Stromnetz ist keine App"

Und diese Regelung sei auch sinnvoll, sagt Detlef Fischer, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW): "Die Netzbetreiber sind hier der Anwalt der Kunden", denn diese seien es, die am Ende für den Netzausbau bezahlten. Außerdem mahnt Fischer zur Geduld: "Ein Stromnetz ist keine App, die sie mal schnell ein- und ausschalten können."

Kosten von den Lechwerken zu hoch angesetzt?

Beim Ingenieurbüro Sing in Landsberg, das die Solaranlage in Apfeldorf plant, kommt man zu einem ganz anderen Ergebnis, was der gesamtwirtschaftlich günstigste Einspeisepunkt wäre. Die Kosten für den erforderlichen Netzausbau könnten laut Johannes Ney vom Ingenieurbüro deutlich niedriger angesetzt werden, als von den Lechwerken veranschlagt. Lediglich zu den absoluten Produktionsspitzenzeiten würden die aktuellen Kapazitäten der von der Gemeinde favorisierten Leitung nicht ausreichen, dann könne man auch einfach die Leistung der Anlage geringfügig drosseln. Doch darauf habe man sich mit dem Netzbetreiber bislang nicht verständigen können.

Verzögerung der Projekte ist teuer

"Bei 80 Prozent der Anlagen", die er plane, komme er bei der Berechnung des "gesamtwirtschaftlich günstigsten Netzverknüpfungspunkts" zu einem anderen Ergebnis als der jeweilige Netzbetreiber, sagt Ney, der bereits mehr als 60 Photovoltaikanlagen in Bayern geplant hat. Durch die Streitigkeiten verzögerten sich viele Projekte enorm, teils mit großem finanziellen Schaden: Zuletzt konnte etwa eine bereits fertige Anlage in Gilching deshalb monatelang nicht in Betrieb gehen, was zu einem Einnahmeausfall "von mehreren Hunderttausend Euro" geführt habe, ergänzt Robert Sing, Geschäftsführer des Ingenieurbüros Sing.

Drei Jahre Verhandlung - Einfachere Regeln gefordert

Dabei wolle man den Netzbetreibern gar keinen Vorwurf machen, sagt Johannes Ney. Es brauche nur einfachere Regeln für alle. So könnte man etwa bei Anlagen bis zu einer bestimmten Größe, "zum Beispiel bis zehn Megawatt Leistung", vorschreiben, dass diese am geografisch nächstgelegenen Zugangspunkt angeschlossen werden müssen. Der Netzbetreiber solle die Kosten dann auf die Kunden umlegen können. Dies würde die Verfahren extrem beschleunigen sagt Ney. Etwa bei der Anlage in Apfeldorf sei man bereits seit dem Jahr 2019 in Verhandlungen um den Zugangspunkt mit den Lechwerken.

Gesetzesänderung als Lösung?

Auch der Netzbetreiber würde sich mehr Tempo wünschen: "Generell führen die aktuellen Regelungen des EEG dazu, dass der Netzausbau erst erfolgen kann, wenn konkrete PV- oder Windkraftprojekte bereits geplant sind. Zielführender wäre es, in den Modus des vorausschauenden Netzausbaus zu kommen", heißt es auf Anfrage. So sollten die Kommunen gezielt "konkrete Flächen für Erneuerbare-Energien-Projekte ausweisen, die dann von den Netzbetreibern vorausschauend an das Verteilnetz angebunden werden". Dafür wäre aber eine Gesetzesänderung nötig, damit die Netzbetreiber die Kosten auch für einen vorausschauenden Netzausbau umlegen könnten.

"Einfach mal sagen: Wir machen das jetzt"

In Apfeldorf wird derweil weiter um einen Netzzugang für die geplante Anlage, die theoretisch das ganze Dorf mit Strom versorgen könnte, gerungen. Bürgermeister Gerhard Schmid würde sich "ein bisschen mehr Entgegenkommen auf allen Seiten" wünschen. Seine Vision: "Ein bisschen weniger Regularismus und einfach mal sagen ‚Wir machen das jetzt und schaffen die Energiewende‘“. Dann könnte der Strom vielleicht auch bald auf kurzem Weg direkt von der PV-Anlage ins Dorf fließen.

Der Apfeldorfer Bürgermeister Gerhard Schmid vor dem Mast, an dem er gerne den Strom aus der geplanten PV-Anlage ins Netz einspeisen würde.
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Der Apfeldorfer Bürgermeister Gerhard Schmid vor dem Mast, an dem er gerne den Strom aus der geplanten PV-Anlage ins Netz einspeisen würde.

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