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Zu wenig Besucher, zu hohe Kosten: Das Puppentheatermuseum in Kaufbeuren wird aufgelöst. Damit geht eine jahrzehntelange Tradition zu Ende. Teile der Ausstellung sollen aber in Kaufbeuren bleiben.

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Puppentheatermuseum Kaufbeuren wird aufgelöst

Zu wenig Besucher, zu hohe Kosten: Das Puppentheatermuseum in Kaufbeuren wird aufgelöst. Damit geht eine jahrzehntelange Tradition zu Ende. Teile der Ausstellung sollen aber in Kaufbeuren bleiben.

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Von
  • Rupert Waldmüller

Kunstvolle Marionetten, phantasievollen Puppen, furchterregende Masken, filigrane Papiertheater, feine Scherenschnitte – das und noch viel mehr hat der Kaufbeurer Puppenbauer und Puppenspieler Alois Raab zu Lebzeiten in aller Welt gesammelt. 1987 – kurz vor seinem Tod - bekam die Sammlung ihr eigenes Museum im Spielberger Hof in Kaufbeuren. Doch nach 34 Jahren ist Schluss: Der Puppenspielverein kann das Haus nicht mehr halten. Das Museum wird aufgelöst.

Auflösung fällt niemandem leicht

Seit Monaten sind die Mitglieder des Puppenspielvereins damit beschäftigt, das Museum aufzuräumen, den Bestand zu sichten und die mehreren tausend Einzelstücke zu sortieren. Die Auflösung des Museums fällt niemandem leicht: "Es ist schon Herzblut mit dabei", sagt Spielleiterin Katrin Keetman. "Aber wirtschaftlich gesehen ist es für den Verein nicht mehr tragbar. Zwei Häuser können wir nicht unterhalten."

Personalmangel, wenig Besucher, hohe Kosten

Das Museum war wegen Personalmangels in den vergangenen Jahren nur sporadisch geöffnet. Die Ausstellung ist inzwischen nicht mehr zeitgemäß. Die Besucher wurden immer weniger. Den Einnahmen von zuletzt 300 bis 500 Euro pro Jahr standen jährliche Betriebskosten in Höhe von bis zu 25.000 Euro gegenüber. "Um das Museum zu erhalten, wären noch weitere Kosten dazugekommen – zum Beispiel für eine professionelle Museumsleitung", sagt die neu gewählte Vereinsvorsitzende Ekatharina Sperling. "Das kann unser Verein einfach nicht mehr stemmen."

Etliche Stücke sollen in Kaufbeuren bleiben

Deshalb entschieden sich die Vereinsmitglieder schweren Herzens für die Schließung. Etliche Stücke aus dem Museum will der Verein in Zukunft in seinem Theater ausstellen. Dauerleihgaben sollen an ihre Besitzer zurückgehen. Und die Verantwortlichen verhandeln gerade mit mehreren Museen über eine Übernahme der teils durchaus kostbaren Ausstellungsstücke.

Empörung über Auflösung

Die Nachricht, dass das Kaufbeurer Puppentheatermuseum in seiner jetzigen Form aufgelöst werden soll, hat bei einigen Kaufbeurern für Empörung gesorgt. Peter Pius Irl, Schauspieler und Freund des Kaufbeurer Puppenvaters Alois Raab, sagt, er sei traurig und fassungslos: "Es ist eine europaweit einmalige Sammlung und es wäre ungeheuer schade, wenn man diese Sammlung auseinanderreißen und – ich behaupte mal: verhökern – würde."

Respekt vor dem Erbe

Verhökern, verscherbeln, verramschen - das wolle die Ausstellungsstücke sicher niemand, heißt es beim Verein. "Wir gehen respektvoll mit dem Erbe von Alois Raab um und versuchen, alles in gute Hände zu geben", sagen die Verantwortlichen.

Stadt will Sammlung nicht übernehmen

Die Stadt, die das Museum in den vergangenen Jahren mit jährlich 20.000 Euro Mietzuschuss unterstützte, hat unter anderem wegen der drohenden Mehrkosten kein Interesse, die Sammlung zu übernehmen. "Hier geht es um ganz erhebliche Aufwendungen und wir sind der Meinung, dass das weiter im Kern ehrenamtlich gestemmt werden müsste", sagt Oberbürgermeister Stefan Bosse. "Der Puppenspielverein bräuchte viel mehr Unterstützer und Geld. Und das ist derzeit nicht in Sicht."

Kleinere, modernisierte Ausstellung im Theater

Deshalb setzt der Verein jetzt auf eine verkleinerte und modernisierte Ausstellung in seinem Puppentheater – auch um sich wieder auf den Spielbetrieb dort konzentrieren zu können. Spielleiterin Katrin Keetman hofft, dass das eine Lösung mit Zukunft ist. "Wir kriegen viel im Theater unter", sagt sie. "Und ich hoffe, dass die Kaufbeurer dann scharenweise zu uns kommen." Das traditionsreiche Puppentheatermuseum im Spielberger Hof wird voraussichtlich bis zum Ende des Jahres Geschichte sein.