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Eine junge Frau liegt auf der Couch bei einem Psychiater

Psychische Krankheiten sind in der Öffentlichkeit oft immer noch tabu, doch es gibt immer mehr Menschen, die sich dazu bekennen.

"Früher haben wir es oft erlebt, dass sich Patienten über Jahre mit ihren Erkrankungen gequält haben, auch schon den Hausarzt nicht kontaktiert haben. Die Schwelle ist niedriger geworden, sich an Psychiater zu wenden.“ Prof. Dominikus Bönsch, Chefarzt im Bezirkskrankenhaus Lohr

Immer mehr Senioren sind von psychischen Erkrankungen betroffen

Depressionen, Angsterkrankungen, Suchterkrankungen, das sind die häufigsten Ursachen für einen Klinikaufenthalt in der Psychiatrie, sagt Dominikus Bönsch, und es gibt nach seiner Aussage noch mindestens eine weitere Ursache dafür, dass die Zahl der Patienten zunimmt. "Das sind ältere Menschen, Menschen die typische Erkrankungen haben, wie man sie im Alter bekommt. Demenzerkrankungen, aber auch die Depression im Alter ist ein neues und immer größer werdendes Phänomen."

Mut zur Krankschreibung aufgrund psychischer Erkrankungen wächst

Sicher ist: Krankenhaustherapien von psychisch kranken Menschen haben deutlich zugenommen. 2004 waren es bayernweit noch knapp 145.000 Therapien in Bezirkskrankenhäusern, 2016 bereits knapp über 182.000. Die gestiegene Anzahl der Therapieaufenthalte in bayerischen Krankenhäusern bedeute jedoch nicht, dass psychische Krankheiten in Bayern zunehmen, sagt der Gesundheitsforscher am Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), Joseph Kuhn.

"Die Zunahme der Krankenhausfälle hat vor allem auch damit zu tun, dass die Versorgung besser wird. Die Wissenschaft geht davon aus, dass die Erkrankungszahlen selber nicht zunehmen, dass die konstant bleiben, aber dass mehr Menschen im Versorgungssystem ankommen. Das gilt für die Krankenhausfälle, das gilt für die ambulanten Fälle und das gilt für die Krankschreibungen. Die Menschen trauen sich eher, sich krankschreiben zu lassen, und das ist eigentlich eine positive Entwicklung." Dr. Joseph Kuhn, Gesundheitsforscher am LGL

Hausärzte erkennen psychische Krankheiten besser

Auch Hausärzte würden heute psychische Krankheiten schneller und besser erkennen, sagt Joseph Kuhn. Dabei sei die Anfälligkeit für psychische Krankheiten im mittleren Alter besonders hoch. "Die Bevölkerung wird immer älter, wir haben bei den psychischen Störungen insgesamt, die ja sehr unterschiedlich zusammengesetzt sind, einen Häufigkeitsgipfel im mittleren Erwachsenenalter, dann wird es im höheren Erwachsenenalter etwas weniger, das ist aber bei gewissen Diagnosen wie den Depressionen nicht so."

Ob die Zahl der Krankenhaustherapien von psychisch kranken Menschen weiterhin derart steigen wird, kann Joseph Kuhn nicht sagen. Bayernweit geht der Gesundheitsforscher eher von einer Stagnation aus. Von einer Trendwende könne man aber noch nicht sprechen.