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Vergewaltigungsprozess Würzburg: Richter mahnt zum Geständnis | BR24

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In Würzburg steht ein 30-Jähriger unter anderem wegen schwerer Vergewaltigung und schwerer Körperverletzung vor Gericht. Für den Prozess sind bis September sechzehn Verhandlungstermine angesetzt.

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Vergewaltigungsprozess Würzburg: Richter mahnt zum Geständnis

Der Würzburger Prozess um Vergewaltigungen und Sex-Videos hat mit deutlichen Worten an die Adresse des Angeklagten begonnen: Richter und Staatsanwalt machten klar, dass der 30-Jährige nur bei einem frühen Geständnis mit Strafmilderung rechnen könne.

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Ein ehemaliger Lehramtsstudent und Hobby-Kickboxer muss sich wegen Vergewaltigungsvorwürfen und heimlich gefilmten Sex-Videos vor dem Landgericht Würzburg verantworten. Zu Beginn des Prozesses schwieg der 30-Jährige zu den Tatvorwürfen, gab aber zu seinen persönlichen Lebensverhältnissen ausführlich Auskunft. Für den zweiten Prozesstag am Dienstag hat sein Anwalt eine Stellungnahme des Angeklagten angekündigt. Und der Vorsitzende Richter und der Staatsanwalt machten deutlich, was sie von dem 30-Jährigen erwarten.

Angeklagter solle Opfern Aussagen vor Gericht ersparen

Nur bei einem umfassenden Geständnis zu Beginn des Verfahrens könne der Angeklagte mit strafmildernden Umständen rechnen. "Sie haben jetzt die Chance, den geschädigten Frauen die Aussage vor Gericht zu ersparen", sagte der Staatsanwalt in Richtung des Angeklagten. "Danach schaut es düster aus und Sie haben keine Milde zu erwarten. Denn die Taten sind ordentliche Hämmer". Angesichts der Schwere der Vorwürfe stehe auch eine Sicherungsverwahrung im Raum, so der Staatsanwalt. Bei einem weiteren Abstreiten der Tatvorwürfe sei die "Prognose sicherlich eher ungünstig". Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann Vergewaltigung in drei Fällen vor. Zudem soll er 12 Frauen und ein Paar in seinem Würzburger WG-Zimmer heimlich beim Sex gefilmt haben.

Brutale Vergewaltigung im Würzburger Ringpark

Der Angeklagte hatte während der Ermittlungen angegeben, dass der Geschlechtsverkehr mit allen Frauen einvernehmlich gewesen sei. Der Vorsitzende Richter äußerte Zweifel an der Darstellung des 30-Jährigen. "Wenn das einvernehmlich gewesen sein soll, verstehe ich so manches nicht mehr." Zu einer besonders schweren Vergewaltigung soll es im Juli 2018 im Würzburger Ringpark nahe des Kriegerdenkmals gekommen sein. Auf dem gemeinsamen Heimweg von einer Bar an der Juliuspromenade soll der Angeklagte seine Begleiterin zu Sex gezwungen haben und dabei sein Opfer geschlagen und über eine Minute heftig gewürgt haben. Das Opfer habe "Todesangst" gehabt und sei aufgrund des Erlebten "in einer physischen und psychischen Ausnahmesituation" gewesen, so die Anklage. Zufällig vorbeikommende Zeugen störten den Mann bei seiner Tat und setzten einen Notruf ab.

Mit Handy und Laptop beim Sex gefilmt

Zusätzlich zu den Vergewaltigungsvorwürfen muss sich der 30-Jährige wegen heimlich gefilmter Sex-Videos verantworten. Die Anklage lautet hier auf Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs. Über zwei Jahre hinweg soll er Frauen in seinem Würzburger WG-Zimmer beim zunächst einvernehmlichen Geschlechtsverkehr mit der Kamera seines Laptops gefilmt haben. In einigen Fällen soll der Mann dabei die Frauen gegen ihren ausdrücklichen Willen zu Sexualpraktiken gezwungen und dabei Hilfeschreie ignoriert haben. Auf einem Video soll er äußern, dass ihn diese Hilfeschreie zusätzlich erregen würden, so die Anklage.

Wegen Drogendelikt inhaftiert

Die Polizei hatte die Videos auf dem Handy des Mannes entdeckt, nachdem gegen ihn wegen Drogendelikten ermittelt wurde. Der Angeklagte sitzt bereits wegen eines Drogendelikts im Gefängnis. Die Frauen sollen erst durch die Beamten von den Aufnahmen erfahren haben, die mit einer aktivierten Kamera am Laptop und in manchen Fällen mit seinem Handy gefilmt wurden. Ein weiterer Fall wird voraussichtlich gesondert verhandelt, da das Opfer erst vor wenigen Monaten, fast vier Jahre nach der Tat, ausfindig gemacht werden konnte. Die junge Frau hatte demnach im September 2016 mit dem Angeklagten Sex, konnte sich aber an nichts mehr erinnern - die Staatsanwaltschaft vermutet, dass K.O.-Tropfen im Spiel gewesen seien.

Jeden Tag Alkohol und Drogen

Der 30-Jährige hat sich am ersten Prozesstag ausführlich zu seinen persönlichen Lebensumständen geäußert. Der ehemalige Lehramtsstudent berichtete etwa, dass er mit Beginn seines Studiums im Jahr 2011 damit begonnen habe, jeden Tag exzessiv Alkohol zu trinken und Drogen zu konsumieren. Zwei Prüfungen zum Staatsexamen als Lehrer an Mittelschulen habe er nicht bestanden. Nach seiner Verurteilung wegen des Drogendelikts sei ihm dann klar geworden, dass es mit dem Lehrerberuf "wohl nichts mehr werden wird". Als Alternative habe er für später eine Beschäftigung als Streetworker ins Auge gefasst. Große Teile seiner Zeit habe er aber auch "einfach so in den Tag hineingelebt" und sei dann abends feiern gegangen.

Gericht: "ein Frauenbild der untersten Schublade"

Was sein Verhältnis zu Frauen betrifft, hat das Gericht dem 30-Jährigen zum Prozessauftakt "ein Frauenbild der untersten Schublade" bescheinigt. Der im Zuge der Ermittlungen untersuchte Chat-Verlauf mit Freunden auf dem Handy des Angeklagten offenbare etliche abfällige Äußerungen und eine Einstellung, die Frauen "auf ihre sekundären Geschlechtsmerkmale" reduziere.

Insgesamt sind für den Prozess bisher 17 Verhandlungstage bis in den Herbst 2020 angesetzt. Sollten die betroffenen Frauen wegen eines Geständnisses nicht vor Gericht aussagen müssen, könnte ein Urteil auch früher fallen.

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