BR24 Logo
BR24 Logo
BR24 - Hier ist Bayern
© BR
Bildrechte: BR

In Würzburg muss sich seit Mittwoch (29.09.21) eine Altenpflegerin vor dem Landgericht wegen versuchten Mordes verantworten. BR-Korrespondent Pirmin Brenninek war am Prozesstag für den BR live vor Ort.

1
  • Artikel mit Video-Inhalten

Prozessauftakt: Altenpflegerin wegen versuchten Mordes angeklagt

In einem Seniorenheim in Volkach soll eine Altenpflegerin versucht haben, zwei Seniorinnen zu töten. Den mutmaßlichen Tathergang konnten Ermittler rekonstruieren. Zum Prozessbeginn hat sich die Angeklagte bei den Angehörigen der Opfer entschuldigt.

Von
Pirmin BreninekPirmin Breninek
1

Im November 2020 soll die Altenpflegerin versucht haben zwei Bewohnerinnen des Seniorenzentrum des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB) umzubringen. Mit einem Insulinstift spritze sie beide Frauen in ihre Bauchfalten, so jedenfalls schildern es die Ermittler. Wenig später seien beide Frauen bewusstlos geworden.

Altenpflegerin soll Insulin gespritzt haben

Für den Vorfall in Volkach im Landkreis Kitzingen muss sich die Altenpflegerin seit Mittwoch (29.09.2021) am zuständigen Landgericht in Würzburg verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau versuchten Mord vor. Nach Angaben der Ermittler hat die Angeklagte den beiden demenzkranken Frauen das Insulin ohne Berechtigung gespritzt. Die damals 85 und 80 Jahre alten Frauen kamen in lebensbedrohlichem Zustand in Kliniken. Laut Staatsanwaltschaft wurde bei ihnen ein extrem niedriger Blutzuckerspiegel diagnostiziert. Notärzte und Klinikpersonal konnten Schlimmeres verhindern.

48-Jährige meldete sich bei der Polizei

Kurz nach dem Vorfall hatte die Polizei mit zahlreichen Beamten in dem Pflegeheim ermittelt. Der Druck auf die Pflegekraft wurde dadurch offenbar zu groß. Die damals 48-Jährige meldete sich bei der Polizei. Sie kam in Untersuchungshaft.

Das mögliche Motiv der Frau gibt Rätsel auf. "Wir haben keine Hinweise gesehen", sagte Michael Holzwarth, Geschäftsführer beim ASB Regionalverband Würzburg, wenige Wochen nach dem Vorfall im BR-Gespräch. Laut Staatsanwaltschaft schilderte ein Zeuge nun bei den Ermittlungen ein Gespräch mit der Angeklagten. Dabei soll sie gefragt haben, wieviel Insulin notwendig sei, um einen Menschen zu töten.

Seniorinnen überlebten Insulin-Spritzen

Im Krankenhaus war damals aufgefallen, dass beide Frauen nahezu die gleichen Symptome hatten und aus der gleichen Einrichtung stammen. Daraufhin wurde die Polizei verständigt. Beide Frauen konnten nach ihrem Klinikaufenthalt in das Seniorenzentrum des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB) zurückkehren.

Prozessauftakt: Entschuldigung unter Tränen

Beim Prozessauftakt entschuldigte sich die 49-Jährige Angeklagte unter Tränen bei den Angehörigen der Opfer: "Ich weiß, dass ich das nicht wieder gutmachen kann. Es tut mir von Herzen leid." Die Altenpflegerin, die gesundheitlich angeschlagen vor Gericht erschien, verteidigt sich damit, sie habe den beiden Frauen helfen wollen: Die Gabe der falschen Medikamente soll den Zweck gehabt haben, dass ein Arzt die Frauen behandeln würde. Das hatte sie bereits der Polizei gesagt, nachdem sie sich kurz nach der Tat selbst gestellt hatte. Am Mittwoch sagte ihr Verteidiger, sie bleibe bei diesen Aussagen. Der Vorfall sei in einer "akuten Überlastungssituation" der Angeklagten passiert. Zu Einzelheiten zur Tat äußerte sich der Verteidiger nicht.

Es sind drei weitere Verhandlungstage geplant.

"Hier ist Bayern": Der neue BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

Sendung

Mittags in Mainfranken

Schlagwörter