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In Rosenheim steht heute eine junge Frau vor dem Amtsgericht. Sie hat ihrem seit vielen Jahren heroinabhängigen Bruder Substitutionstabletten in die JVA Bernau geschmuggelt.

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Entzug in der JVA Bernau? Prozess am Rosenheimer Amtsgericht

In Rosenheim steht heute eine Frau vor Gericht, weil sie ihrem heroinabhängigen Bruder Tabletten ins Gefängnis Bernau geschmuggelt hat – um die Entzugserscheinungen zu lindern. In vielen Gefängnissen werde auf Entzug gesetzt, kritisieren Experten.

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Von
  • Julia Binder

Heroinsucht gilt als schwere chronische Krankheit. Oft muss sie ein Leben lang behandelt werden. Doch in bayerischen Gefängnissen werden Heroinersatzbehandlungen, die sogenannte Substitution, immer wieder abgebrochen. In Rosenheim steht heute eine junge Frau vor dem Amtsgericht. Sie hat ihrem seit vielen Jahren heroinabhängigen Bruder Substitutionstabletten in die JVA Bernau geschmuggelt.

In Haft: Kalter Entzug statt Drogenersatztherapie

Mehr als 17 Jahre ist Thomas (Name von Redaktion geändert) schon heroinabhängig, immer wieder muss der 36-Jährige ins Gefängnis, immer wieder wegen Drogendelikten. In Freiheit bekommt er eine Drogenersatztherapie, sprich, er wird substituiert. Doch bei seinem Haftantritt in der JVA Bernau heißt es: Kalter Entzug. Obwohl er den Anstaltsarzt ausdrücklich um Substitution gebeten habe, erzählt er.

Tabletten für Bruder ins Gefängnis geschmuggelt

Sein Ausweg: Seine Schwester Claudia Jaworski. Sie schmuggelt Thomas zwei Substitutionstabletten ins Gefängnis. Die beiden werden erwischt, Claudia Jaworski bekommt einen Strafbefehl über 90 Tagessätze. Das könnte sie hinnehmen, das Geld überweisen und damit wäre der Fall erledigt. Doch die junge Frau ist so schockiert davon, wie in der JVA Bernau mit ihrem suchtkranken Bruder umgegangen wurde, dass sie es auf eine Hauptverhandlung ankommen lässt.

Entzug statt Substitution

Die Substitution ist eine von der Bundesärztekammer empfohlene Therapieform – auch in Haft. In bayerischen Gefängnissen werde aber eher auf Entzug statt auf Substitution gesetzt, vermutet auch die Deutsche Beobachtungstelle für Drogen und Drogensucht. Experten halten eine solche Strategie für nicht zielführend.

Claudia Jaworski wünscht sich, mit ihrem Prozess aufmerksam zu machen auf strukturelle Probleme in bayerischen Gefängnissen, die ihrer Meinung nach auf dem Rücken vieler suchtkranker Häftlinge ausgetragen werden.

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