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Prozess um toten Dreijährigen aus Dillingen: Mutter sagt aus | BR24

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Bildrechte: BR/Juditz Zacher

Am Landgericht Augsburg wurde jetzt der Fall des toten Dreijährigen aus Dillingen weiter verhandelt. Als Zeugen sagten die Mutter sowie die damalige Lebensgefährtin des Angeklagten aus.

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Prozess um toten Dreijährigen aus Dillingen: Mutter sagt aus

Ein Dreijähriger stirbt im Herbst 2019 in Dillingen – laut Staatsanwaltschaft durch Misshandlungen des Lebensgefährten der Mutter. Die medizinischen Gutachten seien eindeutig. Die Mutter des toten Kindes beschrieb den Angeklagten nun als liebevoll.

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Von
  • Judith Zacher
  • Anna Klein
  • Werner Bader

Der Fall des toten Dreijährigen in Dillingen hatte im Herbst 2019 bayernweit für Aufsehen gesorgt - seit Mitte Januar muss sich ein heute 24 Jahre alter Mann wegen der Tat vor dem Augsburger Landgericht verantworten. Der Deutsche war zum Zeitpunkt des Todes des Buben mit dessen Mutter liiert, lebte mit ihr aber nicht zusammen. Dennoch übernahm er an einem Oktobertag 2019 die Betreuung des Kindes, als die Mutter nicht zuhause war. In dieser Zeit soll er den Jungen geschlagen und danach weiter misshandelt haben. Der Junge starb später im Krankenhaus. Laut Staatsanwaltschaft lässt das rechtsmedizinische Gutachten keinen anderen Schluss zu, als dass der 24-Jährige der Täter sei.

Nun haben im Prozess sowohl die Mutter des Kindes als auch die Mutter des mutmaßlichen Täters ausgesagt - und dabei über den Angeklagten vor allem Positives berichtet.

Zeuginnen entlasten Angeklagten

So beschrieben sie den 24-Jährigen als liebevoll und fürsorglich. "Ich hätte nicht denken können, dass sowas passiert, weil dazu war er zu liebevoll", sagte die Mutter des toten Dreijährigen vor Gericht. Ihr Ex-Partner habe sich fürsorglich um die Kinder gekümmert, vor allem der kleine Bub sei gern bei ihm geblieben. Sie hätte ihn nicht mit den Kindern alleine gelassen, wenn sie ihm nicht vertraut hätte.

Auch die Mutter des 24-Jährigen beschrieb ihren Sohn als besonnenen, ruhigen Mann, der Streit eher aus dem Weg gehe. Durch den Umgang mit den Kindern sei er richtiggehend aufgeblüht. Sie sei sich sicher, dass ihr Sohn nichts Falsches getan habe, sagte sie unter Tränen.

Jugendamt bricht Betreuung ab

Die mitangeklagte Mutter brach vor Gericht ebenfalls mehrfach in Tränen aus. Vor allem, als ein Video der Wiederbelebungsversuche ihres Sohnes gezeigt wurde. Ihre Antworten waren oft eher karg und patzig. Dabei beschrieb sie sich selber immer als "schwierige Person". Sie betonte, sie wolle sich selber in die Psychiatrie einweisen, weil sie nicht mehr könne.

Die 22-jährige hat insgesamt drei Kinder und wohnte ursprünglich in Halle an der Saale. Laut ihrer Aussage spielten damals Alkohol, Drogen und Suizidgedanken eine große Rolle in ihrem Leben. Eine Zeit lang hatte die junge Frau in einem Mutter-Kind-Heim gewohnt, dann zog sie mit ihrem damaligen Partner zusammen. Das Jugendamt Halle hatte damals die Betreuung der jungen Frau und ihren Kindern übernommen, nach einer Zeit allerdings beendet, weil sie nicht mitgearbeitet habe.

Am Tag des Vorfalls war die 22-Jährige nach eigenen Angaben nicht vor Ort, weil sie im Allgäu ein Pferd kaufen wollte. Ihr Partner habe sie am Abend angerufen und gebeten, den Notarzt zu verständigen, da der Dreijährige ohnmächtig geworden sei. Die Frau alarmierte daraufhin den Notruf. Für den Jungen kam die Hilfe aber zu spät.

Für die Staatsanwaltschaft ist das Gutachten eindeutig

Die Verteidigung fragte nach anderen möglichen Ursachen für den Kollaps des Jungen - ob beispielsweise die großen Hunde des Haushalts etwas damit zu tun haben könnten oder aber ob die Mutter möglicherweise doch zuhause war. Für Staatsanwalt Michael Niß waren diese Entlastungversuche allerdings wenig glaubwürdig; das rechtsmedizinische Gutachten sei eindeutig. Demnach hatte der Angeklagte dem Buben geschlagen oder stark geschüttelt. In der Folge habe dieser innere Blutungen erlitten und sei im Krankenhaus verstorben.

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