BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR/Sylvia Bentele
Bildrechte: BR/Sylvia Bentele

Strafjustizzentrum Augsburg

Per Mail sharen

    Prozess um toten Dreijährigen: Angeklagter macht Aussage

    Er soll den Sohn seiner damaligen Lebensgefährtin so schwer misshandelt haben, dass dieser starb. Vor dem Augsburger Landgericht wird heute der Prozess gegen einen 24-Jährigen fortgesetzt. Der hat sich erstmals zu den Vorwürfen geäußert.

    Per Mail sharen
    Von
    • Judith Zacher
    • Beate Mangold

    Die Vorwürfe gegen ihn wiegen schwer: Die Staatsanwaltschaft wirft einem 24-Jährigen vor, er soll den Sohn seiner Lebensgefährtin mit der Faust so schwer geschlagen haben, dass er an inneren Verletzungen starb. Angeklagt ist er wegen Totschlags. Vor dem Augsburger Landgericht hat sich nun zum ersten Mal der Angeklagte selbst zu den Vorwürfen geäußert.

    Streit mit der Mutter vor dem Tod des Jungen

    Am Tag vor dem Tod des Dreijährigen habe er sich morgens mit der Mutter des Jungen gestritten und sei dann, um einen klaren Kopf zu bekommen, mit den Hunden spazieren gegangen. Als er wiedergekommen sei, hätten die Kinder geschrien. Was genau passiert sei, habe die Mutter ihm aber nicht gesagt. Stattdessen sei sie dann weggefahren, um ein Pferd zu kaufen, was auch Grund für den Streit gewesen sei.

    Mit dem Knie auf den Dreijährigen gefallen

    Tagsüber habe er dann die Kinder betreut. Der Sohn habe mehrfach gespuckt. Am Nachmittag sei er über eine Decke gestolpert, habe noch versucht, sich am Tisch abzufangen, sei aber trotzdem mit dem Knie auf den Dreijährigen gefallen. Der Junge habe auf dem Boden gelegen und mit einem Auto gespielt.

    Angeklagter: "Versuchte Jungen wiederzubeleben"

    Der Junge habe dann zwar geweint, er habe ihn aber trösten und beruhigen können. Rötungen am Körper des Kindes seien nicht sichtbar gewesen. Wenig später habe das Kind komisch geatmet, weswegen er dann seine damalige Lebensgefährtin angerufen habe, damit diese den Notarzt hole. Als der Junge bewusstlos wurde, habe er versucht, ihn wiederzubeleben. Dem Notarzt hatte der Angeklagte aber nichts von dem Sturz erzählt.

    Schweigen aus Angst vor dem Jugendamt

    Die Mutter des Jungen habe ihm eingebläut, er solle nicht sagen, dass sie gestritten hätten, so der 24-Jährige vor Gericht. Sonst komme sicher das Jugendamt und hole die Kinder. Wochen später habe sie ihm erzählt, sie sei schwanger. Bei diesem Gespräch habe sie auch davon gesprochen, dass sie am betreffenden Tag die Kinder geschlagen habe, als sie allein mit ihnen war. Er solle jedoch nichts sagen, da sie das gemeinsame Kind bekommen und behalten wolle, so der Angeklagte.

    Zeugen schilderten Angeklagten als liebevoll

    Auch von der Polizei sei ihm gesagt worden, der Rechtsmediziner habe Faustschläge nachweisen können. Vor Gericht werde man nicht ihm glauben, sondern dem Mediziner. Dieses rechtsmedizinische Gutachten spielt eine große Rolle vor Gericht. Aufgrund des Gutachtens war Anklage gegen den 24-Jährigen erhoben worden.

    Die Notärzte, die den Jungen an dem Tag im Oktober abholten, hatten sich den leblosen Zustand des Buben nicht erklären können. Er starb später nach einer Notoperation in der Augsburger Uniklinik. Die Mutter des Angeklagten, die Mutter des Dreijährigen, Freunde und Kollegen des Angeklagten hatten ihn vor Gericht als ruhigen Menschen beschrieben, der sich äußerst liebevoll um die Kinder gekümmert habe.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!