BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: BR

BR-Reporterin Judith Zacher in der BR-Abendschau zum Prozess

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Prozess um toten Dreijährigen: Angeklagter sagt aus

Im schwäbischen Dillingen soll ein Mann den dreijährigen Sohn seiner Freundin so schwer misshandelt haben, dass er starb. Der 24-Jährige steht nun in Augsburg vor Gericht. Heute hat er sich erstmals selbst zu den Vorwürfen geäußert.

Per Mail sharen
Von
  • Judith Zacher
  • Werner Bader

Die Vorwürfe gegen ihn wiegen schwer: Die Staatsanwaltschaft wirft einem 24-Jährigen vor, er soll den dreijährigen Sohn seiner Lebensgefährtin mit der Faust so schwer geschlagen haben, dass er an inneren Verletzungen starb. Angeklagt ist er wegen Totschlags. Vor dem Augsburger Landgericht hat sich nun zum ersten Mal der Angeklagte selbst zu den Vorwürfen geäußert.

Streit mit der Mutter des Buben

Nach einem Streit habe er seine Lebensgefährtin mit den Kindern eine Weile alleine gelassen. Als er wiederkam, hätten die Kinder heftig geweint und geschrien. Den Tag über habe dann er die Kinder betreut, seine damalige Lebensgefährtin sei weggefahren, um ein Pferd zu kaufen. Dies sei auch Gegenstand des Streits gewesen. Der kleine Ben habe an diesem Tag mehrfach erbrochen. Am Nachmittag habe der Dreijährige dann im Wohnzimmer auf dem Boden liegend gespielt.

Mit dem Knie auf das Kind gestürzt?

Als er vom Rauchen draußen wieder ins Wohnzimmer kam, so der Angeklagte, sei er über eine Decke gestolpert, habe sich abgestützt, habe aber nicht verhindern können, dass er mit dem Knie auf das Kind gestürzt sei. Seine Lebensgefährtin habe ihm außerdem mehrere Wochen später gesagt, dass sie die Kinder an dem Tag morgens geschlagen habe.

Er habe seine Lebensgefährtin schützen wollen

Sie habe ihm dabei ebenfalls gesagt, sie sei schwanger, deshalb solle er nichts zur Polizei sagen. Er sagte auch, er habe seine damalige Lebensgefährtin schützen wollen. Die Polizeibeamten hätten ihm außerdem gesagt, man werde ihm sowieso nicht glauben, da ein anerkannter Rechtsmediziner der Ansicht sei, Schläge hätten zum Tod des Kindes geführt. Diese Aussage konnte jedoch durch die Befragung der Polizeibeamten nicht bestätigt werden, sie hätten so etwas nicht gesagt, so die Beamten heute vor Gericht.

Ein Widerspruch in der Aussage?

In der späteren Befragung, wie es zu dem Sturz gekommen sei, gab es dann allerdings einen Widerspruch: Die Decke, über die er angeblich gestolpert sei, war auf den Fotos, die die Polizeibeamten vor Ort gemacht hatten, nicht zu sehen. Der Staatsanwalt ist deshalb der Ansicht, die Einlassung des Angeklagten sei widerlegt. Außerdem stehe im Haftbefehl klar, dass der Bub die Verletzung erst erlitten haben kann, als die Mutter das Haus bereits verlassen hatte.

Weiterer Gutachter soll befragt werden

Trotzdem soll am Freitag ein weiterer Gutachter befragt werden, ob durch ein Knie so eine Verletzung wie der Riss des Darms, an dem der Bub Stunden später gestorben ist, verursacht werden kann. Weil darauf noch gewartet werden soll, wurde das eigentlich für heute eingeplante rechtsmedizinische Gutachten noch nicht vorgestellt. Des Weiteren sagten die drei Kripobeamten aus, die den Angeklagten zur Haft nach Augsburg gebracht hatten. Im Auto habe der gesagt, es tue ihm leid. Auf die Frage, was ihm leidtue, habe er gesagt, ihm sei der Geduldsfaden gerissen, er habe den Buben "in den Bauch gehaut". Das tue ihm leid, er liebe die Kinder.

Ein Biomechaniker soll Stellung nehmen

Der Angeklagte spricht auch immer von "seinem Sohn" und "seiner Tochter" – auch wenn es nicht seine leiblichen Kinder sind. Am Freitag sollen dann das rechtsmedizinische Gutachten sowie ein Gutachten über die Person des Angeklagten vorgestellt werden. Ein Biomechaniker soll außerdem Stellung dazu nehmen, ob durch ein Knie eine solche Verletzung verursacht werden kann.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!